Annette Sievers: Die beliebtesten Wanderwege der Hessen

P1030174Zusammen mit dem hr-fernsehen und den Zuschauern der Sendung ist dieser Wanderführer von Annette Sievers entstanden. Darin sind 30 Touren mit unterschiedlichen Streckencharakteren vom Reinhardswald bis zum Odenwald enthalten. Aufgeführt werden die Touren nach der Beliebtheit bei den Zuschauern. Zur Nummer 1 wurde eine 20 Kilometer lange Tour rund um die Wasserkuppe gewählt. Im Text werden Route, Besonderheiten und Einkehrmöglichkeiten ausführlich beschrieben. Die dazugehörige Karte zeigt eine gute Übersicht, einige Fotos lockern den Text auf. Nützliche Adressen ergänzen die Beschreibung. Auch die Anreisemöglichkeit mit Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln fehlt nicht.

Zu den Top 3-Touren gehört auch eine Tour, die einen Teil des Rheinsteigs zwischen Eltville und Oestrich-Winkel einschließt. Eine Tour, die vor meiner Haustür liegt. Hier kann ich bestätigen, dass die Route und alles was darauf zu sehen und zu erleben ist – inklusive der Einkehrmöglichkeiten – sorgfältig beschrieben ist.

Die Streckenlängen der vorgestellten Touren sind recht unterschiedlich. Es gibt kurze mit nur 13 Kilometer wie am Hohen Meißner oder eine 6 Kilometer-Tour auf dem Limeserlebnispfad, andere Touren sind aber auch in Tagesetappen unterteilt. So sind für eine Wanderung auf dem Uplandsteig bei Willingen 3 Tage geplant (Länge 63 Kilometer). In einer „Ranking-Übersicht“ werden die Streckenlängen und der Streckencharakter aufgeführt.

Nicht immer wird es einfach sein, die Orte der Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfach zu erreichen. Aber so ist das nun mal mit unserem ÖPNV. Mit dem Auto sind die Ziele oftmals wesentlich schneller zu erreichen. Trotzdem sollte man sich nicht von einer längeren Anreise davon abhalten lassen, die eine oder andere Tour zu erwandern. Die Zuschauer des hr-fernsehens haben gut gewählt und Anne Sievers beschreibt die Wanderungen auf anschauliche Weise.

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Erschienen ist dieser Führer im Peter Meyer Verlag

Der neue Asterix: Der Papyrus des Cäsar

P1030152Endlich wieder ein vollkommenes Lesevergnügen mit Asterix und Obelix! Geschichtliches – Cäsars Beschreibung seiner Eroberung Galliens, die in seinen Büchern das verschweigt, was ihm nicht dort gelungen ist – verknüpft mit aktuellen Bezügen wie Whistleblowing und moderner Kommunikationstechnik wird in diesem Band auf bewährte Weise mit Humor dargeboten. Nach einem schwach beschriebenen Auftritt von Asterix und Obelix bei den Pikten macht es wieder Spaß, die beiden Helden, ihre Freunde und Feinde – einschließlich des großen Cäsar – bei diesem Abenteuer zu folgen.

Seit der ersten deutschen Ausgabe 1968 verfolge ich die Geschichten in dem von unbeugsamen Galliern bewohnten kleinen Dorf und die Erlebnisse ihrer Bewohner drumherum und in der ganzen Welt. Mit diesem Band 36 zeigen  Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, dass sie hervorragend in die Fußstapfen ihrer Vorgänger  R. Goscinny und A. Uderzo passen.

Anne Rahn: Aus meinem Garten

P1030146Ein Garten- und Küchen-Handbuch für Selbstversorger und für alle, die kreativ sind und gerne mit den Händen arbeiten. Mit Tipps, Tricks und über 100 Rezepte aus über dreißig Jahren „Gartenarbeit“ und der Verarbeitung dessen, was in Anne Rahns Garten wächst und geerntet wird.

