Der Buchsbaum, der Formschnitt, Zeitpunkt und Werkzeug

Buchskugeln oder Buchsbaumhecken zu schneiden ist ein Handwerk, keine Wissenschaft, vielleicht eine gewisse Kunst.

///  Achtung, ein aktuelles Thema hier: Der Buchsbaumzünsler – Erkennen und Bekämpfen  ///

Wie bei jeden Handwerk kommt es neben gutem Werkzug auf Geschick und auf den richtigen Zeitpunkt des Formschnitts an. Einen Hinweis darauf, dass Mondphasen eine wesentliche Rolle beim Gelingen der Arbeit spielt, konnte ich nicht erkennen.

Vielmehr ist es wohl letztlich auch die Erfahrung, die dazu führt, schön geschnittene Kugel, andere geometrische Figuren oder Tierformen zu erhalten oder pyramidal geschnittene Hecken oder Beeteinfassungen zu schneiden.

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Da die meisten Fragen zum Zeitpunkt des Formschnitts von Leuten gestellt werden, die sich einen Buchs als Kübelpflanze gekauft haben oder geschenkt bekommen haben, hier zunächst die einfache Antwort:

Nachdem der starke Frühjahrsaustrieb im Mai weitgehend abgeschlossen ist, sollte der Buchsbaum geschnitten werden. Als spätester Termin wird in der Literatur Johannis (24.Juni) angegeben. Ich versuche jedoch, bereits Ende Mai die Büsche und Hecken wieder in die gewünschte Form zu bringen. Der weitere Austrieb in den Sommermonaten wird dann nochmals im September auf die richtige Form getrimmt. Als Werkzeug kann eine Heckenschere oder eine Rasenkantenschere für die jungen Austriebe verwendet werden, für einen Rückschnitt in älteres Holz eine normale Rosenschere, die auch genommen werden sollte, wenn man einerseits viel Zeit für die Pflege seines Buchsbaums hat oder sicherstellen will, dass keine Blätter durchgeschnitten werden, man also jeden einzelnen zurück zu schneidenden Austrieb kürzen will, um unschön aussehende geschnittene Blätter mit braunem Rand durch den Schnitt entstehen.

Soweit die einfache Antwort und sie reicht für die meisten Fälle aus.

Nun die Version für Buchsbaumliebhaber, die tiefer in die Materie des Schnitts einsteigen wollen, die sich vielleicht Buchsbäumpflänzchen durch Vermehrung von Stecklingen (Risslingen) gezogen haben oder von kleinen Pflanzen ausgehen und sie in bestimmte Formen bringen wollen.

Formgebung fängt bereits beim Pflanzen an. Häufig ist zu sehen, dass die Pflanze zu hoch aus der Erde schaut, gleich ob sie im Beet oder im Kübel eingepflanzt ist. Wenn kein Hochstamm gezogen wird, ist darauf zu achten, dass die Kugel oder Pyramide tief genug gesetzt wird, damit Formen auf der Erde oder dem Kübel aufliegen und nicht ein paar Zentimeter über dem Boden beginnen. Es sieht nun mal in den meisten Fällen nicht so schön aus, wenn ein kahler Stamm zu sehen ist. Eine zweite Komponente sollte ebenfalls nicht außer acht gelassen werden: die Geduld, die der Buchsliebhaber braucht, wenn er die Pflanzen entwickeln möchte. Ich besitze Exemplare langsam wachsender Arten, die ich vor etwa 20 Jahren als Rissling gesetzt habe. Heute sind es recht imposante Exemplare, aber das brauchte halt viele Jahre. Wenn ich jetzt wieder auf unser Thema, das Schneiden des Buchsbaums, zurückkomme, ist es nun differenzierter zu betrachten.

Abgesehen vom Pflanzschnitt, der bei der Pflanzung eines Buchses erfolgt und bei dem die Wurzeln und Triebe leicht gekürzt werden, um stärkeres Wachstum anzuregen, wird unterschieden in den Erziehungsschnitt und den Pflege- und Erhaltungsschnitt. Das sind die beiden Formschnitte, die bei guter und regelmäßiger Pflege angewendet werden. Hinzu kommt noch der Rückschnitt.

