Eine „humane“ Art, Mäuse zu fangen?

Es war Herbst geworden. Mäuse zogen in die Schreibtische ein. Nahrung gab es dort genug. Pralinen und Knäckebrot. Die Kolleginnen bedienten sich davon. Die Mäuse auch. Der Unterschied zwischen den beiden Spezies bestand darin, dass die Mäuse ihren Darm auf dem angeknabberten Knäckebrot entleerten.

Es war Herbst geworden und die Mäuse kamen von den Feldern und Wiesen in unsere ebenerdig liegenden Büros und Laboratorien. Es waren bereits kostbare Messgeräte wegen Kabelfraß ausgefallen, aber erst als Mäuse mit ihren Kötteln das Knäckebrot garnierten, wurden die Gäste zu einem echten Problem – weil ein Kollege eine Schlagfalle mitbrachte, mit der wir der Plage Herr werden wollten.

Das war ein Problem, denn diese Art der Beseitigung war für alle Kolleginnen und auch für einen Teil der Kollegen nicht akzeptabel, da „inhuman“. Heftige Diskussionen über Fangmethoden wurden geführt, Gabi wollte ihren Kater zum Verscheuchen der Mäuse mitbringen. „Bringt nichts!“, war die Meinung der einiger Kollegen. Die Fronten schienen verhärtet. Wir befanden uns in einem Mäusefang-Moratorium.

Es wurde beendet, als am nächsten Tag eine Kollegin mit einer Lebendfalle zur Arbeit kam. Und so fingen wir in den nächsten Wochen zahlreiche Mäuse auf diese Weise, setzen sie vor die Tür und fingen die nächsten – oder dieselben.

Das ging gut bis Weihnachten. Die Falle wurde in einem Aktenschrank vergessen, wir gingen bis nach Neujahr in Urlaub.

Im neuen Jahr öffnete ich den Aktenschrank. In der Lebendfalle lagen zwei ausgedörrte, platte Mäusefelle und eine tote Maus – Kannibalismus!

Soviel zu einer „humanen“  Art, Mäuse zu fangen.

Lebendfalle zum "humanen" Fangen von Mäusen

Lebendfalle zum „humanen“ Fangen von Mäusen

 

Mein kürzestes Bewerbungsgespräch – oder: Wie ich einmal von einem Bewerber mächtig gelinkt wurde

Die Geschichte zu erzählen dauert wesentlich länger als das Gespräch, das ich mit einem Bewerber in München führte.

Der junge Ökotrophologe hatte sich auf eine Stelle im wissenschaftlichen Außendienst des Unternehmens für ein Gebiet in der südlichen Hälfte Deutschlands beworben. Er war mit dem ersten Flieger aus einer norddeutschen Hansestadt zu uns gekommen. Die Bewerbungsunterlagen waren vielversprechend und es war nicht ungewöhnlich, dass sich jemand aus dem hohen Norden für ein Gebiet südlich des Weißwurstäquators bewarb. Flexibilität war und ist heute angesagt.

Hinzu kam, dass der Bewerber bereits gegen Ende seines Studiums und während der Suche nach seinem ersten „richtigen“ Job in einer Apotheke jener Hansestadt Ernährungsberatungen durchgeführt hatte. Sehr gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung auf die freie Stelle.

Der Bewerber wurde begrüßt und dem üblichen Zeremoniell entsprechend folgte zum Aufwärmen und Entspannen ein kurzer Smalltalk. Die Flug war angenehm, zur Firma zu finden war keine Schwierigkeit gewesen. So,so, aus dem Norden käme er – da stünde ja ein Ortswechsel an, wenn es zum Arbeitsvertrag käme.

Die Antwort verblüffte mich!

Er sei mit der Inhaberin der Apotheke, in der er die Beratung durchführe, liiert und ein Ortswechsel käme für ihn nicht in Frage.

Die Verblüffung verwandelte sich in leichte Verärgerung als der Bewerber hinzufügte, dass er sich – in der Hoffnung eingeladen zu werden – beworben hätte, denn er wollte einen schönen Tag in München verbringen und hätte den Rückflug erst für den letzten Flieger gebucht.

Damit war nach knapp fünf Minuten das Vorstellungsgespräch beendet.

