Es kann die Ehre dieser Welt – Aus dem Poesiealbum meiner Mutter

Heute stelle ich aus dem Poesiealbum meiner Mutter den Eintrag ihres Lehrers vor, ein Gedicht von Theodor Fontane:

Poesie

Damit alle dieses Gedicht von Theodor Fontane lesen können, habe ich es hier noch einmal „abgeschrieben“:

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muss in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor Dir bestehen können.

Als ich die erste Zeile las, dachte ich mir, dass in dem Gedicht die Ehre im Sinne der Nazisicht gemeint sei, denn der Eintrag stammt aus dem Jahr 1934. Der Lehrer meiner Mutter, Heinrich Daues, hätte jedoch nie solche Poesiealbum-Zeilen geschrieben, die eine derartige Interpretation zugelassen hätten.

Und so ist es auch: Es geht nicht um die Ehre, sondern darum, mit seinen Handlungen vor sich selbst bestehen zu können. Vor rund 150 Jahren von Theodor Fontane geschrieben, ist ist das Gedicht heute noch genau so aktuell wie vor 80 Jahren, als es in das Poesiealbum geschrieben wurde.


4 Kommentare on “Es kann die Ehre dieser Welt – Aus dem Poesiealbum meiner Mutter”

  1. Utasflow sagt:

    Die Einträge von Lehrern in Poesiealben zeugen häufig vom umfassenden Lehr- und Bildungsanspruch dieses Personenkreises. Ich lese diese Wegbegleiter gerne!

  2. karu02 sagt:

    Huch, davon bekomme ich zum Ende hin eine Gänsehaut. Wie wahr!

  3. karu02 sagt:

    …und was für eine schöne Schrift!

  4. Roswitha sagt:

    Sehr schön. Alte Gedanken, sehr aktuell. Danke dafür.

    Liebe Grüße!!!


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