Ich wollte doch nur spielen!

Ich habe gelesen, dass das Wort „eigentlich“ ein überflüssiges Füllwort ist, dessen Gebrauch zu vermeiden sei. Mein Beitrag fängt dennoch mit diesem Unwort an:

Eigentlich war ich immer ein braver Schüler. Etwas verklemmt vielleicht, während der Grundschule unterfordert,

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später überfordert.  In den langen Jahren der Überforderung immer mit einem Überfluss an mangelndem Wissen im Rucksack.

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Besonders im zweiten Abschnitt meiner schulischen Karriere mußte ich Instrumente entwickeln, um mich vor meinen Mitschülern zu profilieren. Mitschülerinnen gab es zu der Zeit nicht. Koedukation war das Unwort an dem Gymnasium.

Wenn ich beim Lesen des Fausts mit verteilten Rollen das Gretchen lesen mußte – durfte, denn ich hatte mich in weiser Voraussicht dazu gemeldet -, tat ich das mit fiepsiger Stimme. Wenn der Lehrer an der Tafel schrieb, wanderten mein Tischkollege und ich mit Tisch und Stühlen in der Klasse vor und zurück – zur Belustigung der restlichen Mitschüler. Über andere Heldentaten möchte ich nicht berichten, denn:

Eigentlich geht es mir nur um Handgeschriebenes.


10 Kommentare on “Ich wollte doch nur spielen!”

  1. Lieber Philipp,

    danke, dass du deine Erinnerungen mit uns teilst – ich würde gern noch mehr davon lesen : ) Und mir dabei den „formlosen“ Jungen vorstellen, wie er undisziplinierte Dinge tut, um ein bisschen Spaß in den Unterricht zu bringen.

    Und eigentlich finde ich das Wort „eigentlich“ je nach Kontext durchaus wichtig. Denn gerade in deinem Text deutet es schon auf einen Widerspruch hin – eigentlich brav, aber so brav nun auch wieder nicht. Ich glaube, das Wort wird eigentlich unterschätzt ; )

    Liebe Grüße
    Petra

  2. puzzleblume sagt:

    Nette Anekdoten. Wie Petra meine ich auch, dass „eigentlich“ als relativierendes Element nicht nur unterschätzt, sondern unverzichtbar ist. Die Klugschieter, die sich dazu aufschwingen, solche Urteile zu fällen, scheinen einen die Phantasie des Lesers / Hörers gängelnden Erzählstil ohne Überraschungen zu bevorzugen.

  3. Das ist ein schöner Text – und auch toll die Fotos! Das „formlose“ Verhalten würde man doch gerne sehen! Ganz uneigentlich. Schön – mehr davon bitte!

  4. Ich finde es ziemlich normal, wenn man mal solche unerfreulichen Sachen im Zeugnis stehen hat. Sonst wäre es eigentlich auch langweilig😉

    Meine ersten Zeugnisse waren übrigens auch noch handgeschrieben, erst später wurden die Formulare in die Maschine gefädelt. Muss ich mal wieder reingucken.

  5. vilmoskörte sagt:

    So ähnliche handschriftlich ausgefüllte Zeugnisse hab ich auch noch (ich war ein fauler Schüler, und mit meinem Abiturzeugnis käme ich heute nicht mehr durch den NC). Muss ich mal nach suchen, vielleicht habe ich auch so schöne Sätze in den Kopfnoten (Betragen, Häuslicher, Fleiß, Beteiligung am Unterricht, Ordnung – oder so ähnlich).

  6. Uffnik sagt:

    Mein Talent als Alleinunterhalter wurde von der Lehrerin sträflich ignoriert, ja sogar unterdrüpckt. Anstatt solche Begabung zu fördern, wurde ich regelmäßig zur Ordnung gerufen. Im Zeugnis war zu lesen: „Neigt zum Schwatzen“
    Pah!

  7. rotewelt sagt:

    Eigentlich finde ich auch, dass das Wort eigentlich nicht überflüssig ist uübrigens handschriftlich, dass ich etwas zu zurückhaltend sei. Ich war einfach zu schüchtern.


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