Eine „humane“ Art, Mäuse zu fangen?

Es war Herbst geworden. Mäuse zogen in die Schreibtische ein. Nahrung gab es dort genug. Pralinen und Knäckebrot. Die Kolleginnen bedienten sich davon. Die Mäuse auch. Der Unterschied zwischen den beiden Spezies bestand darin, dass die Mäuse ihren Darm auf dem angeknabberten Knäckebrot entleerten.

Es war Herbst geworden und die Mäuse kamen von den Feldern und Wiesen in unsere ebenerdig liegenden Büros und Laboratorien. Es waren bereits kostbare Messgeräte wegen Kabelfraß ausgefallen, aber erst als Mäuse mit ihren Kötteln das Knäckebrot garnierten, wurden die Gäste zu einem echten Problem – weil ein Kollege eine Schlagfalle mitbrachte, mit der wir der Plage Herr werden wollten.

Das war ein Problem, denn diese Art der Beseitigung war für alle Kolleginnen und auch für einen Teil der Kollegen nicht akzeptabel, da „inhuman“. Heftige Diskussionen über Fangmethoden wurden geführt, Gabi wollte ihren Kater zum Verscheuchen der Mäuse mitbringen. „Bringt nichts!“, war die Meinung der einiger Kollegen. Die Fronten schienen verhärtet. Wir befanden uns in einem Mäusefang-Moratorium.

Es wurde beendet, als am nächsten Tag eine Kollegin mit einer Lebendfalle zur Arbeit kam. Und so fingen wir in den nächsten Wochen zahlreiche Mäuse auf diese Weise, setzen sie vor die Tür und fingen die nächsten – oder dieselben.

Das ging gut bis Weihnachten. Die Falle wurde in einem Aktenschrank vergessen, wir gingen bis nach Neujahr in Urlaub.

Im neuen Jahr öffnete ich den Aktenschrank. In der Lebendfalle lagen zwei ausgedörrte, platte Mäusefelle und eine tote Maus – Kannibalismus!

Soviel zu einer „humanen“  Art, Mäuse zu fangen.

Lebendfalle zum "humanen" Fangen von Mäusen

Lebendfalle zum „humanen“ Fangen von Mäusen

 


6 Kommentare on “Eine „humane“ Art, Mäuse zu fangen?”

  1. Rainbow sagt:

    Wir haben es hier auch mit Lebendfallen probiert. Allerdings hatten die am Ende ein Leckerchen und wenn die Maus da ran ist, dann ist die Tür hinten zugeschnappt. Manchmal hat das zu schnell oder mit Verzögerung geklappt und die Maus hatte ein gelähmtes Hinterteil und vorne hat sie versucht, sich doch noch aus der Falle zu befreien. 2 x war das passiert. Sehr gruselig und auch nicht wirklich human. Nun haben wir zwei Katzen. Die spielen allerdings ziemlich lange mit den Mäuschen, bis diese tot sind. Auch nicht sehr human aber eben felidae. Und die Mäuse hätten ja auch genug andere Plätze. Im Stall zum Beispiel. Der große Hasenstall ist ein beliebter Mausewohnort. Da gibt es viel Futter und die Katzen kommen nicht dran, an die Maus…🙂

  2. puzzleblume sagt:

    Es dürfte der Maus wohl schwer gefallen sein, sich darin selbst umzubringen.
    Inhuman sind wohl doch eher die Menschen,die solche Fallen aufstellen, vergessen, und den Gefangen überlassen, wie sie sterben wollen.

    • Philipp Elph sagt:

      Es war ein schreckliches Bild, das sich mir bot. Zuerst habe sich die Tierchen wohl kannibalisiert, das letzte ist dann verhungert oder verdurstet. Das Bild habe ich auch nach 40 Jahren noch nicht vergessen. So wurde aus einer „humanen“ Fangmethode durch Unbedachtheit ein grausamer Mausetod.

  3. richensa sagt:

    Tja, dann doch lieber die Nicht-Lebend-Falle?
    Nur, wer muss sie leeren?

  4. Lakritze sagt:

    Mäuse und Menschen sind halt keine gute Kombination. Aber mäusedichte Wohnungen müßte auch erst mal wer erfinden.

  5. kormoranflug sagt:

    Der Stahlhändler Adolph am Savignyplatz verkaufte mir eine Lebendfalle. Auf meine Frage was ich dann mit dem gefangenen Mäuschen machen soll: Briefschlitz in der Nachbartüre hochklappen und rein damit….


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s