Doch zunächst zum Pflege- und Erhaltungsschnitt: Bei bereits ausgewachsenen Exemplaren erfolgt der Schnitt im späten Frühjahr, wenn der starke Austrieb quasi beendet ist. In diesem Fall wird auf das zumeist dunklere Grün des Vorjahres zurückgeschnitten und die Pflanze erhält wieder die richtige Form und Größe. Kleinere Korrekturen können dabei bis September noch vorgenommen werden.

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Büsche oder Hecken deren Größe noch zunehmen sollen, erhalten den sogenannten Erziehungsschnitt. Diese schneide ich bereits im Mai, wenn der aller stärkste Austrieb des Frühjahrs abgeschlossen ist. Dabei wird nur ein Teil des Austriebs zurückgeschnitten, wobei ich darauf achte, dass Form und Proportion erhalten bleiben, aber auch eventuelle Fehlschnitte des Vorjahres ausgeglichen werden.

Ist die Pflanze noch klein im Verhältnis zur endgültig zu erreichenden Größe, wird kräftiger gestutzt, damit ein dichter Wuchs und eine Ausdehnung der Form nach den Seiten angeregt wird. In diesem Zustand wird kompaktes Wachstum auch dadurch unterstützt, dass noch häufiger im Jahr geschnitten wird (z.B. Ende April, Ende Mai, zu Johannis ein drittes Mal und noch einmal im September).

An sonnigen Tagen sollte allerdings die Schere am Buchs nicht eingesetzt werden, um Verbrennungen an den geschnittenen Blättern zu vermeiden. Die Pflanze nach dem Schneiden mit einem Tuch abzudecken, halte ich allerdings für übertrieben.

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Beim Schnitt ist selbstverständlich die Wahl des richtigen Werkzeugs wichtig. In Hannovers Herrenhäuser Gärten sah ich die Gärtner mit motorgetriebenen Heckenscheren arbeiten, die mit einem langen Stiel ausgerüstet sind, damit auch niedrige Beeteinfassungen im Stehen geschnitten werden können. Unsere Arbeit wird sich dagegen zumeist in der Hocke oder gar auf Knien abspielen. Ist eine Kübelpflanze noch klein und transportabel, sollte diese auf einen Tisch gesetzt werden. Das vereinfacht die Arbeit. Ich benutze bei geraden Flächen und längeren Kanten gern eine kleine Akku-Heckenschere. Der Nachteil ist hierbei, dass Blätter beim Schneiden gequetscht werden und die Quetschstellen braun und unansehnlich werden. Für den ersten Schnitt im Jahr ist das noch akzeptabel. Etwas bessere Ergebnisse werden mit einer Handheckenschere erzielt, bei weichem Austrieb, benutze ich auch eine Rasenkantenschere, noch besser soll eine Schafschere sein. Je schärfer das Werkzeug ist, desto sauberer wird der Schnitt, umso kleiner die Wunden an den Blättern und damit der Braunfärbung der Schnittstellen. Arbeitet man mit einer Rosenschere, kann man sogar die Verletzung von Blättern vermeiden, wenn man darauf achtet, dass nur die Triebe beim Schnitt getroffen werden. Das ist natürlich eine äußerst aufwändige Methode den Buchs in Form zu bringen und eignet sich nur für kleinere Pflanzen oder Pflanzen, die sehr nahe im Blickpunkt des Betrachters stehen. Natürlich kann man sich diesen Aufwand auch leisten, wenn man nur wenige Pflanzen zu schneiden hat oder über viel Zeit verfügt.

Neben dem richtigen Werkzeug werden in der Literatur verschiedene weitere Hilfsmittel empfohlen. An geraden Flächen und Kanten arbeite ich mit Schnur, Latte oder einem Brett. Kugeln schneide ich allerdings ohne dazu eine Schablone anzufertigen, wie dies zuweilen empfohlen wird. Sie bietet auch keine Gewähr für eine exakte Form, wenn der Schnitt nicht sorgfältig ausgeführt wird. Stattdessen schneide ich mir bei einer Kugel Markierungslinien. Eine rund um den „Äquator“, zusätzlich noch einige Scheitel von oben nach unten. Bei einer richtigen Kugel ist darauf zu achten, dass der Scheitel auch unten deutlich gerundet ist. Danach werden die einzelnen Segmente zwischen den Markierungslinien geschnitten.