Dies ist eine Sammlung sehr persönlicher Erfahrungen und einer nicht immer alltäglichen Einstellung zur Bewirtschaftung eines großen Gartens und dem, was er hervorbringt. Monat für Monat beschreibt die rheinhessische Gärtnerin, Hobbyköchin, die in diesem Buch auch Dekorations- und Basteltipps gibt, was sie in ihrem Garten tut und was sie mit Kräutern, Obst, Gemüse und anderen Pflanzen Essbares und Trinkbares oder Schmückendes herstellt. Anne Rahn erzählt das alles auf so unterhaltsame Weise, dass man sogleich die Tipps, die sie gibt, umsetzen möchte.

Dabei handelt es sich sowohl um einfache Tätigkeiten wie dem Mulchen im Frühjahr mit dem Rückschnitt von Stauden und Gräsern, aber auch um anspruchsvolle Hinweise wie beispielsweise zum Veredeln von Rosen. Wenn Anne Rahn dann über Quitten schreibt, empfiehlt sie bestimmte Sorten, führt dazu Rezepte auf zur Herstellung von Saft und Marmelade aus den Früchten, sowie der Zubereitung von Quitten-Bonbons aus der Marmelade. Ein Quittencurry empfiehlt sie zu Kräuterseitlingen, wobei letztere wohl nicht dem Garten entstammen, sondern auf dem Markt gekauft wurden.

Und ob sie Mangold erntet oder Lavendelbrot herstellt, zumeist ist es wirklich das Besondere, was hier zu lesen ist. Somit ist das Buch kein Ratgeber wie der des ehrenwerten Gärtner Pötschke über das Grundwissen für Hobbygärtner, sondern vielmehr ein Bekenntnis zu einem außergewöhnlichen Garten, dessen Bewirtschaftung und eine Sammlung besonderer Ideen im Umgang mit dem, was dort geerntet wird.

Ein Buch mit einem großartigen Erfahrungsschatz aus einigen Jahrzehnten Leben mit und im Garten.

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Das Buch ist im Frühjahr 2015 im Leinpfad Verlag erschienen.

DUDEN – Grundschullexikon

P1010982650 Lexikonartikel werden in diesem DUDEN aufgeführt, dazu ein „Schulwissen kompakt“ und Sonderseiten zu „Früher und heute“ sowie „Hier und anderswo“. Viele der Artikel sind sehr gut mit Fotos, Karten und Illustrationen bebildert.

Es ist ein hervorragendes Lexikon für Kinder im Grundschulalter für – wie der Verlag schreibt . Kinder ab der 1. Klasse. Die Aussage des Verlags mag für eine große Zahl der Begriffe richtig sein, viele Artikel werden aber wohl erst in der zweiten Hälfte des Grundschulalters von den jungen Lesern verstanden werden. Nach Erfahrungen, die ich zusammen mit meiner pfiffigen Erstklässer-Enkelin gemacht habe, erscheint es mir sinnvoll, dass schwierigere Inhalte zunächst zusammen mit ErwachsenenP1010983 gelesen und besprochen werden. Nur dann werden die Kleinen verstehen, was da teilweise geschrieben und abgebildet ist (Beispiele: Generator, Menstruation).

Für besonders gelungen halte ich die Beiträge über Tiere und andere naturkundliche Artikel, aber auch Beschreibungen zur Geschichte und technischer Vorgänge und Produkte.

Ein Lexikon, dass nicht nur für Kinder im Grundschulalter gut geeignet ist.

Ich blättere und lese auch gern einmal darin. Für mich ist es auch eine Anleitung, wie ich etwas kindgerecht erklären kann.

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Reineke Fuchs – 1794 (J.W. von Goethe) -1905 (Fritz Werdermann, für die Jugend erzählt) – 1998 (Janosch, für Kinder)

Cody_0003In wohlgesetzten Hexametern hat Johann Wolfgang von Goethe seine Version von Reinecke Fuchs gedichtet. Die ersten Verse haben sich von der Schulzeit bis heute im Kopf gehalten:

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen: Es grünten und blühten
Feld und Wald; auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
Übten ein fröhliches Lied die neu ermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen,
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

Dann tritt König Nobel auf, der Löwe. In zwölf Gesängen werden die Übeltaten und Lügen von Reineke Fuchs beschrieben, nur knapp kann er sich dem Tode durch den Strang entziehen. Schließlich ernennt Nobel den Verbrecher zum „Kanzler des Reiches“.

