Ig-Nobelpreis und die sarkastische Variante eines Negativ-Preises, der Darwin Award

Ignoble  und der Ig-Nobelpreis

 Dieser auch Anti-Nobelpreis genannte Preis ist sicherlich eine der ernsthafteren Auszeichnungen einer ganze Reihe von „Negativen Auszeichnungen“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Negative_Auszeichnung ).

Unnütze und/oder skurrile wissenschaftliche Leistungen werden mit dieser satirischen Auszeichnung gewürdigt. Die Kategorien , in denen die Preisträger gesucht und gefunden werden entsprechen weitgehend den Kategorien wie sie vom Nobelpreis bekannt sind.

Veröffentlicht wurden die Arbeiten teilweise in seriösen wissenschaftlichen Journalen, die mir aus Chemie und Medizin geläufig sind. Dann handelt es sich offensichtlich um Arbeiten, die auf der Grundlage ernsthafter Forschung geschahen und nicht aus Jux  während der Teestunde in einem Institut oder anderswo ausgeheckt wurden, mit dem Ziel,  für die Jury bestehend aus der Reaktion der Annals of Improbable Research und Mitgliedern der Universitäten Harvard und Ratcliffle, auffällig zu werden.

 Human Toxicology, in der die Arbeit der taiwanesischen Forscher, die 2008 den Ig-Nobelpreis für Chemie für ihren Beweis erhielten, dass Cola kein effektives Spermizid ist, veröffentlicht wurde, gehört zu den ernst zu nehmenden Journalen. Ähnlich scheint die gewürdigte Arbeit über  die „Beendigung von unbehandelbarem Schluckauf durch rektale Fingermassage“  zu sein. Für diese Arbeit, erhielten spanische Forscher 2006 den Preis für Medizin.  Ob die im gleichen Jahr im Fachbereich Biologie ausgezeichnete Arbeit über den Beweis,  dass Malaria übertragende weibliche Moskitos vom Limburger Käse genau so angezogen werden wie vom Geruch menschlicher Füße, halte ich, schaue ich mir die verschiedenen Veröffentlichungen an, doch ob der originären Ernsthaftigkeit der Forschung für suspekt.

 Egal, ob bewusst auf das Ziel einer Auszeichnung hingearbeitet wurde oder ob eine  Arbeit sich als unwürdig, schmachvoll oder auch schändlich darstellt, eine Auszeichnung mit dem Ig-Nobelpreis hat etwas. Gaudi für die einen, Peinlichkeit für die anderen. Bei der Gaudi machen wir gern mit und bei den Peinlichkeiten haben lassen wir dann mal so richtig unsere Schadenfreude raus.

 Pleiten, Pech und Pannen sozusagen für Intellektuelle und solche, die es gern sein wollen.

Deftiger ist der Darwin Award

Kann der Ig-Nobelpreis als satirische Negativ-Auszeichnung verstanden werden, ist die Verleihung des Darin Awards die sarkastische Variante eines Negativ-Preises.

Wie man sich vorstellen kann, geht der Name auf Charles Darwin zurück und bezieht sich auf seine Erkenntnisse über die natürliche Auslese. Vereinfacht ausgedrückt kann nur der Starke oder Pfiffige überleben. Lebensuntüchtige tun ihrer Umgebung einen Gefallen, wenn sie sich nicht fortpflanzen. Genau derartige Personen werden geehrt. Meist sind sie dann aber schon tot oder unfruchtbar. Damit haben sie bereits ein Kriterium für die Preiswürdigkeit erfüllt. Andere wesentliche sind , dass dem Ereignis, um das es geht nachweislich stattgefunden haben und auf einer außergewöhnlichen Fehleinschätzung der Situation entstanden sein, ferner muss der Vorfall selbst verschuldet sein.

 Zu den bekanntesten Preisträgern gehört der Rechtsanwalt der die Stabilität einer Fensterscheibe beweisen wollte und sich daher gegen selbige im 24. Stockwerk warf. Der Ausgang der Geschichte ist vorstellbar, er wäre sonst nicht Preisträger geworden.

 Einen genialen Einfall hatte auch ein brasilianischer Priester, der den legendären Lehnstuhl-Larry toppen wollte. Der Brasilianer war in einem Überlebensanzug mit einem recht speziellen Flugobjekt abgehoben. An einen Lehnstuhl hatte er 1000 mit Helium gefüllte Ballons gebunden und war , ausgerüstet mit einem Navigationsgerät und einem satellitentlefon gestartet. Der Flug des erfahrenen Skydivers war gut vorbereitet gewesen, einige Monate zuvor hatte er bereits einen Test mit vier Stunden Flug bis in eine Höhe von über 5000 Metern erfolgreich abgeschlossen. Beim neuerlichen Versuch klappte es dann nicht so gut. Auf 6000 Meter Höhe geriet er über den Atlantik, mit dem GPS-Gerät kam er nicht klar und statt nun mit dem Fallschirm abzuspringen, setzte er per Telefon noch einen Notruf ab. In Ermangelung der Koordinaten bei seinem letzten Telefonat, konnte ihn jedoch niemand lokalisieren. Ein Leichenteil, das seine DNS beinhaltete, waren dann der beweis, dass er sich aus dem genpool verabschiedet hatte. Da auch die anderen Kriterien für die Verleihung des Darwin Awards erfüllt waren, wurde Priester Antonio posthum entsprechend damit geehrt.

Auch hier: Pleiten, Pech und Pannen – oder nicht soft gespült sondern hardcore


4 Kommentare on “Ig-Nobelpreis und die sarkastische Variante eines Negativ-Preises, der Darwin Award”

  1. glawen sagt:

    War der fliegende Priester katholisch? In dem Fall hätte er ja schon zu Lebzeiten eine Hauptvoraussetzung für den Darwin Award geschafft.

    • philipp1112 sagt:

      Er war ein katholischer – im Prinzip richtig, jedoch fehlt es an der Einmaligkeit. Und außerdem ist die Verabschiedung aus dem Genpool auch reversibel.

  2. karu02 sagt:

    Die halbe Strecke in den Himmel hatte er immerhin geschafft.

  3. 6kraska6 sagt:

    Angefügt sei vielleicht noch das schon seit den Tagen des Surrealismus in Paris ansessige „Institut für Pataphysik“. Pataphysik ist die „Wissenschaft von den imaginären Lösungen“, die im wesentlichen nur in einem Paralleluniversum gültig sind…


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