Bei anderen freien Figuren ist ebenfalls freihändiges Schneiden angesagt. Auch hier helfen unter Umständen Markierungslinien. Außerdem ist vorsichtiges Vorgehen ratsam. Besser ist es, zu Beginn etwas weniger zu kürzen und durch Nachschneiden zu korrigieren, da Löcher zumeist erst im folgenden Jahr verwachsen und das ist halt ärgerlich. Ist bei einer Kübelpflanze mal ein kleines Missgeschick passiert, kann der Fehler zumeist auf die dem Betrachter abgewandte Seite gedreht werden.

Neben diesen Arten des Formschnitts ist zuweilen auch ein Rückschnitt in das alte Holz notwendig. Das kann sinnvoll sein, wenn die jährlichen Schnitte einmal vernachlässigt wurden oder es zu Schäden wegen Frost oder Trockenheit gekommen ist. Ein solcher Schnitt sollte im Frühjahr erfolgen, bevor der Austrieb einsetzt, am Besten in der zweiten Märzhälfte. Sieht ein Buchs dann zu lädiert und nicht präsentabel aus, habe ich ihn schon mal für ein bis zwei Jahre zur Reha in die hinterste Ecke des Gartens verpflanzt, dann aber aus dem Kübel in die Erde. Meist erholt er sich dort gut und ist später wieder vorzeigbar.

Übrigens: Im Winter nicht das Gießen der Buchse in Kübeln vergessen. Ich gieße sie auch in dieser Jahreszeit alle drei bis vier Wochen, allerdings nicht bei zu starkem Frost.

Nun wünsche ich viel Spaß beim Formschnitt der Buchsbäume, Geduld, Geschick und nicht zu vergessen: scharfe Scheren.


7 Kommentare on “Der Buchsbaum, der Formschnitt, Zeitpunkt und Werkzeug”

  1. ottogang sagt:

    Da staun ich aber.
    Erst Forensik Experte, jetzt Obergärtner.
    Was kommt als nächstes ?

    • philipp1112 sagt:

      Liebe Karu,
      ich hatte es erwartet, Du hast den Grünen Daumen!

      Lieber Ottogang, Du kennst ja mein mittelfristiges Ziel, Deinen Status zu erreichen.

      Grüße aus Wiesbaden und Frankfurt

  2. karu02 sagt:

    Uiii, jetzt kann ich ja gar nichts mehr falsch machen! Danke für diese ausführliche und liebevolle Anleitung. Wie bei allem scheint gutes Werkzeug eine Grundbedingung für gute Ergebnisse zu sein.
    Seltsamerweise habe ich beim letzten Mal, ganz und gar unerfahren, zumindest eines richtig gemacht, ich habe keine Blätter verletzt und das nicht einmal bewusst.
    Mit gärtnerischem Gruß
    Karu

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  4. Eva sagt:

    Hallo Philipp, ich hab mal eine Frage. Ich habe einen rechta usgewachsenen Buchs, der wohl nie geschnitten wurde Ist halt strauchig-zerzaust. Kann ich den ohne Weiteres in Form schneiden, z.B. zur Kugel? Also radikal vorgehen? Oder schrittweise? Was empfiehlst Du? Ich möchte nichts falsch machen. Vielen Dank, Eva

    • Philipp Elph sagt:

      Hallo Eva, ohne deinen Buchs zu sehen, ist die Frage schwierig zu beantworten. So ein Buchs ist sehr robust und du kannst ihn schon kräftig zurückschneiden. Meist hat er allerdings im Inneren keine Blätter mehr. Deshalb würde ich ihn nicht so weit herunter schneiden, dass er nichts Grünes mehr hat, sondern immer nur so weit, dass noch Blattwerk zu sehen ist. Und ob da gleich ein Formschnitt machbar ist, bezweifele ich. Wenn du ihn aber jetzt vor dem ersten Austrieb schneidest, kannst du im Juni mit einen Pflegeschnitt möglicherweise schon eine gewisse Form erreichen. Viel Erfolg dabei!

      • Eva sagt:

        Danke, Philipp für Deine Antwort! Der Buchs steht noch bei Nachbars und wird demnächst zu mir umziehen… Wahrscheinlich werde ich ihn dieses Jahr noch verschonen und ihm eine Eingewöhnung gönnen, bevor ich nächstes Jahr mit dem „Erziehen“ anfange. Ich nahm schon an, dass die Prozedur nicht in einem Jahr abgeschlossen sein wird🙂 Ich denke mal, dass vor allem von der Höhe etwas weg muss, wenn er eine Kugel werden soll…


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