Die Frauenkirche in Dresden

Die Frauenkirche in Dresden ist einzigartig – die Frauenkirche ist ein Fall wie Hunderttausende.

Hunderttausende Gebäude sind in Deutschland und anderen Ländern Opfer von zwecklosen und unsinnigen Bombardements und Zerstörungen geworden.

Einzigartig ist die Geschichte der Bewahrung der Ruine als Mahnmal über 45 Jahre und die des Wiederaufbaus, vom Appell zur Unterstützung zu den über 100.000 privaten Spendern (andere Quellen nennen sogar eine Zahl von 600.000 Spendern) inklusive pfiffiger Spendenaktionen, der Bergung und Zuordnung verbliebener historischer Bausubstanz und der Wiederaufbau unter Verwendung dieser restlichen Bausubstanz nach Originalplänen mit moderner Technik und den heutigen Kenntnisse der Statik. Nach über zehnjähriger Bauzeit wurde die Frauenkirche am 30.Oktober 2005 geweiht und somit wieder „in Betrieb“ genommen. Damit wurde fast 300 Jahre nach dem Beginn der Planungen von George Bähr für die Kirche in dieser Form ein Ereignis gefeiert, von Tausenden vor Ort und Millionen vor den Fernsehern miterlebt und aufmerksam verfolgt wurde, wie zuvor die Fortschritte beim Wiederaufbau.

Nachdem anfangs des 18. Jahrhunderts eine gotische Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, entstanden mit Genehmigung August des Starken Pläne für einen Neubau, der wegen des geringen Platzes einen quadratischen Grundriss aufwies. Diese Kirche mit der für die damalige Zeit statisch äußerst anspruchsvollen Dachkuppel wurde bekanntlich im Februar 1943 Opfer eines Brandes als Folge der Bombardierung. Zwei Tage nach den Bombenangriffen brach am 15. Februar die Kuppel ein und damit die Kirche zusammen. Etwa ein Jahr vor der Wende gab es erste Initiativen zum Wiederaufbau. Mit der Gründung einer Bürgerinitiativen mit demselben Ziel, nahm dann die Idee des Wiederaufbaus konkrete Formen an und als unter dem Vorsitz von Ludwig Güttler die „Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche in Dresden“ die Interessen zusammenführte, war der Grundstein zu dem Vorhaben gelegt, die Kirche wieder in der alten Form erstehen zu lassen.

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Höhepunkt unserer Reise nach Dresden war der Besuch der Frauenkirche, der in vier Abschnitten verlief:

Die Annäherung – Außenansicht – Reminiszenzen

Aus dem Zwinger heraus sahen wir die Kuppel der Frauenkirche, die Silhouette war uns bekannt. Wir hatten den Wiederaufbau im Fernsehen, in Zeitungen und Zeitschriften verfolgt, sie hatte sich bei uns eingeprägt. Damit wussten wir, welchen Weg wir einschlagen mussten, um dort hin zu kommen – vorbei am Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe, am Fürstenzug, den Kulturpalast rechts ignorierend, an Ausgrabungen und Verkehrsmuseum vorbei, gelangten wir zum Neumarkt mit der Frauenkirche. Mit einer Grundfläche von 45 x 45 Metern wirkt sie imposant und zugleich kleiner als erwartet. Das Mauerwerk besteht aus gelblichem Elbsandstein, dazwischen immer wieder dunkel gefärbte Originalsteine, wobei der teilweise stehen gebliebene Treppenturm E im unteren Teil überwiegend aus den Originalen besteht. Wir waren von der Kirche fasziniert. Architektonisch ein wahres Schmuckstück, in der Statik bei Bau der Kuppen im 18. Jahrhundert ein Meisterwerk, weckte die Ansicht die Erinnerungen an Krieg, Zerstörung und die Geschichte der Trennung Deutschlands, die ich im Westen nahe der Zonengrenze lebend bewusst ab dem 17. Juni 1953 mit erlebt habe. Mauerbau, nahezu Unmöglichkeit von Verwandtenbesuchen, Auseinanderdriften der beiden Republiken in vielfacher Hinsicht, Niedergang im Osten, Montagsdemonstrationen, Mauerfall, Wiedervereinigung und der Wiederaufbau, besonders der der Frauenkirche. Wir standen andächtig davor.