Heute bin ich fasziniert von der Frechheit des Kandidaten.

„Kaufe menschliche Nabelschnur“

„Kaufe menschliche Nabelschnur“  hätte eine Anzeige sein können in der Fachzeitschrift für Hebammen, denn wir kauften diesen Artikel gern ein.

Ein Inhaltsstoff ist die Hyaluronsäure, heute vielfach in der Kosmetik eingesetzt, dazu sollte unser Produkt jedoch nicht verwendet werden.

Wir isolierten ein Salz der Hyaluronsäure tatsächlich aus menschlichen Nabelschnüren, allerdings war unser Kunde ein Impfstoff-Hersteller, der Versuche damit durchführte, um zu testen, ob die Säure, die die Durchlässigkeit der Zellwände erhöhen sollte, die Bioverfügbarkeit von Impfstoffen erhöhen konnte. Über die Ergebnisse bin ich nicht informiert.

Meine Aufgabe war es, den Einkauf des „Rohmaterials“ zu organisieren und das Produkt zu isolieren.

Es lief dann folgendermaßen ab:

Ein Außendienstmitarbeiter mit guten Kontakten zu einer Geburtsklinik stellte dort eine 20 Liter Milchkanne, gefüllt zu ¾ mit reinem Alkohol ab. Die Hebammen warfen dann die Nabelschnüre in die Kanne und wenn sie voll war, gab es als Bezahlung einige Pfund Kaffee für die Mannschaft auf der Station.

In unserem Labor angekommen, wurde von dem kostbaren Gut zunächst das Blut herausgewaschen und die gesäuberten Nabelschnüre getrocknet, dann zermahlen. Aus der pulverisierten Masse extrahierten wir den noch kostbareren Stoff, reinigten und trockneten ihn. WIR, das waren in der Regel die Auszubildenden zumeist angehende Chemielaborantinnen, die den ersten Teil der Reinigung unter wohlmeinenden, teilweise auch dummen Bemerkungen gestandener Chemotechniker und Chemiker zumeist wenig begeistert aber tapfer durchführten.

Da das Ergebnis aber immer stimmte und der Bedarf sich erhöhte, suchten wir nach neuen Quellen und schließlich fanden wir eine weitere Klinik, die uns Nabelschnüre liefern wollte, allerdings nicht auf der bewährten, oben beschriebenen Basis der Kaffee-Währung.

Gefordert – und auch bezahlt – wurden nun 50 Pfennig pro Nabelschnur. Das klappte dann auch eine Weile ganz gut, bis uns auffiel, dass die Nabelschnüren nur noch halb so lang waren wie bei der vorherigen Lieferung. Wir gingen der Sache auf den Grund, da wir vermuteten, dass eine indirekte Preiserhöhung durchgeführt worden war, indem man weiter pro Stück abrechnete, das ursprüngliche Stück jedoch halbiert hatte.

Die Erklärung von unserem Kontakt in der Klinik war einfach, wenn auch nicht einleuchtend: Man habe jetzt so viele Entbindungen einer bestimmten Gruppe ausländischer Mütter – und da wäre die Nabelschur halt so kurz.

Die weitere Entwicklung der Länge von Nabelschüren konnte ich leider nicht mehr verfolgen, da ich kurz danach aus der Firma ausschied. Ich bin mir sicher, dass diese Geschichte, die sich vor etwa 30 Jahren so dargestellt hat, heute aus diversen Gründe nicht mehr so zutragen würde.

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Seit 1990 kann die Hyaluronsäure biotechnologisch (fermentativ) hergestellt werden, inzwischen in großen Mengen. Sie wurde früher auch aus Hahnenkämmen isoliert, mit dem Nachteil, dass geringe Reste von tierischem Eiweiß enthalten waren, auf das  Menschen allergisch reagieren können.

Unsere Methode war halt anders, ist aber nun auch seit langem Geschichte.

Die Herstellung von Schweiß

Haben Sie schon einmal Schweiß hergestellt?

Täglich, werden Sie mir antworten. Ich übrigens auch und gerade im Sommer zu nahezu jeder Tag- und Nachtzeit.

Darüber hinaus habe ich Schweiß auch synthetisch hergestellt, das könnten Sie auch, das Rezept dazu habe ich.

