Reineke Fuchs – 1794 (J.W. von Goethe) -1905 (Fritz Werdermann, für die Jugend erzählt) – 1998 (Janosch, für Kinder)

Cody_0003In wohlgesetzten Hexametern hat Johann Wolfgang von Goethe seine Version von Reinecke Fuchs gedichtet. Die ersten Verse haben sich von der Schulzeit bis heute im Kopf gehalten:

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen: Es grünten und blühten
Feld und Wald; auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
Übten ein fröhliches Lied die neu ermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen,
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

Dann tritt König Nobel auf, der Löwe. In zwölf Gesängen werden die Übeltaten und Lügen von Reineke Fuchs beschrieben, nur knapp kann er sich dem Tode durch den Strang entziehen. Schließlich ernennt Nobel den Verbrecher zum „Kanzler des Reiches“.

Für die Jugend erzählt (ca. 1905)

Für die Jugend erzählt (ca. 1905)

Die ersten Dichtungen über den schlauen Fuchs entstanden bereits Ende des 12. Jahrhunderts, Goethes Werk basiert auf einem jüngeren Werk von Johann Christoph Gottsched aus dem Jahr 1752. Kenner des Epos von Goethe bescheinigen dem Werk, dass es durchaus als Kritik des höfischen Lebens aufgefasst werden kann. Spöttisch und boshaft ist es allemal.

Weitaus größeren Spaß, als diesen Reineke Fuchs still vor sich hin zu lesen, hat es mir bereitet, die Verse laut und mit der richtigen Betonung zu lesen. Erst dann kommt die Sprache Goethes so recht zur Wirkung.

Nahe an den Text von Gottsched hält sich gut 100 Jahre nach Goethe auch Fritz Werdermann, der die Geschichte in Prosa „für die Jugend erzählt“. Allerdings wohl für die ältere Jugend, denn die „Entehrungen“ und Morde werden dort drastisch beschrieben. Hübsch anzusehen dagegen das Dutzend Bilder, allen voran das auf dem Einband, sowie die jedem der zwölf Kapitel vorangestellte Vignette.

Janosch (1998)

Janosch (1998)

 

Textlich ganz anders als die mir vorliegenden Werke von Gottsched, Goethe und Werdermann liest sich die Geschichte von Reineke Fuchs nach J.W. von Goethe, die Janosch aufgeschrieben und lustig illustriert hat. Sie ist kindgerecht, hat jedoch nur wenige Gemeinsamkeiten mit den anderen Fassungen. Hier wird zunächst zu einem Fest geladen . Ein Fest für alle Tiere, die Lust auf Tanz und Musik, Schmaus und Küsserei haben. Kostet nix. Und so wird zunächst gefeiert in dieser paradiesischen Umgebung. Bis sich dann die ersten Tiere über Reineke Fuchs beschweren. Das Fest wird darauf hin unterbrochen und Reineke angeklagt. Richter ist allerdings der Dachs. Bei Janosch heißt er Walter, ist der Schwager von Reineke (in den anderen Versionen wird er Grimbart genannt und ist der Neffe Reinekes) und der „Richter im Amt“, der Recht spricht, immer zu Gunsten von Reineke, der ihm einen größeren Geldbetrag schuldet. In der Annahme, dass ein verurteilter Reineke das Geld nie zurück zahlen würde, verdreht er jede Anklage zu Ungunsten des Klägers, verhilft Reineke sogar noch in das Amt des Ministers, der dann alle Gesetze zu seinem Nutzen ändert. Und laut Janosch soll er immer noch Minister sein – im Reich der Tiere.Cody_0002

Die Vingetten stammen aus dem Buch von Fritz Werdermann, der Illustrator wird nicht genannt. Hier noch ein Bild aus dem Buch:

Cody_0001Eine Inhaltsangabe von Goethes Reineke Fuchs ist bei Wikipedia zu lesen

Gottsched Prosafassung ist schlecht leserlich in den „American Libraries“ zugänglich

Die Historie zum Thema Reineke Fuchs: hier

Den Reineke Fuchs von J.W.Goethe findet man im eigenen Bücherschrank als Reclam-Heftchen oder in einer anderen Version eines gedruckten Buches oder im Netz bei „Projekt Gutenberg“

Die Bücher von  Janosch und Fritz Werdenmann stehen in meinen Bücherregalen, wobei das Buch von Fritz Werdenmann schon einmal in diesem Blog vorgestellt wurde. Ein von mir gefertigter neuer Einband und die Widmung in diesem Buch wurden dabei erwähnt

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