Die „Emporenführung“ zur Besichtigung des Inneren – Andacht –

Wir betraten den Innenraum, vor uns die Bänke, dahinter der Altar. Wir erwarteten kein kirchliches Neuschwanstein. Auch wenn das hin und wieder den Besuchern nachgesagt wird, dass viele von ihnen die Frauenkirche nicht als Gotteshaus achten, hatte ich nicht diesen Eindruck, wiewohl in katholischen Sightseeing-Magneten wie Kölner oder Mailänder Dom mehr Gläubige in Andacht oder Gebet vertieft in den Bänken sitzen. Die Einrichtung, halbstündig eine Kurzandacht durchzuführen, um den Gotteshauscharakter zu betonen und den Besuchern dieses darzustellen, halte ich für eine gute Entscheidung. Nach kurzem Verweilen entschlossen wir uns, an einer Emporenführung teilzunehmen, die für 3,50 € pro Person angeboten wird. In einer kleinen Gruppe wird man über ein Treppenhaus zu den Emporen geführt. Von hier ist man mit dem Altar auf Augenhöhe und eine kundige Führerin erzählte uns von Architektur und Statik, den Wand- und Deckengemälden, dem Altar, von der Orgel und natürlich der Geschichte inklusive dem Wiederaufbau der Kirche und die des Turmkreuzes. Mehr als wir in Wikipedia oder dem Reiseführer gelesen hatten. Sie erzählte auch vom Nagelkreuz auf dem Altar und der Bewegung, die dahinter steckt – der Nagelkreuzgemeinschaft. Diese Geschichte bezieht sich auf die Zerstörung der der St. Michael Kathredale im November 1040 durch die deutsche Luftwaffe. Eine genau so sinnlose Tat wie die Zerstörung Dresdens einige Jahre später. Der Dompropst der englischen Kathedrale ließ dort drei alte Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl zu einem Kreuz zusammensetzen. Inzwischen ist das Nagelkreuz Symbol für die völkerweite Versöhnung nach dem zweiten Weltkrieg geworden. In Deutschland gehören außer der Frauenkirche in Dresden über 50 Gemeinden in vielen Städten an.

Der Besuch der Unterkirche – Raum der Stille –

Bereits vor Fertigstellung der Kirche konnte die Unterkirche genutzt werden, die sich im Keller befindet und die wir im Anschluss an die Führung besuchten. Hier ist der Besucher fast allein und dies ist ein wirklicher Raum der Stille, zur Andacht, zum Gebet und zum Meditieren. Wenn man genau „hinriecht“, riecht man den Brandgeruch, der noch heute den alten Steinen entweicht, mehr über die Geschichte des Wiederaufbaus kann der Besucher hier noch in einem kleinen Museum auf der gleichen Ebene erfahren. Auch einige Teile, die nicht wieder beim Aufbau verwendet wurden, sind dort ausgestellt. Nach dem Aufenthalt unter der Erdoberfläche folgt:

Der Kuppelaufstieg mit Blick über Dresden

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Dieses Vergnügen ist mit einer Eintrittskarte für 8,00€ nicht billig, aber der Aufstieg durch die Kuppel ähnlich dem Aufstieg in der Kuppel des Reichstags in Berlin, hie mit Blick bis hinunter zu dem Bänken im Inneren der Kirche, und die Aussicht von der Aussichtplattform über Dresden und die Elbe auf- und abwärts ist bei guter Sicht grandios.

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So hat uns die Frauenkirche schließlich einen halben Tag beschäftigt.

Die Frauenkirche ist wirklich einzigartig.



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