Mein kürzestes Bewerbungsgespräch – oder: Wie ich einmal von einem Bewerber mächtig gelinkt wurde

Die Geschichte zu erzählen dauert wesentlich länger als das Gespräch, das ich mit einem Bewerber in München führte.

Der junge Ökotrophologe hatte sich auf eine Stelle im wissenschaftlichen Außendienst des Unternehmens für ein Gebiet in der südlichen Hälfte Deutschlands beworben. Er war mit dem ersten Flieger aus einer norddeutschen Hansestadt zu uns gekommen. Die Bewerbungsunterlagen waren vielversprechend und es war nicht ungewöhnlich, dass sich jemand aus dem hohen Norden für ein Gebiet südlich des Weißwurstäquators bewarb. Flexibilität war und ist heute angesagt.

Hinzu kam, dass der Bewerber bereits gegen Ende seines Studiums und während der Suche nach seinem ersten „richtigen“ Job in einer Apotheke jener Hansestadt Ernährungsberatungen durchgeführt hatte. Sehr gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung auf die freie Stelle.

Der Bewerber wurde begrüßt und dem üblichen Zeremoniell entsprechend folgte zum Aufwärmen und Entspannen ein kurzer Smalltalk. Die Flug war angenehm, zur Firma zu finden war keine Schwierigkeit gewesen. So,so, aus dem Norden käme er – da stünde ja ein Ortswechsel an, wenn es zum Arbeitsvertrag käme.

Die Antwort verblüffte mich!

Er sei mit der Inhaberin der Apotheke, in der er die Beratung durchführe, liiert und ein Ortswechsel käme für ihn nicht in Frage.

Die Verblüffung verwandelte sich in leichte Verärgerung als der Bewerber hinzufügte, dass er sich – in der Hoffnung eingeladen zu werden – beworben hätte, denn er wollte einen schönen Tag in München verbringen und hätte den Rückflug erst für den letzten Flieger gebucht.

Damit war nach knapp fünf Minuten das Vorstellungsgespräch beendet.

Heute bin ich fasziniert von der Frechheit des Kandidaten.


8 Kommentare on “Mein kürzestes Bewerbungsgespräch – oder: Wie ich einmal von einem Bewerber mächtig gelinkt wurde”

  1. Roswitha Borrmann sagt:

    So ändern sich die Zeiten, bzw. die Perspektive, der Ärger rückt in den Hintergrund.

    Wirklich frech, aber auf Nachfrage ehrlich der junge Mann🙂.

    Adventsgrüße!!!

    Roswitha

  2. karu02 sagt:

    Auf so etwas muss man auch erst kommen. Hat er den Flug trotzdem bezahlt bekommen?

  3. Lakritze sagt:

    Was ne Geschichte! Dreist. Hättet ihr ihn nicht stun-den-lang in langweilige Gespräche verstricken können? Vielleicht noch ein langwieriges Kantinenessen –?

  4. richensa sagt:

    Und? Hat er den Flug bezahlt bekommen? Früher war das ja so…
    Aber echt … hört sich ein bisschen nach der Gattung „A*schlochkind“ an….

  5. Philipp Elph sagt:

    Der Flug wurde bezahlt und den Gast wollte ich so schnell wie möglich wieder los werden.

    @Roswitha: Da war doch unserer Gespräch wesentlich länger – und führte zu einer langjährigen guten Zusammenarbeit! (Sozusagen zur „vollsten Zufriedenheit“)

  6. rotewelt sagt:

    Unglaublich – Frechheit!

  7. bert sagt:

    das nenne ich cool. Vielleicht sollte ich so meine Städtereisen finanzieren😉


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