Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter

Germain, die Entwicklung vom Taubenzähler im Park zum Camus-Versteher.

Ein weiter Weg für einen, der nicht der Schlaueste ist und von Mutter und Lehrern wie ein Dummkopf behandelt wurde.

Ein weiter Weg, im Alter von 45 Jahren, mit dem Nachdenken anzufangen, das ist etwa so, wie wenn man einem Kurzsichtigen eine Brille gibt.

Er schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, wohnt in einem uralten kleinen Wohnwagen, „philosophiert“ in einfacher Stammtischmanier mit seinen Kumpels – bis er Margueritte im Park trifft, eine alte gebildete Frau, die viel liest.

Margueritte beginnt, Germain Abschnitte aus Camus „Die Pest“ vorzulesen, und der tumbe Tor taucht in einen neue Welt ein, die des Verstehens und des Nachdenkens.

Die beiden geben ein herrliches Paar ab: der riesige Germain und die zierliche Alte.

Es ist zum einen diese Beziehung, die sich wie eine Liebesgeschichte entwickelt.

Es ist aber auch und vielleicht noch viel mehr die Geschichte Germains, der von seiner Mutter vernachlässigt und den Lehrern gemobbt wurde. Ein Entwicklungsroman, der den Weg vom Analphabeten zum Wörterversteher und dann auch noch Vorleser aufzeigt.

Das Buch wurde verfilmt mit Gérard Depardieu als Germain. Nicht vorstellbar, dass dabei die Kraft der Wörter in dem Maße wirken kann wie im gedruckten Werk, das von Claudia Kalscheuer feinfühlig ins Deutsche übersetzt wurde.

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7 Kommentare on “Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter”

  1. ottogang sagt:

    Die Kraft der Wörter ist zum Glück nur aus dem Buch zu erleben. Der Film kann das im Kopf ablaufende Kino in keiner Weise ersetzen, dazu ist speziell der Schluß des Films nicht der Schluß des Buches.
    Ich denke, zukünftig werde ich mich entweder für das Buch oder den Film entscheiden, wobei das Buch sicher den Vorzug erhält.

  2. Lakritze sagt:

    Nicht übelnehmen: das lese ich jetzt nicht. Ich wollte ja das Buch noch lesen.

  3. karu02 sagt:

    Also gut, jetzt lese ich das Buch auch, nachdem ich den Film schon gesehen habe. Den Film anzuschauen lohnt sich schon wegen dieser wunderbaren alten Dame: Gisèle Casadesus; zum verlieben.

  4. ottogang sagt:

    Da bin ich aber gespannt. Erst der Film, dann das Buch.
    Also ich machte es umgekehrt und war enttäuscht vom Film, trotz der großartigen Schauspieler Casadesus und Depardieu.
    Laß mal von Dir lesen, nach dem Lesen.

  5. rotewelt sagt:

    Das Buch scheint interessant zu sein, danke für den Tipp!
    Zumeist sehe ich eine Verfilmung nach dem Lesen des Buches, wenn überhaupt. Manchmal war ich von der Verfilmung positiv überrascht, vor allem bei “Der Name der Rose” und auch bei “Schiffsmeldungen”. Sehr enttäuscht hat mich allerdings die filmische Umsetzung von “Das Parfum”.

  6. Lakritze sagt:

    Film? Na, erst mal liegt das Buch hier. Freue mich schon!


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