Ich würde gern Maxi sein

Neulich wurde ich gefragt: Welche Figur in einem Buch würdest gerne mal sein und warum?*

Meine Antwort ist einfach: Ich würde gern Maxi sein.

Nicht Goethes Faust, dann könnt‘ ich zwar sagen:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh‘ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!

Aber das wäre wirklich nicht erstrebenswert und einen Pakt mit dem Teufel würde ich gar nicht schließen wollen.

Der Held des Shakespeare’schen Ränkespiels Heinrich VIII. möchte ich auch nicht sein, nicht Blechtrommler Oskar, obwohl Trommeln und Schreien können, tät‘ ich gern. Und ein Leben als Simplicius Simplicissimus wäre mir zu anstrengend. Und wie Oblomow lebe ich schon weitgehend in der realen Welt. Als Graf von Monte Christo hätte ich zwar einen schillernden Namen, ein so abenteuerliches Leben würde mein Herz nicht mitmachen. Tarzan zwar mit Jane, aber ohne e-Reader: auf die Dauer zu langweilig. Felix Krull, in diese Haut wäre ich gern vor 50 Jahren geschlüpft, heute nicht mehr. Winnetou kommt mir da noch in den Sinn – oder sollte ich mich lieber für Old Shatterhand entscheiden? Dann lieber für keinen von beiden. Sherlock Holmes oder Lord Peter Wimsey, das wäre vorstellbar, aber ich lebe lieber in der Gegenwart. Dann kommen auch Protagonisten aus dem Mega-Plot nicht in Frage: Gott und Jesus. Von dem einen weiß ich eh nicht, wie er aussieht und das irdische Ende des anderen möchte ich nicht am eigenen Leib verspüren.

Vielleicht würde ich gern eine Frau sein? Scarlett O’Hara oder Miss Marple – zu schön oder zu schrumpelig. Heidi wäre auch eine Wahl, aber immer im Ziegengestank rumlaufen? Nee.

Also bleibt’s dabei:

Ich würde gerne Maxi sein

weil

Maxi weiß alles**

Exif_JPEG_PICTUREMaxi weiß einfach alles.

Er hat die beste Nase der Welt!

Maxi weiß, was Jakobs Mutter zum Mittagessen kocht.

Maxi weiß auch, wo der Maulwurf sitzt.

Maxi weiß, wann Jakob aus der Schule kommt.

Er riecht ihn schon von weitem

und er weiß, daß Jakob Bingo gestreichelt hat.

Und wenn sich Maxi verlaufen hat,

ist es gut, daß Maxi eine so feine Nase hat.

Er findet den Weg zurück nach Haus.

Wenn er dann dort eingetroffen ist, bekommt er noch einen Knochen von Jakob.

Maxi ist ein glücklicher Hund. Versteht ihr jetzt, warum ich gern Maxi sein würde, nicht der Super-Protagonist in einem angesagten Plot?

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* Danke an JuKa Satzschmiede für diese Frage

**  Maxi weiß alles, Pixi-Buch 292, von A. Constant, erschienen 1980. In den frühen 80ern meinen Kindern vorgelesen, heute schwärmt die Enkeltochter von Maxi – und ich selbstverständlich auch

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5 Kommentare on “Ich würde gern Maxi sein”

  1. Köstlich geschrieben, nur
    beim Knochen komme ich ins Zweifeln

  2. puzzleblume sagt:

    Die Pixibücher habe ich geliebt. Wie werde ich nur das Bild eines lesend Liane schwingenden Tarzans wieder los?

  3. richensa sagt:

    Als Babysitterin hatte ich immer einen guten Vorwand, mit den beiden zu Sittenden in den Büchern zu stöbern und uns Geschichten auszudenken, wie das Buch wohl weiter ging.

  4. […] Stell Dir vor, Du bist Schauspieler oder Sprecher und Du darfst ein Buch Deiner Wahl als Hörbuch lesen. Welches wählst Du? Ich stelle mir vor, ich sitze am Bett meiner Enkeltochter und lese ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Dabei ist es mir nicht so wichtig, was ich vorlese, sondern dass ich ein Buch oder eine Geschichte vorlese, die der Kleinen gefällt. Zur Zeit ist ihr Lieblingsbuch ein PIXI-Buch: Maxi weiß alles. […]


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