Für die Jugend erzählt (ca. 1905)

Für die Jugend erzählt (ca. 1905)

Die ersten Dichtungen über den schlauen Fuchs entstanden bereits Ende des 12. Jahrhunderts, Goethes Werk basiert auf einem jüngeren Werk von Johann Christoph Gottsched aus dem Jahr 1752. Kenner des Epos von Goethe bescheinigen dem Werk, dass es durchaus als Kritik des höfischen Lebens aufgefasst werden kann. Spöttisch und boshaft ist es allemal.

Weitaus größeren Spaß, als diesen Reineke Fuchs still vor sich hin zu lesen, hat es mir bereitet, die Verse laut und mit der richtigen Betonung zu lesen. Erst dann kommt die Sprache Goethes so recht zur Wirkung.

Nahe an den Text von Gottsched hält sich gut 100 Jahre nach Goethe auch Fritz Werdermann, der die Geschichte in Prosa „für die Jugend erzählt“. Allerdings wohl für die ältere Jugend, denn die „Entehrungen“ und Morde werden dort drastisch beschrieben. Hübsch anzusehen dagegen das Dutzend Bilder, allen voran das auf dem Einband, sowie die jedem der zwölf Kapitel vorangestellte Vignette.

Janosch (1998)

Janosch (1998)

 

Textlich ganz anders als die mir vorliegenden Werke von Gottsched, Goethe und Werdermann liest sich die Geschichte von Reineke Fuchs nach J.W. von Goethe, die Janosch aufgeschrieben und lustig illustriert hat. Sie ist kindgerecht, hat jedoch nur wenige Gemeinsamkeiten mit den anderen Fassungen. Hier wird zunächst zu einem Fest geladen . Ein Fest für alle Tiere, die Lust auf Tanz und Musik, Schmaus und Küsserei haben. Kostet nix. Und so wird zunächst gefeiert in dieser paradiesischen Umgebung. Bis sich dann die ersten Tiere über Reineke Fuchs beschweren. Das Fest wird darauf hin unterbrochen und Reineke angeklagt. Richter ist allerdings der Dachs. Bei Janosch heißt er Walter, ist der Schwager von Reineke (in den anderen Versionen wird er Grimbart genannt und ist der Neffe Reinekes) und der „Richter im Amt“, der Recht spricht, immer zu Gunsten von Reineke, der ihm einen größeren Geldbetrag schuldet. In der Annahme, dass ein verurteilter Reineke das Geld nie zurück zahlen würde, verdreht er jede Anklage zu Ungunsten des Klägers, verhilft Reineke sogar noch in das Amt des Ministers, der dann alle Gesetze zu seinem Nutzen ändert. Und laut Janosch soll er immer noch Minister sein – im Reich der Tiere.Cody_0002

Die Vingetten stammen aus dem Buch von Fritz Werdermann, der Illustrator wird nicht genannt. Hier noch ein Bild aus dem Buch:

Cody_0001Eine Inhaltsangabe von Goethes Reineke Fuchs ist bei Wikipedia zu lesen

Gottsched Prosafassung ist schlecht leserlich in den „American Libraries“ zugänglich

Die Historie zum Thema Reineke Fuchs: hier

Den Reineke Fuchs von J.W.Goethe findet man im eigenen Bücherschrank als Reclam-Heftchen oder in einer anderen Version eines gedruckten Buches oder im Netz bei „Projekt Gutenberg“

Die Bücher von  Janosch und Fritz Werdenmann stehen in meinen Bücherregalen, wobei das Buch von Fritz Werdenmann schon einmal in diesem Blog vorgestellt wurde. Ein von mir gefertigter neuer Einband und die Widmung in diesem Buch wurden dabei erwähnt

Till Eulenspiegel – Fernsehfilm vs. Buch

P1010959Es war einmal ein Schalk namens Till Eulenspiegel, der soll Späße gemacht haben. Meist auf Kosten anderer. Ein großer Teil der Späße waren übel, waren Betrug, Diebstahl, Verleumdung und Körperverletzung. Oft war der Ausgangspunkt für derartige Machenschaften, dass Till Anweisungen seiner Dienstherren wörtlich genommen hat. So kam es dazu, dass er Eulen und Meerkatzen gebacken hat. Zuweilen nutze er aber auch die Naivität anderer aus. Das geschah in der Historie mit der Bäuerin, der er die Hühner nimmt und ihr ihren eigenen Hahn zum Pfand da lässt. Andere hat er betrogen, weil sie sich durch ein Geschäft mit ihm Vorteile erhofften, wie die Juden in Frankfurt.

