Von Videokonferenzen, Interwise Sessions, Telcos und Diskussionen im TeaM-Room

Definierte sich die Wichtigkeit von Kollegen – und mir – vor einigen Jahren unter anderem über die Zahl der dienstlich veranlassten Auslandsflüge, wurde im Rahmen von Sparmaßnahmen und durch Erschwernisse im Genehmigungsverfahren seit geraumer Zeit einerseits das Statussymbol noch aufgewertet, anderseits wuchs bei den Meisten von uns das Miles & More Konto nicht mehr in dem bisher gewohnten Umfang.

Dienstreisen in entlegene Fabriken oder zu den schönsten Plätzen der Welt wurden ersetzt durch Videokonferenzen. Diese waren in gewisser Weise anfangs auch spektakulär und für die Teilnehmer imagefördend.

Die Diskussionen mussten jedoch äußerst diszipliniert ohne großes Palaver geführt werden, damit sie noch verständlich blieben. Das hatte den Vorteil, dass neben Zeit- und Kostenersparnis auch eine Ersparnis überflüssiger und langatmiger Wortbeiträge einher ging. Weil aber nur wenige Räume mit der entsprechenden Übertragungstechnik ausgestattet waren, war es recht aufwändig einen Termin für eine derartige Konferenz zu finden. Zudem waren auch nicht all unsere Kontakte technisch derartig ausgerüstet. Wir erkannten auch, dass es nicht wirklich viel brachte, die Kollegen eines anderen Standorts auf der Leinwand zu sehen und uns denen umgekehrt zu präsentieren, während weiterhin nur das gesprochene Wort von Bedeutung war – und das auch nur bilateral.

Folglich war die nächste Stufe der Kommunikation mehrerer Teilnehmer – und das auch noch an mehr als zwei Orten der Erde – die Telefonkonferenz, in unserem Jargon Telcos genannt. Per Outlook wurde den erforderlichen Teilnehmern ein Termin eingestellt, dazu die Telefoneinwahlnummer sowie ein PIN Code. Zur gegebenen Zeit wählte man sich ein und nahm an der Telco teil. Der Vorteil war, dass von Kaufbeuren bis Kuala Lumpur, ja darüber noch hinaus, alle notwendigen Personen in einer Konferenz vertreten sein konnten. Lediglich mit einigen Karibik-Inseln klappte das Verfahren nicht ganz reibungslos. Als Nachteil erwies sich, dass man nichts sah, niemand seine Listen oder Powerpoint-Präsentationen zeigen konnte.

Das ist möglich, seit in unserem Unternehmen Interwise-Sessions möglich wurden. Nun sitzt jeder Teilnehmer einer solchen Veranstaltung in seinem Büro vor dem Bildschirm und hat sein Headset übergestülpt. Jeder, der an einer solchen Veranstaltung teilnimmt, hat das gleiche Bild auf dem Schirm, egal ob in Frankfurt, Rio oder am Genfer See. Ein Mitglied der Runde, zumeist der Moderator fährt mit der Maus über den Bildschirm, erläutert, stellt fest und alle können diskutieren. Das ist ein ausgesprochen effizientes Verfahren. Neulich wurde uns dann erklärt, dass wir nach der Session auch weiter diskutieren könnten, es wäre im firmeneigenen Intranet ein Tea Room eingerichtet, in dem man Diskussionsbeiträge posten könne.

Ein Tea Room! Ich war begeistert über diese Wortwahl! Da hatte sich der Namensgeber ja einen besonderen Namen einfallen lassen! Ich stellte mir diese Plattform vor als virtuellen Raum mit netten Plüschsesseln, Teilnehmern mit einer Tasse feinem Tee in der Hand, ein Schälchen mit Keksen vor sich auf dem Tisch, postend diskutierend. Als wir dann mal in einer kleinen Runde über Nutzung und Vorzüge dieses Raumes sprachen und ich das Wort häufiger in die Runde warf, wies mich eine Kollegin dezent darauf hin, dass die richtige Bezeichnung dafür TeaM Room wäre und so würde es ja auch schließlich überall stehen. Ich hatte das Wort zig-mal gelesen, immer das oben beschriebene Bild mit Sesseln, Teetasse und Keksen vor Augen. Jetzt bin ich desillusioniert. Ein Team Room! Resopalbeschichteter Tisch mit den angetrockneten Rändern von Kaffeetassen, darum harte, stapelbare Stühle und ein Flipchart in der Ecke, endlose Diskussionen in ungemütlicher Tristesse.

Wie schön wäre da ein Tea Room gewesen.

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One Comment on “Von Videokonferenzen, Interwise Sessions, Telcos und Diskussionen im TeaM-Room”

  1. lakritze sagt:

    Ich wünsche Dir umgehend eine gute Tasse Tee und entsprechende Kekse. So kann das ja nicht weitergehen. 🙂


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