Manchmal reicht die natürliche Transpiration halt nicht aus, um Versuche mit Schweiß durchzuführen. Deshalb erhielt ich den Auftrag, einige Liter synthetischen Schweiß herzustellen.

Ein namhafter Hersteller von Autoradios wollte zu der Zeit, als die zumeist schwarzen oder elfenbeinfarbenen Tasten an den Radios noch richtig zum Drücken waren und außerdem die Bezeichnungen eingeprägt und mit Farbe gekennzeichnet waren, einen Test durchführen, ob diese Farben dem Handschweiß der Benutzer beim zig-maligen Drücken der Tasten standhielt.

Das Unternehmen entwickelte einen künstlichen Finger, der mit Schweiß benetzt werden und dann durch Mechanik immer wieder auf eine Taste drücken sollte.

Bei dem kleinen chemischen Unternehmen, in dem ich arbeitete, wurde nach synthetischem Schweiß angefragt und ich erhielt, wie zuvor schon erwähnt, den ehrenvollen Auftrag zur Herstellung.

Ich brauche wohl nicht weiter auszuführen, dass ich keine Ahnung davon hatte, wie ich das anstellen konnte.

Es war auch noch die Zeit vor Google und Wikipedia – es war die Zeit der Bibliotheken. Und dort fand ich das Standardwerk mit dem Titel „Der Schweiß“ mit der Beschreibung von Entstehung, Zusammensetzung und Bekämpfung, zusammengetragen auf 560 Seiten. Das Buch war wohl in den Bestand unserer Bibliothek gekommen, weil man sich zuvor mit der Herstellung von Deodorants beschäftigt hatte. Wer es nicht glaubt, dass darüber ein Wälzer geschrieben wurde, hier der Berweis:

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Und in diesem Buch fand ich dann ein „Rezept“ zur Herstellung von synthetischem Schweiß.

Man nehme………eine bestimmte Menge Kochsalz, diverse Säuren in bestimmtem Verhältnis, fülle mit Wasser auf und nach Umrühren ist der Schweiß fertig. Abgefüllt in Flaschen ging er dann auf die Reise zum Kunden.

So einfach geht das ohne Hautwasserabgabe (Perspiratio).

Frei nach Thomas A. Edison, aber doch ganz anders: „Genius is one percent inspiration and 99 percent perspiration“

 

 

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P.S.  Eine ausführliche Buchbesprechung ist nicht geplant, nicht nur, weil der Kenntnisstand von 1956  überholt ist, sondern auch, weil es wohl keinen interessiert.

 

 

 

..und nach dem Bewerbungsgespräch das Essen mit dem potentiellen Boss

Eine besonders gute Gelegenheit, bei einer Bewerbung Pluspunkte zu sammeln oder auch sich zu disqualifizieren, erhält der Kandidat, wenn er vom potentiellen Chef nach dem Bewerbungsgespräch zum Essen eingeladen wird.

Eine Einladung ist auf der einen Seite eine ausgesprochene Nettigkeit und kaum jemand, der bereits nach dem Vorstellungsgespräch aus dem Rennen ist, wird dazu eingeladen – es sei denn, er soll aus irgendwelchen Gründen zu seiner derzeitigen Arbeit oder Firma ausgefragt werden.

Gehen wir also davon aus, dass dieser so genannte „potentielle Chef“ noch ein wenig mit einem durchaus geeignet erscheinenden Kandidaten plaudern will, beobachten, ob der richtige Umgang mit Messer und Gabel beherrscht wird, möglicherweise auch wie der Umgang mit Alkohol ist, ob die Auswahl aus der Speisekarte preislich angemessen ist (wenn denn nicht in der Kantine gegessen wird) und wie in einem scheinbar zwanglosen Rahmen das Auftreten des Kandidaten ist, das wird er in jedem Fall – sei es nun gezielt oder nur unterschwellig.

Deshalb ist das Essen nach dem Vorstellungsgespräch Teil des Vorstellungsgesprächs.

Gehen wir davon aus, dass der Kandidat mit Messer und Gabel einschließlich der richtigen Sitzposition und Armhaltung essen kann und nicht mit vollem Mund redet.

Wie sieht’s aus mit dem Aperitif, dem Schoppen Wein oder der Mass Bier.

