Den besten Spargel gibt’s in……….

 Spargelzeit, Zeit zu diskutieren, wo der beste Spargel wächst.

„Der beste Spargel kommt aus Braunschweig“, sage ich. Ottogang schwärmt von Odelzhausener. „Aus Schwetzingen, da ist er am teuersten“, belehrt uns ein Dritter. Und nun haben wir schon die vierte Meinung: In ihrem Kommentar zu diesem Beitrag schwört Lakritze auf rheinhessischen!

Wir könnten mindestens 34 Meinungen hören, denn so viel Anbaugebiete von Schleswig-Holstein bis Bayern führt Wikipedia in Deutschland für den Gemüsespargel auf, also den Gemeinen Spargel (Asparagus officinalis L.), auch weißer Spargel oder Bleichspargel genannt.

Wenn das nur so einfach wäre mit dem besten Spargel.

Es ist nicht nur die Gegend mit den günstigen Klima und den Bodenbedingungen, die für die Qualität des Spargels wichtig ist. Es ist auch die Sorte, das Alter der Kulturen und die Frische des Spargels, den man auf den Tisch bringt. Ferner spielt die Schnelligkeit des Wachstums, beeinflusst durch Temperatur und Feuchtigkeit eine Rolle.

Als Nachfahre Braunschweiger Spargelanbauer der vor mehr als 50 Jahren von seiner Großmutter in die Kunst des Spargelstechens mit Spargelmesser und Klappbrett eingewiesen wurde, bin ich heute so anmaßend zu sagen, wie der beste Spargel wächst und wie man zu „dieser lieblichen Speis für Leckermäuler“ (Hieronymus Bosch) kommt. Heute beschränke ich mich auf den Verzehr der lieblichen Speise und überlasse die Ernte anderen.

Deutschland verfügt über ca.20.000 Hektar Anbaufläche auf der je nach Witterung beginnend meist Mitte April bis zum Johannistag etwa 100.000 Tonnen Spargel pro Jahr geerntet werden. Die Anbaufläche ist verteilt auf die oben erwähnten 34 Anbaugebiete, die bekanntesten davon sind die Gegenden um Braunschweig und Lüneburg, Beelitz, die Darmstädter Gegend mit Weiterstadt, Griesheim und Pfungstadt. In Baden-Württemberg ist es unter anderem die Hardtregion um Bruchsal und die Rhein-Neckar-Region mit Schwetzingen als bekanntestem Spargelort. In Bayern ist Schrobenhausen als Spargelanbaugebiet berühmt und Ottogang kauft seinen vor den Toren Münchens in Odelzhausen.

Allen erwähnten und den nichtgenannten Gebietes ist eines gemeinsam: Der Boden ist locker, Wasser- und Luftdurchlässig, zumeist leicht oder stärker sandig. Ideal ist für die Spargelanbauer, dass der Erntebeginn durch die schnelle Erwärmung des Bodens so früh wie möglich ist, wobei heute mit Folien einer früher Erntebeginn unterstützt wird.

Inzwischen wurden neue Spargelsorten gezüchtet, individuell auf die Beschaffenheit der zu bebauenden Fläche angepasst. Alte Sorten wie der „Ruhm von Braunschweig“ sind inzwischen abgelöst durch niederländische Sorten und einige deutsche Züchtungen, die auch ertragsstärker und weniger krankheitsanfällig sind.

Neben der richtigen Sortenwahl spielt auch das Alter des Spargelfeldes eine bedeutende Rolle. Heute wird etwa 10 Jahre geerntet und bevor der Spargel bei zu nehmenden Alter dünner und holziger wird. Danach pflügt man die Kulturen um.

Das bedeutet, dass Spargel aus jüngeren Kulturen besser ist als der aus Beeten, die bereits am Ende ihres Lebenszyklus sind. Spargel braucht zum wachsen Wärme und Feuchtigkeit. Wächst er schnell, ist er in der Regel, wenn die anderen Parameter stimmen, zart.

Ist der Spargel geerntet, sollte er schnell verzehrt werden. Zum Wochenende horten die Erzeuger häufig den Spargel der letzten tage. Dazu wird er feucht und kühl gehalten, zum Teil auch in Eiswasser gelagert. Auf diesen Spargel sollte man verzichten. Ebenso auf Spargel, dessen Enden bereits trocken sind oder der wie alterndes Holz bereits im unteren Teil rissig ist. An solchem Spargel hat man keine Freude beim Verzehr. Reibt man frische Spargelstangen gegeneinander, quietscht es. Ich kaufe deshalb lieber Spargel am Anfang der Woche, weil ich dabei größere Gewissheit habe, dass er frisch ist – und uns schmeckt der Spargel, egal ob als Stangenspargel, als Salat oder in anderer Form auch an jedem anderen Tag der Woche. Da heute fast alle deutschen Spargelbauern guten Spargel anbauen, ist es als nicht so sehr die Frage bezogen auf das Anbaugebiet „Wo gibt’s den besten Spargel?“, sondern vielmehr die Frage

 „Wo bekomme ich den frischesten Spargel?“.

Findet es heraus, wenn Ihr Spargelliebhaber seid. Und wenn nicht, verweise ich auf Wilhelm Busch und dessen Fromme Helene:

Denn Spargel, Schinken, Koteletts sind mitunter auch was Netts!

Dank an Ottogang vom WordPressblog WAHRSCHAU  für die Anregung zu diesem Beitrag.

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9 Kommentare on “Den besten Spargel gibt’s in……….”

  1. lakritze sagt:

    Also, ich schwöre ja auf den rheinhessischen. Wenn er direkt aus der Erde in den Topf wandert, ist er unglaublich.

