Der Dos-à-Dos-Band – Seltene Buchformen Teil 2

Dos-à-dos ist eine Figur, die vom Tanzen bekannt ist, bei der sich die Paare beim Squaredance Rücken an Rücken stellen und das rechtsschultrige Umkreisen zweier Tänzer ohne Drehung beschreibt. Auch bei der Tarantella gibt es eine Schrittfolge, bei der die beiden Tänzer dos-à-dos tanzen, bevor sie dann zur Mühle übergehen. Aber das ist eine andere Geschichte. Im Automobilbau hat sich der Einbau der Sitzbänke dos-à-dos nicht bewährt. Eines der letzten Autos dieses Typs war der Zündapp Janus.

In der Buchbinderei wird so eine alte Buchform genannt, die seit dem 17. Jahrhundert bekannt ist. Es handelt sich dabei um ein Doppelbuch, wobei zwei Buchblöcke verschränkt und mit den Titelblättern nach außen einen gemeinsamen Mitteldeckel haben. Zwei Buchblöcke, Rücken an Rücken als ein Buch.
(Quellen: Jane Greenfield, ABC of Bookbinding, New Castle, USA 2002, sowie Gustav Moessner, Buchbinder ABC, Bergisch Gladbach 1981 und auch Heinz Petersen, Bucheinbände, Graz 1988).

Die verschiedenen Quellen nennen diese Buchform unterschiedlich.Mir gefällt allerdings die Bezeichnung Dos-à-Dos-Band, die ich im ABC of Bookbinding gefunden habe, besser als der Name Doppelbuch (Müller, Moessner) oder Zwillingsbuch (Petersen).

Petersen zitiert in seinem Buch wiederum aus H.Schreiber (Einführung in die Einbandkunde, Leipzig 1932), der diese Form des Buches unter „Verirrungen der Form“ auf, „weil die Form des Buches vergewaltigt, zu falschen Schmuckabsichten mißbraucht wird, weil die möglichen technischen Ersparnisse eine Belastung für den Gebrauch bedeuten“.

Davon abgesehen, dass heute wohl bei dieser Art von Einband niemand mehr „technische Einsparungen“ bei der Produktion ausweisen könnte, halte ich die Buchform einerseits für überflüssig, andererseits aber für eine interessante Variante von Bucheinbänden.

Der Landauer Buchbinder Klaus Müller hat sogar ein Dos-à-Dos-Heftchen mit dem Titel Doppel-Buch – Doppelte Spielereien vom Buchbinder – (Landau, 2. Auflage 2001) herausgegeben, in dem er die Geschichte solcher Bücher beschreibt und auch Beispiele zeigt. Müller war auf diese Form gestoßen, als ein Kunde mit einem solchen Buch zu ihm kam, um es restaurieren zu lassen. In einem weiteren Kapitel beschreibt der Autor die Herstellung eines derartigen Exemplars. Das von Müller veröffentlichte Buch beinhaltet in dem einen Block die deutsche Fassung, in dem anderen die englische.

Die Idee, selbst ein solches Buch herzustellen, ergab sich nachdem ich das Zweibuch produziert hatte (sh. „Das Zweibuch – Kuriose Bücher Teil 1) und eine Zeichnung dieser Form im amerikanischen Lexikon gefunden hatte. Schon lange hatte ich ein zweibändiges Werk im Visier, aus dem ich ursprünglich ein Zweibuch machen wollte. Wichtig beim Dos-à-Dos-Band ist, dass die beiden Buchblöcke etwa die gleiche Stärke haben, wobei das nicht zwingend notwendig ist. In meinem Fall, den „Spannendsten Kriminalgeschichten der Welt“, einer Ausgabe von Reader’s Digest von 1972, waren beide Bände nahezu gleich stark. Das Werk ist nun eine Zier in meinem Bücherschrank und unter die Kuriosa eingereiht.

Darüber hinaus habe ich auch wieder aus Blanko-Blöcken derartige Bücher gemacht, die dann selbstverständlich mit ähnlichen Titeln wie beim Zweibuch bedruckt werden können.



4 Kommentare on “Der Dos-à-Dos-Band – Seltene Buchformen Teil 2”

  1. Afra Evenaar sagt:

    Hübsch das, beim Buch und bei der Tarantella. (Sag bloß, du kannst die tanzen?)

  2. karu02 sagt:

    Mir gehen diese Doppelbücher nicht mehr aus dem Kopf. Ich bin gespannt auf die angekündigten Kuriositäten.

  3. ottogang sagt:

    Ja, ja und dafür habe ich in Mainz im Gutenberg Museum angerufen.
    Ist immer wieder nett zum anschauen.
    Philipp und Tarantella, los, zeig mal, will ich sehen.
    Aber dos-à-dos bittschön.

  4. philipp1112 sagt:

    Betreff: Tarantella
    Trotz annähernd zehnjährigen Bemühungen in einem Tanzsportclub bin ich weder zur Tarantella noch zum „dos-à-dos“ vorgedrungen. Als Ersatzbefriedigung in dieser Hinsicht habe ich mich deshalb auf das Herstellen von Dos-à-Dos-Bänden kapriziert.


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