Dass in vielen Geschichten menschliche Exkremente ein wichtiges Accessoire waren, macht jene Erzählungen nicht geschmackvoller. Ein Großteil der über 90 Historien, die Hermann Bote aufgezeichnet hat, sind für Kinder nicht geeignet.

Im zweiteiligen Fernsehfilm, der zu Weihnachten 2014 zu sehen war, wurden weitgehend die „jugendfreien“ Geschichten zu einer Rahmenhandlung, die nichts mit dem Original zu tun hatte, verknüpft. Zwar stimmten Orte und Bezüge nicht immer, dennoch war es eine nette Unterhaltung jenseits der weihnachtlichen Klassiker.

P1010929Die im Film enthaltenen Streiche sind zumeist in der Buchversion enthalten, in der Erich Kästner Geschichten aus dem Leben Till Eulenspiegels nacherzählt (Ueberreuter). Für diejenigen, die auch die üblen Streiche und diese vollständig erfahren wollen, bieten sich Ausgaben an, in der Hermann Bote als Autor (mit)aufgeführt ist (z.B. von Reclam, Goldmann oder InselTB).

Charles Dickens: A Christmas Carol

Marley was dead, to begin with.

Marley war tot, damit wollen wir anfangen.

P1010943Den Anfang trifft fast jede Verfilmung, jedes Bühnenstück der Dickens’schen Weihnachtsgeschichte . Doch dann trennen sich Erzählung und Adaptionen sehr schnell und bewusst bis hin zur Muppetsversion oder einer Bühnenfassung wie Scrooge oder Weihnachten vergisst man nicht (von Martin Baltscheit nach Dickens im Hessischen Staatstheater Wiesbaden, 2015), die für Kinder gedacht sind.

Nur Charles Dickens kann den herzlosen Geizhals so treffend beschreiben:

Kein Wind war schneidender als er, kein Schneegestöber erbarmungsloser, kein klatschender Regen einer Bitte weniger zugänglich….Der ärgste Regen, Schnee oder Hagel konnten sich nur in einer Art rühmen, besser zu sein als er: sie taten es oft im Überfluss, und das tat Scrooge nie und nimmer.

Unbarmherzig seinem Mitarbeiter gegenüber, die guten Wünsche zum Fest und die Einladung zum Essen am Weihnachtsabend seines Neffens ablehnend. So erleben wir Scrooge zunächst. Und bis der alte Geizknochen sich in einen netten Kerl verwandelt, der wieder Lachen kann, Barmherzigkeit zeigt, muss er sich von drei Geistern sein bisheriges Leben und das traurige Resultat seines derzeitigen Verhaltens zeigen lassen. Diese Wandlung von Scrooges Persönlichkeit kennen wir in der einen oder anderen Fassung, möglicherweise auch aus dem Buch.

Wer aber die Kraft der Sprache spüren möchte, der sollte die Geschichte lesen – in Englisch oder Deutsch, denn auch die Übersetzung drückt aus, was und wie Dickens erzählt: Nicht nur von der Mutation des Ebenezer Scrooge sondern auch von der Armut großer Teile der englischen Bevölkerung zur Mitte des vorletzten Jahrhunderts.

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Das Foto zeigt das gut 50 Jahre alte Heftchen des Ferdinand Schöningh Verlags und zeugt von meinem ersten Zusammentreffen mit Charles Dickens und dessen Erzählung. Das Cover zeigt „Mr. Fezziwigs Ball“, einer Illustration aus der Originalausgabe.

Zehn kleine Weihnachtsmänner

Zehn kleine…. was ist da eigentlich noch erlaubt?

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Die ursprünglichen Negerlein sind von der politischen Korrektheit genauso ebenso aufgefressen wie die Namen und Bezeichnungen vertrauter Charaktere in Astrid Lindgrens oder Otfried Preusslers Werken. Dabei empfand ich dieses Zählreim-Lied in meiner Kindheit und auch noch Jahrzehnte später als schön und lustig. Kinder vermittelte das Lied auch auf einfache Weise ein frühes Zahlenverständnis. Als rassistisches Gedankengut haben wir es nicht klassifiziert.

