Frühling ist, wenn….

…….die Krokusse blühen oder die Forsythien oder es auf dem Kalender steht?

Die Frankfurte Allgemeine Sonntagszeitung berichtete kürzlich (21.3.2010), dass es in Genf einen offiziellen Kastanienbaum gibt, den „Marronnier officiel“, an dem die Ankunft des Frühlings in der Stadt und im Kanton amtlich festgestellt wird:

Dort ist Frühling, wenn der Baum seine ersten Knospen geöffnet hat. Am letzten Samstag war es dann so weit, die „Fête de la première feuille“, diesem Ereignis zu Ehren, konnte steigen. Dieser Baum ist seit 1929 im Amt. Der Frühlingsbeginn wird allerdings schon seit 1818 auf diese Weise festgestellt.

Die Methode, sich nicht am astronomischen oder metereologischen Kalender zu orientieren, sondern am Entwicklungsstand der Natur, um Jahreszeiten zu bestimmen, wird Phänologie genannt und war für Bauern früher von Bedeutung, um den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat oder das Pflanzen zu erkennen.

Heute dienen die Daten, zum Beispiel die Genfer Kastanienchronik, dazu, die Schwankungen im Klimageschehen der letzten annähernd 200 Jahre zu erkennen. Hier in Hessen beobachtet man den Zeitpunkt des Öffnen der Haselkätzchen, in Hamburg gibt es seit 1946 Aufzeichnungen, über den Beginn der Forsythienblüte an der Lombardsbrücke.

Frühlingsanfang bei hessischen Laubenpiepern

Für mich ist die Forsythienblüte der Beginn des „richtigen“ Frühlings. Aus meinem Frankfurter Büro am Rande der Bürostadt hatte ich einen guten Überblick. Ich schaute in die Schrebergärten an der A5 und dort hat jeder Laubenpieper seinen Frühlingsbeginn-Indikator.

In dem oben zitierten Artikel von Georg Rüschemeyer wird jedoch davor gewarnt, Schlüsse für den Klimawandel aus diesen Ereignissen zu ziehen. Zwar sei in unseren Breiten Austrieb, Blüte und Fruchtreife nach Auswertung einer größeren phänologischen Datenmengen um eine Woche früher als vor 30 Jahren, das Abwerfen des Laubes im Herbst eine Woche später, doch die Teperatur sei nicht der einzige Parameter, der diese Ereignisse beeinflusse, sondern auch die Niederschlagsmenge und bei einheimischen Pflanzen wie zum Beispiel Buchen auch das astronomische Datum, somit das Verhältnis Tag/Nacht sowie eine vorangegangene Kälteperiode, den Winter. Letzteres sei jedoch noch nicht richtig erforscht. Lange Zeit vermutete man, dass es ein Blühhormon gäbe, es wurde Florigen getauft, und schließlich wurde vor gut 10 Jahren tatsächlich ein Gen entdeckt, das Flowering Locus T, das die zunächst angenommene Funktion des Florigens zeigte.

Heute nimmt man an, dass bestimmte Pflanzen durch gezielte Züchtung weiter im Norden anbauen ließen als bisher. Mais und Reis käme dafür in Frage. So sehe ich schon im Geist rheinhessische Reisfarmer die Rheinauen bearbeiten.

Ich achte aber derweil noch auf den Beginn der Forsythienblüte wie die Genfer auf die Knospen an ihrem Kastanienbaum.

Der Forsythien-Frühlings-Indikator sagt mir , dass der Frühling in Wiesbadens Osten im Jahre 2010 am 27. März begonnen hat, an einem Tag mit kräftigen Regenschauern und kurzen sonnigen Abschnitten. Temperatur um die 10° C.

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5 Kommentare on “Frühling ist, wenn….”

  1. karu02 sagt:

    Ein schönes Forsythien-Foto ist Dir hier gelungen. So weit sind sie bei uns noch nicht. Nur die weißen blühen schon.

  2. philipp1112 sagt:

    Von weißen – oder Schneeforsythien, wie sie wohl auch genannt werden – hatte ich bisher noch nie gehört.

  3. puzzle sagt:

    Sie wirken auf beinahe animalsche Weise vital, deine Forsythien-Knospen.

  4. […] Mehr über “Frühlings-Indikatoren: Hier […]


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