Der Buchsbaum und die Vermehrung

Die einfachsten Methoden sind häufig die erfolgreichsten.

Das trifft auch auf die Vermehrung von Buchsbaum zu.

Komplizierte Methoden, die ich hier nicht vorschlagen werde, die aber ab und an durch die Literatur geistern, sind vermutlich von professionellen Buchsbaumzüchtern geschrieben, um zu vermeiden, dass Laien ihre 10, 20 oder noch ein paar mehr neue Pflanzen ziehen. Ich stelle hier zwei sehr leichte Methoden vor, mit denen ich über viele Jahre praktisch nie Misserfolge gehabt habe.

Vermehrung durch Stecklinge

Nichts leichter als das. Nach Tradition alter Bauerngärten habe ich wild wachsende Buchsbäume. Die werden dazu genutzt, dass ab und zu zu Dekorationszwecken zum Beispiel für Tischschmuck oder zum Binden eines Kranzes Zweige abgeschnitten werden. Das geht ja bei Formschnitt-Buchsen nicht. Außerdem können von einem Wildwuchs auch Stecklinge gewonnen werden. Ich reiße mir diese (daher werden sie auch Risslinge genannt) aus den Zweigachseln.

Rissling

Rissling

Dazu achte ich darauf, dass die Zweige am besten vom Vorjahr sind, also bereits ein etwas holziges Unterteil haben. Ganz junge Triebe verwelken leicht, wenn man sie steckt. Die Rissstelle soll ruhig rissig, also nicht geschnitten sein, damit sich an der Stelle ein möglichst großer Kalluswulst bilden kann, aus dem dann die Wurzeln treiben.

Rissstelle

Rissstelle

Von dem Rissling, der 10-15 cm lang sein soll, trenne ich die unteren Blätter ab und stecke ihn zu 2/3 in die Erde. Der Boden soll leicht und humös sein, aber auch mit lehmhaltigen Boden gelingt die Zucht, übrigens auch mit geschnittenen Stecklingen. Ich stecke die Zweige im Abstand von 10-20 cm, je nachdem wielviel ich setze oder wie viel Platz ich zur Verfügung habe in die Nähe von Pflanzen, die häufig gegossen werden. Gerda Tornieporth berichtet in ihrem Buch „Buchs im Garten“ von der Methode, die Stecklinge in ein Schnittlauchbeet zu setzen, weil der Schnittlauch ein Wachstumshormon bildet, dass den Buchs zur Bewurzelung stimuliert. Meine Stecklinge wachsen auch ohne die Nähe zu Schnittlauch an, ob langsamer habe ich nicht getestet. Die beste Zeit, Stecklinge zu setzen ist im Frühjahr oder im September/Oktober, also nicht bei Frost oder Perioden längerer Trockenheit wie im Sommer. Nach einem Jahr haben sich dann schon Wurzel gebildet. Entweder, man lässt bei genügend Platz die Stecklinge die nächsten zwei bis drei Jahre dort stehen und hält sie recht kurz, oder sie werden nach den ersten jahr verpflanzt. Dieses Verpflanzen kann auch in Töpfe geschehen, darin sollen sie stärker Wurzeln. Ich beschränke mich auf die erste – buchsbaumunsoziale – Variante. Nach diesem Zeitraum von zwei bis drei Jahren sind die kleinen Pflanzen dann schon soweit, dass sie zu Beeteinfassungen „verarbeitet“ werden können oder sie in Richtung Formschnitt dressiert werden können. Aus solchen Stecklingen können auch Bäumchen gezogen werden. Hier achte ich darauf, dass ich den unteren Teil des Stammes immer frei von Blättern und trieben halte.

Stecklinge können auch erfolgreich in Töpfen auf der Terrasse oder dem Balkon gezogen werden. Hierbei sollten sie im Frühjahr gesetzt werden, damit sie zum Winter bereits unempfindlicher gegen Frost sind als im Herbst gesteckte.

Bewurzelung nach knapp 1 Jahr, vor den ersten Austrieb

Bewurzelung nach knapp 1 Jahr, vor dem 1. Austrieb

Ebenso können Stecklinge auch von Formschnitt-Buchsbäumen  abgezwackt werden. Dabei sollte man natürlich darauf achten, dass kein allzu sehr sichtbares Loch in die Form gerissen wird.

Die zweite Möglichkeit ist die

Vermehrung durch Teilung

Hierzu werden Buchsbaumpflanzen aus der Erde genommen und die Pflanze mit Wurzelballen und Trieben geteilt. Diese Verfahren bietet sich besonders an, wenn man bereits über dichte Hecken oder Beeteinfassungen verfügt. Auf diese Weise können die Beeteinfassungen längenmäßig kurzfristig fast verdoppelt werden. Beste zeit für diese Arbeit ist Ende April/Mai. Das ist übrigens auch eine Methode, um kahle Stellen in Betteinfassungen oder Hecken zu beseitigen.

Eine weitere Methode der Vermehrung ist die

Vermehrung aus Samen

Hierzu muss man jedoch einen freiwachsenden Buchsbaum haben – oder wissen, wo einer wächst – und ihm den Samen, der in kleinen Fruchtkapseln ist , entnehmen. Angeblich soll auch diese Methode problemlos funktionieren. Dazu braucht man aber noch mehr Geduld. Ich werde es gelegentlich mal probieren, da einer meiner frei wachsenden Büchse dieses Jahr wieder geblüht hat und Fruchtansätze zeigt.

Fruchtkapsel im April

Mithilfe der Vermehrung aus Samen können auch neue Sorten gezüchtet werden, aber das sollte zunächst nicht unser Ziel sein.