Nun sei’s drum, das Lied ist passé, allerdings ist es in gedruckter Form nach einer Zeit, in der es auf den Seiten von Online-Buchhändlern mit „zur Zeit nicht lieferbar“ gekennzeichnet war, wieder verfügbar.

Sicherlich, es gibt Alternativen. Zwar sind Zehn kleine Jägermeister der Toten Hosen für unsere Kleinen von Inhalt wenig geeignet, auch Danzers Zehn kleine Fixer kann ich für Kinder nicht empfehlen. Dagegen sind Zehn kleine Zappelmänner ein lustiges Fingerspiel.

Mein Favorit zur Weihnachtszeit sind jedoch Zehn kleine Weihnachtsmänner mit dem Text von Sabine Kullermann und den Illustrationen von Achim Ahlgrimm. Ein Buch, dass schon vor dem „Political correctness“-Hype zu Beginn dieses Jahrtausends erschienen ist. Mit gutem Ausgang für die zehn kleinen Gesellen und mit einer Zugabe, dem 11. Weihnachtsmann. Ich habe es gerade gemeinsam mit meiner kleinen Enkeltochter gelesen. Wir haben uns köstlich amüsiert.

Ich hoffe, ich habe da keinen Fehler begangen. Bin mir nicht sicher, ob es noch politisch korrekt ist, von ihm zu sprechen.

Adalbert Stifter: Bergkristall

P1010936Vorweihnachtszeit und das Fest selbst sind für mich mit einigen Ritualen verbunden. Dazu gehört aus literarischer Sicht, dass ich Dickens‘ A Christmas Carol in Prose, Being a Ghost-Story of Christmas und auch Adalbert Stifters Erzählung Bergkristall lese. Am einem düsteren Nachmittag in der Adventszeit gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als bei spärlicher Beleuchtung, Kerzenlicht gehört dazu, diese Geschichte aus der Sammlung Bunte Steine zu lesen. Liebhaber des gedruckten Buches mögen mir verzeihen, wenn ich sage, dass mir in diesem Jahr das Lesen noch mehr Freude bereitet hat. Ich habe Bergkristall als E-Book gelesen! Nur beim Licht einer Kerze, die Umgebung noch dämmriger. Nicht mehr den sperrigen, gewichtigen Band II der Gesamtausgabe in den Händen, die Augen nicht mehr auf die zierliche Schrift fixiert.

P1010931Für meine Freunde unter Euch, die genau wie ich das gedruckte Buch schätzen, die Haptik des Papiers, eine wohlgesetzte, feine Schrift, mögen meine Worte ketzerisch klingen. In diesem Fall habe ich jedoch diese Art des Buches genossen! Ich bitte um Nachsicht!

Auch dafür, dass ich Adalbert Stifter lese!

Für viele erscheinen seine Erzählungen und Romane nicht mehr zeitgemäß. Das habe ich erfahren, als ich in Social Media dieses Werk vorgeschlagen habe, als nach Lektüre gesucht wurde, die im Winter spielt.

Anderen gilt Adalbert Stifter als Meister biedermeierhafter Naturdarstellungen. Diese für seine Zeit neuartigen Landschaftsbeschreibungen haben dem naturverbundenen Schriftsteller den zweifelhaften Ruf eines Heimatschriftstellers eingebracht. Bis heute wird ihm nachgesagt, er habe die ländliche Lebenswelt als Idylle idealisiert. So kann ein Teil seines Werkes sicherlich gewertet werden.

Die Schilderung der Landschaft, zunächst als idyllisch dargestellt, zeigt aber dann, als sich die Geschwister in der Nacht zu Weihnachten verlaufen, wie schroff und gewaltig Natur sein oder empfunden werden kann. Dass schließlich die Sorge und die Suche nach den verirrten Kindern in der Heiligen Nacht dazu führt, Bewohner aus zwei nur durch wenige Stunden Fußmarsch getrennte Täler näher zu bringen, wird in diversen Interpretationen des Textes unterschiedlich dargestellt.

