Wolfhard Klein: Mausetod! Die Kulturgeschichte der Mausefalle

Exif_JPEG_PICTUREWolfhard Klein ist Journalist, Krimiautor, Lyriker und Sammler von Mausefallen.

Kürzlich fand in dem Heimatmuseum eines Wiesbadener Ortsteils eine Ausstellung dieser Fallen statt. Eine erstaunliche Zahl von Geräten wurde gezeigt, vielfältige Arten waren zu bewundern. Bei den einen taten mir die Mäuslein leid, die mit den handelsüblichen Schnappfallen erschlagen wurden, andere waren in die Rubrik „humane Fallen“ einzuordnen. Mit der humanen Art, Mäuse zu fangen, meine ich das Aufstellen von Lebendfallen, bei denen die Maus gefangen und danach – weit entfernt von der häuslichen Speisekammer – wieder ausgesetzt wird. (Wie inhuman diese Methode sein kann – Stichwort: Kannibalisierung – , werde ich in einem anderen Posting beschreiben.)

Herr Klein hat einen Teil seiner Sammlung in dem Buch Mausetod! festgehalten.

Schwippgalgenfalle mit drei Fängen

Schwippgalgenfalle mit drei Fängen

Bedeutender als die Abbildungen der diversen Fallen ist jedoch das, was der Autor als „Die Kulturgeschichte der Mausefalle“ – so auch der Untertitel – beschreibt.

Zunächst wird darin die Maus vorgestellt. Über Mäusejahre, Mäusesex, die mystische Maus und Hexenmäuse wird berichtet.

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Geschichte der Mausefalle von den ersten Erwähnungen aus Anfang des 17. Jahrhunderts bis heute, aber auch mit der Erfindung des genialen Daniel Düsentriebs, der in Entenhausen eine derartige Falle entwickelte. So ist schnell erkennbar, dass Wolfhard Klein zwar mit dem gebotenen Ernst, aber auch mit einem zwinkernden Auge die Themen in seinem Buch behandelt. Und das macht das Buch, dem sich Kapitel über Mausefallenmacher, Mausefallenhandel, Mäusefänger – auch die vierbeinigen und die Flügel schlagenden werden erwähnt – anschließen, bei allem Gehalt an Informationen so unterhaltsam.

Lebendfalle mit einer Reuse (Tschechien 2011)

Lebendfalle mit einer Reuse (Tschechien 2011)

In „Mausefalle und Sexualität“  beschreibt der Autor Symbolik und Psychologie rund um Katz und Maus und Mensch, zitiert Gedichte und andere literarische (Speck-)Stückchen des Mäusefangs – von Männern – und wie sie in die Fallen tapsen.

Köstlich zu lesen.

Mit einem ausführlichen Quellenverzeichnis, das Hunderte von Quellen aufführt, endet das Buch, das alles beschreibt, was über die Kulturgeschichte der Mausefalle wichtig ist, was man schon immer wissen wollte, aber bisher in dieser Art noch keine Antworten erhalten hatte.

 

Die Fotos der Mausefallen wurden während der Ausstellung in der Historischen Werkstatt Nordenstadt, Wiesbaden-Nordenstadt, aufgnommen.


6 Kommentare on “Wolfhard Klein: Mausetod! Die Kulturgeschichte der Mausefalle”

  1. Was es alles gibt … Ich musste beim Lesen dieses Artikels immer an die Geschhichte um Michel aus Lönneberga denken, der seinen armen Vater in der Mausefalle fängt. Schon als Buch sehr amüsant zu lesen, ist es als im Film noch schöner, was vor allem am Schauspieler Allan Edwall liegt, der als Michels Vater so wunderbar auf einem Bein hüpfen kann. Gucke ich immer noch gerne!

  2. Utasflow sagt:

    Es klingt sehr interessant und könnte ein Buchgeschenk für eine mir bekannte Person sein.

  3. Lakritze sagt:

    Ich mag abseitiges Nischenwissen. Herrlich; danke. Erwäge Anschaffung.

  4. karu02 sagt:

    Das wird ein Geburtstagsgeschenk – vorher gucke ich natürlich rein. Es hat mich gleich an die Szene erinnert, als wir auf dem Speicher Mäuse hatten, die nicht aufhören wollten, sich zu vermehren. Es mussten Mausefallen aufgestellt werden, gegen den Willen der Kinder, speziell der Tochter. Lange tat sich nichts bis dann eine tatsächlich in die Falle geriet. Ich werde den verächtlichen Blick meiner Tochter bei ihrem Ausspruch: „Ihr Mäusemörder!“ nie vergessen. Von Lebendfallen wussten wir damals nichts. Das Buch war ja noch nicht aufgelegt.

  5. Danke für die liebevolle Besprechung meines Buches. Ich wünsche denen, die es gekauft haben oder kaufen wollen viel Vergnügen damit.


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