  2. ottogang sagt:

    und schon sind wir dabei.
    Am letzten Samstag, Spargel aus Odelzhausen, morgens geerntet, mittags gekauft und abends gegessen.
    Und superzubereitet von meiner BaE.
    Es gibt doch in dieser wunderschönen Spargelzeit nix Besseres.
    Philipp 1112, prima Beitrag.

  3. karu02 sagt:

    Danke für die Wissenslückefüllung. Mir fiel ein, als Kind mochte ich keinen Spargel, der war bitter und holzig und fasrig. Da wir essen mussten, was auf den Tisch kam, kaute ich endlos auf dem Faserzeug im Mund herum, immer mit leichtem Würgereiz. Aus dem Grund habe ich erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter vorsichtig wieder mal ein Stängchen probiert. Seitdem ist es um mich geschehen in der Spargelzeit. Letztens konnte mein Gatte nicht abwarten und brachte von einem Marktstand Spargel mit, wir wussten nicht wo er her kam, ich sah aber gleich, er ist nicht richtig frisch. Als wir davon aßen, wussten wir wieder, warum wir lieber auf die Ernte „unseres Spargelbauern“ warten.
    Wie kommt es, dass es kaum noch das gibt, was ich als Kind vorgesetzt bekam? Ist das ein „Zucht-Erfolg“?

  4. philipp1112 sagt:

    Bitterer Spargel

    „Zucht-Erfolg?“, zur Frage von Karu.

    Sicherlich ist ein gewisser Zuchterfolg über die letzten 50 Jahre zu verzeichnen. Dein übles Spargelerlebnis in Deiner Kindheit hatte jedoch vermutlich nichts mit der geringen Qualität der Sorte zu tun, sondern mit dem Alter der Spargelkultur, aus dem der Spargel stammte. Wenn der Spargel zu weit unten in der Nähe der Wurzeln gestochen wird, kann er den bitteren Geschmack haben. Da das Wurzelgeflecht im Laufe der Jahre sich nach oben wächst (jedes Jahr ein paar Zentimeter), passiert es bei älteren Spargelfeldern, dass bitter schmeckende Stangen geerntet werden. Während früher bis zu 20 Jahren lang von einem Spargelfeld geerntet wurde, werden heute in der Regel nach spätestens 10 Jahren die Felder umgepflügt und neu bestellt. Dadurch tritt der Effekt nicht mehr so häufig auf. Holzig und fasrig sind ebenfalls Attribute von Spargel aus älterer oder sehr alter Kultur.

  5. karu02 sagt:

    Danke für die Auskunft. Ich nehme an, im Arbeiterhaushalt, in dem ich aufgewachsen bin, wurde auch nicht die erste Qualität gekauft, sondern eher ein Sonderangebot. Spargel hatte eine Aura von Luxus, den leistete man sich nur manchmal, so wie auch nur manchmal eine Flasche Liebfrauenmilch geöffnet wurde. Ich stelle fest, wenigstens mein Geschmack hat sich entwickelt seit der Kindheit. 😉

  6. vilmoskörte sagt:

    In meiner alten niederrheinischen Heimat gab es den aus der Gegend rund um Straelen, meistens direkt beim Bauern geholt, und hier in Berlin natürlich den aus Beelitz, am besten am Tage des Verzehrs von einem der Stände geholt, die die Bauern von den Spargelhöfen an den Ausfallstraßen aufschlagen. Heute Abend gibt es ihn wieder, mit Schinken und Kartoffeln.

  7. Thomas sagt:

    Lieber Herr Elph, danke für den Beitrag!

    Was mich interessieren würde: ist die Spargelsorte wirklich sooo wenig von Bedeutung? Bei z.B. Äpfeln, Tomaten, Kartoffeln, etc. lohnt sich ganz sicher die Suche nach alten, nicht auf Ertrag, schönes Aussehen, Haltbarkeit und Gleichmäßigkeit optimierten Sorten. Wer einmal „Moorsieglinde“ oder „Bamberger Hörla“ gekostet hat, ist für Supermarktkartoffeln verloren. Es fällt mir schwer zu glauben, daß uns unsere holländischen Nachbarn mit ihren „schönen“ Hochleistungssorten, die sie in alle Welt exportieren, nicht wieder einen Bärendienst erweisen.
    Haben Sie Informationen zu „speziellen“ Sorten und eine Meinung dazu? Das würde mich sehr freuen!

    P.S.: ich bin ein Franke, und der beste Spargel kommt aus Fahr am Main:-) 🙂

  8. philipp1112 sagt:

    Sicherlich wird die Sorte, es existieren wohl 3 oder 4, die in Deutschland hauptsächlich angboten werden, eine Rolle spielen, sicherlich auch die Art des Bodens und noch viele andere Parameter.
    Wichtig erscheint mir jedoch, dass der Spargel wirklich frisch ist, aus jüngeren Kulturen stammt und schnell bei warmen Wetter gewachsen ist.
    Zu Ostern habe ich in den Geschäften und auch auf dem Wochenmarkt wieder mehrere Tage alten schlabbrigen oder holzig-gerissenen Spargel gesehen. Zu deratiger Ware sollte man unter keinen Umständen greifen. Wir mögen auch nicht so sehr die ganz dicken Stangen, auch wenn sie einfacher zu schälen sind.
    Wir werden aber sicherlich Gelegenheit haben, in den nächsten Wochen viel über Spargel lesen zu können, vielleicht erfahren wir dann mehr über die Bedeutung der Sorten.

  9. Lisette Lentine sagt:

    WER
    kann mir schreiben WIE die Spargelhof im Rosengarten bei Worms heisst ? Wenn man von der Brueckke kommt faehrt man rechts ab nach Lampertheim und gleich am Eck liegt der Hof. NIRGENSWO gibt es besseren Spargel auf diese Welt.
    Bitte we hilft ?


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