Bergkristall

Bergkristall

„Es geht um Neid, Hass und Liebe. Adalbert Stifter hat hier seine Vorstellungen von einem Leben ohne Fremdenhass und ohne Vorurteile gegenüber Fremden aufgezeigt.“ Es mag sein, dass in heutiger Zeit Fremdenhass an diesem Beispiel aufgezeigt wird. Ich halte diese Aussage für eine Fehlinterpretation.

Das sind harte Worte, zumal ich Hass oder Fremdenhass der Bewohner der benachbarten Täler nicht erkenne. Um Vorurteile, Desinteresse und Arroganz geht es vielmehr. Die gemeinsame Sorge um die Kinder und die Freude aller, als die beiden Verirrten wiedergefunden werden, erzeugt das Gefühl, doch eine Gemeinschaft zu sein und sich fortan entsprechend zu verhalten, zu respektieren. Wie und dass es dazu gekommen ist, beschreibt Adalbert Stifter klar und unspektakulär, dennoch eindrucksvoll. Er zeigt, dass auch kleine Ereignisse in einer begrenzten Umgebung bedeutende Veränderungen herbeiführen können. Und das schätze ich an der Erzählung.

Genießt diese Lektüre ohne den Zwang, die Erzählung wie in der Schule interpretieren zu müssen!

Hermann Bote: Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Braunschweiger Lande

Erzählt von N.J.Anders (ca.1930)

Erzählt von N.J.Anders (ca.1930)

Es war während meiner Grundschulzeit, als mich die Streiche Till Eulenspiegels das erste Mal begeisterten und beeindruckten. Ein alte Ausgabe aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte ich in der Bücherkiste meiner Eltern gefunden. In einer Frakturschrift: Till Eulenspiegel. Seine Schwänke, Schnurren und Streiche für die Jugend ausgewählt und wiedererzählt von N.J.Anders.

Mit großer Mühe habe ich mir die Geschichten in der ungewohnten Schrift erlesen. Es waren die lustigen, geringfügig bösartigen Erlebnisse und Streiche des Schalks, wie sie auch von Erich Kästner nacherzählt wurden: Die Historien wie Eulenspiegel dreimal getauft wurde, er auf dem Seil tanzte, im Bienenkorb schlief, Eulen und Meerkatzen buk und einem Esel das Lesen beibrachte. Besonders beeindruckte mich damals neunjährigen braven Jungen die 2. Historie, die im Original den Titel trägt:

„Die ander Histori sagt, wie alle Bauren und Pürin (Bäuerinnen) uber den jungen Ulenspiegel klagten und sprachen, er wäre ein Bub und Lecker (Schurke), und wie er auf einem Pferd hinder seinem Vater ritt und stillscheigend die Lüt hindenzu in Ars ließ sehen“.

P1010929Diese Geschichte wird heute der Jugend – zumindest von Erich Kästner – vorenthalten. Mir damals nicht, wohl aber die anderen, von Fäkalien und stinkigen, lautstark dargebotenen Flatulenzen, die wohl über Hunderte von Jahren die Erwachsenen begeistert haben. Nebenbei bemerkt: Es sind im Original auch einige Geschichten enthalten, in denen Eulenspiegel eine Lehre zuteil wird oder er der Gelackmeierte ist, allerdings hat er sich dann meist in der nächsten dafür gerächt.

Nun wird demnächst (Weihnachten 2014) ein Zweiteiler über den Schalksnarr im Fernsehen gesendet. Pflicht für mich, den Film anzusehen, zu schauen und zu hören, welche der Streiche dort gezeigt oder nicht gezeigt werden. Denn ich bin quasi seit Geburt mit Till Eulenspiegel verbunden, wurde ich doch unweit des Geburtsorts des Narren in einer kalten, schneereichen Dezembernacht des Jahres 1946 geboren. Auch ich wurde mehrmals getauft – gar auf verschiedene Namen -, allerdings nicht an einem Tage, und hatte größeres Glück als Eulenspiegel, denn statt eines Paten hatte ich deren sechs – aber das ist eine andere Geschichte.

Sehen wir uns zuerst zu Weihnachten den Film an. Und wer alle Streiche von meinem Seelenverwandten lesen will, dem empfehle ich das Buch von Hermann Bote (Insel, 1978, gibt’s auch in einer Kindle Edition)