„Let the Sunshine in“ und „Hare Krishna“

Gestern haben wir es wieder erlebt: Das Musical HAIR, die letzte Vorstellung im scheinbar so biederen Staatstheater Wiesbaden.

HAIR begleitet mich seit der deutschen Erstaufführung in München 1968. Nicht, dass ich es gleich gesehen hätte, aber davon gehört und gelesen habe ich.  Die Platte wurde gekauft und immer wieder gedudelt. HAIR verkörperte unser Lebensgefühl – oder das, was wir gern gehabt hätten, denn meine Freunde und ich waren keine Hippies, hatten zumeist ihren Wehrdienst geleistet. Wir waren brave Kinder unserer Eltern und unser Widerstand war recht begrenzt. Die Studentenunruhen in Berlin und anderswo waren weit weg von der „Technischen Hochschule“ an der ich zu der Zeit studierte, der dortige AStA noch wenig politisch. An ein paar kleinen und unbedeutenden Demos haben wir teilgenommen. Das Leben vollzog sich friedlich, tagsüber an der TH und abends/nachts häufig bei Doppelkopf, Bier und Currywurst in Kneipen.

P1010176Woodstock war kurze Zeit später und wir hatten schon Idole wie Joan Baez, Janis Joplin, Bob Dylan und Donavan, schwärmten für die Musik von CCR und Santana, aber HAIR war uns näher. Es erzählte eine Geschichte, die uns trotz all dem psychedelischen Kram – wir lehnten die Einnahme von Drogen ab – in Richtung Pazifismus lenkte.

In über vier Jahrzehnten habe ich das Musical hin und wieder gesehen, in verschiedenen Städten, früher mit den „Liedern“ in deutscher Sprache, später mit den „Songs“ in Englisch.

Und es ging nicht nur mir, Philipp, so, sondern auch Philippine. Als wir einige Jahre nach der deutschen Uraufführung in unsere erste gemeinsame Wohnung zogen, brachte jeder seine Plattensammlung mit – und in beiden war „HAARE – Originalaufnahme der deutschsprachigen Uraufführung“. Und wie ihr seht, existiert ein Teil der gemeinsamen Sammlung auch heute noch!

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17 Kommentare on “„Let the Sunshine in“ und „Hare Krishna“”

  1. Ach ja, Hair! Habe ich vor zig Jahren als Film gesehen, in einer Doppelvorstellung, danach die Rocky Horror Picture Show. Hat mich beides mächtig beeindruckt! Ich bekomme gerade richtig Lust, mir die beiden Filme noch mal anzusehen …

  2. Wie, letzte Vorstellung ? Kommen nicht mehr genug „alte Hair-Anhänger“?
    Also hin und wieder mal einige Liede anhören, aber das Ganze hab ich mir noch nicht angetan.
    Und jetzt ist in Wiesbaden fertig ?

    • Philipp Elph sagt:

      Ja, Wiesbaden hat fertig! Das war die 40. Vorstellung des Jugend-Club-Theaters, ein Ensemble junger Leute von 15-28 Jahren, die hier – neben Studium oder Beruf – das Theaterspielen erlernen. Sie lernen schauspielern, tanzen und singen, führen im Staatstheater Musicals auf. Eine tolle Truppe!

      • Also erste Bühnenerfahurng mit Hair ? Sicher ganz interessant, im Musical wird ja fast alles gefordert. Machen die denn mit anderen Stücken weiter ?

  3. kormoranflug sagt:

    Die hören auf und die Stars lassen gerade wieder ihre Haare wachsen, unten, oben und unter den Achseln…..hair kommt zurück.

  4. puzzleblume sagt:

    Als der erste große Hair-Hype war, war ich noch zu klein, um das Ganze zu begreifen, aber weil ich auch damals schon alles las, was bedruckt war und keiner rechtzeitig weggeräumt hatte, habe ich mir auch den „Stern“ meiner Eltern geschnappt. Den Namen „Su Kramer“ von der deutschen Aufführung habe ich nie vergessen, ich fand sie damals toll. Wohl auch wegen der Lockenpracht, denn ich wurde damals von meinen Eltern wegen Locken zu jahrzehntelangem Bubikopf verurteilt. Das war mein instinktiver, ganz persönlicher Bezug zu „Hair“. ^^

  5. zeilentiger sagt:

    Ich oute mich: Ich glaube, ich habe es nie gehört (oder gesehen). Wahrscheinlich eine kulturelle Lücke. Ein schöner Artikel!

    • Philipp Elph sagt:

      Ach, wenn du wüßtest! Ich habe auch so viele kulturelle Lücken. Von den meisten weiß ich nichts. Das ist auch gut so, weil solches Nichtwissen nicht belastet.Manche werden durch Zufall entdeckt und geschlossen, wenn man auf einem Blog auf ein Thema stößt und sich damit beschäftigt..

  6. Roswitha sagt:

    Was für ein schöner Beitrag. Hair hab ich erst ziemlich spät ganz gesehen – Nackte auf der Bühne das war jenseits von Gut und Böse, für mich nicht erlaubt. Die Musik natürlich, der Geist der 68er, Woodstock, Janis Joplin, CCR – davon konnte man mich nicht fernhalten. Happening, Sit-in gingen auch während der Schulzeit. Der Partykeller bei meinem Onkel war unverdächtig und ging auch abends. Schön war’s. Und dieser Geist hat uns ja nicht wirklich verlassen, der hat ja sogar dem Großraumbüro widerstanden.🙂 Ist halt heutzutage nichts besonderes mehr, aber gut …

  7. Uffnik sagt:

    Mei, simmer alt gworrre! Und es gefällt immer noch.

  8. karu02 sagt:

    Man denkt ja selten darüber nach, was alles zum eigenen Kultur-Schatz gehört, weil es so selbstverständlich ist.

  9. Utasflow sagt:

    Der Zufall ließ mich gestern abend im TV zappen. Und was fand ich nach 22:30 Uhr auf 3sat? Hair – der Film. Es war mir dann aber doch zu spät ihn in ganzer Länge zu schauen. Jetzt schreibst Du über Hair🙂.

    • Philipp Elph sagt:

      Der Film beinhaltet eine richtige Handlung, dafür aber weniger Songs. Geht nichts über das Musical auf der Bühne – besonders dann, wenn’s noch richtig duftet!

  10. Lakritze sagt:

    Entschuldige die Selbstverlinkung, aber das paßt gerade zu gut. „Haare“ war mir hingegen völlig unbekannt!


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