Brauchen wir den Goldriesling – oder braucht der Goldriesling uns?

Ein Kurzurlaub in Dresden und Umgebung wurde zweigeteilt: Besichtigungen am Tage, Verkostungen regionaler Weine in diversen Lokalitäten abends.

In beiden Bereichen konnten wir uns einen kleinen Überblick verschaffen. Gesehen und probiert haben wir längst nicht alles, obwohl wir uns große Mühe gegeben haben. Dabei könnte der unbedarfte Tourist denken, dass die wesentlichen Sehenswürdigkeiten Dresdens in drei Tagen abgeklappert werden können, wo es doch Leute gibt, die sich für einen Europatrip nicht mehr Zeit nehmen.

Und von den Produkten der sächsischen Reben aus zirka 470 Hektar Weinbergen, kann doch eine mittelgroße Reisegruppe in dieser Zeit eine ganze Jahresernte verkosten. Der unbedarfte Tourist unterschätzt allerdings sowohl die Zahl der Sehenswürdigkeiten als auch die Menge des Weins – und damit auch die Zahl der Weingüter , Winzer und Rebsorten.

Eine der wenig angebauten und selteneren Sorten ist der Goldriesling. Im Jahre 2007 wuchsen diese Reben auf nur 16 Hektar und es werden inzwischen wohl nicht viel mehr geworden sein. Diese Rebsorte hat den Vorteil, dass sie im Frühjahr spät treibt und  früh im Jahr reift, ideal für die nördliche Lage des Anbaugebiets.

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Anderswo wird dieser Wein auch kaum angebaut. Er stammt aus dem Elsass, wo er 1893 aus Riesling und Courtillier Musqué Précoce gezogen wurde. Der zweite Name beinhaltet schon einen wesentlichen Teil des Geschmacks, das Bukett zeigt eine leichte Muskatnote, vom Riesling stammt die Säure. Der Goldriesling ist in der Regel ein leichter Wein wenig lagerfähiger Wein von hellgelber Farbe, empfohlen wird er zur Bowle, zum Genuss als Schoppenwein und für eine Schorle.

Das führt dann allerdings zu der Frage, ob wir den Goldriesling überhaupt brauchen. Einen Schoppenwein, der zu einem Preis um die 9 Euro angeboten wird, einen Wein zu diesem Preis für meine Schorle? Das muss für mich nicht sein. Dafür hole ich mir lieber einen Wein aus der Pfalz oder Rheinhessen für weniger als 4 Euro die Flasche.

Es war interessant den Goldriesling kennen zu lernen. Wenn ich in Sachsen bin, trinke ich  jedoch lieber einen der anderen Weine des Anbaugebietes, ob es nun ein Grauer Burgunder, ein Weißburgunder, Kerner oder Müller-Thurgau ist.

Und so zweifele ich daran, dass wir den Goldriesling brauchen –  Winzer in den nördlichen Randgebieten Sachsens wohl offensichtlich – und damit braucht der Goldriesling uns.

 

P.S. Das Etikett des  Goldrieslings auf dem Foto stammt von dem von mir sehr geschätzten, feinen Weingut Drei Herren, Radebeul, ( http://www.weingutdreiherren.de ), das einen mir sehr gut mundenden Grauburgunder anbietet.

 

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3 Kommentare on “Brauchen wir den Goldriesling – oder braucht der Goldriesling uns?”

  1. karu02 sagt:

    Es gibt in der Tat ein paar schöne Weingüter, für die ein paar Tage eingeplant werden müssten. Ich habe bei Deinem Bericht überlegt, ob man Paul Grote einen Tipp geben sollte. Um Weine aus dem Osten Deutschlands hat er sich schriftstellerisch noch nicht gekümmert. Kennst Du seine Krimis rund um den Wein? Mein Wissen hat sich seitdem enorm erweitert.

  2. philipp1112 sagt:

    Von Paul Grote habe ich noch nichts gelesen; seine Geschichten spielen soweit mir bekannt ist in den GROSSEN Weinanbaugebieten.

  3. Hervé d'Ouest sagt:

    Sorry, aber wenn Wein mundet und die Frage gestellt wird, ob der Goldriesling uns braucht, dann sind Promille im Spiel. So viel Schwurbel auf weniges Zeilen. Der Goldriesling ist dem Anbaugebiet angepasst ein sehr geeigneter Wein. Wer billige Schoppen haben will, möge badischen Gutedel saufen.


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