Von einem Bewerber, der mit dem Auto angereist ist, erwarte ich, dass er keinen Alkohol zu sich nimmt. Wird die Abreise nicht im eigenen Auto erfolgen, kann man, wenn das Angebot gemacht wird sicher ein Glas Wein oder ein kleines Bier trinken, will der Chef unbedingt einen Aperitif trinken, darf der auch konsumiert werden. Einen Grappa oder Adäquates nach dem Essen würde ich zu Gunsten eines Espressos ablehnen.

Wie verschwenderisch kann eine Bestellung sein? Zumeist verfährt man gut damit, sich nicht die teuersten Gerichte auszusuchen. Ein Süppchen als Vorspeise, wenn dazu aufgefordert wird, eine Vorspeise u bestellen, ein mittelpreisiges Hauptgericht ist OK. Auf den Nachtisch sollte man verzichten – zugunsten eines Espressos. Wähle ein einfach zu handhabendes Essen aus, damit Du nicht zu sehr darauf konzentriert bist mit den handwerklichen Aufgaben des Essens, wähle etwas leicht Kaubares aus. Du musst Dich mehr auf das Gespräch konzentrieren als auf das Essen!

Und dann das Gespräch bei Tisch. Es handelt sich hierbei nicht um einen politischen Stammtisch. Gespräche, die soziale Kompetenz zeigen, ein intaktes Familienleben, positive Lebenseinstellung, sind unverfänglich. Kritik am derzeitigen Arbeitgeber und an Kollegen sind genauso unangebracht wie beim eigentlichen Vorstellungsgespräch.

Vieles ist in einem solchen Gespräch situativ. Hat man einen Schwätzer als potentiellen Chef gegenüber oder jemanden mit extremen und mir als Kandidaten widerstrebenden Ansichten, ist es vielleicht auch noch einmal eine Entscheidungshilfe bei der Wahl des Arbeitsplatzes.

Auch potentielle Vorgesetzte sollten sich angemessen verhalten – und auch über die richtigen Tischmanieren verfügen.

Als ich bei einem innerbetrieblichen Wechsel zum ersten Mal mit meinen zukünftigen Chef gesprochen hatte- also auch eine Art des Vorstellungsgesprächs -, lud er mich in die Betriebskantine ein. Es war in München, es gab Schweinsbraten mit Knödel und sehr viel Soße.

Es kam,wie es kommen musste – loriotisch: Ein Stück Knödel fiel von der Gabel in die Soße, Soße spritzte. Die Spritzer folgen auf die helle Krawatte. Dies passierte dem Boss! Der Boss nahm den Vorfall zur Kenntnis, ohne eine Miene zu verziehen, tupfte mit der Serviette in das Wasserglas und bearbeitete dann die Krawatte mit der angefeuchteten Serviette. Ein pragmatischer Ansatz. Ich hoffe, er hätte es ähnlich gesehen, wenn mir das Malheur passiert wäre.

FAQ:

Wer bezahlt das Mittagessen? Einfache Antwort: Der, der einlud. Und das kann nur der potenzielle Arbeitgeber sein. Als Kandidat würde ich nie zum Mittagessen einladen. Sollte der potenzielle Arbeitgeber nach dem Prinzip „Jeder zahlt seine Zeche“ verfahren, wäre ich recht skeptisch! Das wäre ein Zeichen dafür, dass ich künftig bei einem recht knausrigen Unternehmen arbeiten würde – schlecht für Gehaltsverhandlungen.

Von Videokonferenzen, Interwise Sessions, Telcos und Diskussionen im TeaM-Room

Definierte sich die Wichtigkeit von Kollegen – und mir – vor einigen Jahren unter anderem über die Zahl der dienstlich veranlassten Auslandsflüge, wurde im Rahmen von Sparmaßnahmen und durch Erschwernisse im Genehmigungsverfahren seit geraumer Zeit einerseits das Statussymbol noch aufgewertet, anderseits wuchs bei den Meisten von uns das Miles & More Konto nicht mehr in dem bisher gewohnten Umfang.

Dienstreisen in entlegene Fabriken oder zu den schönsten Plätzen der Welt wurden ersetzt durch Videokonferenzen. Diese waren in gewisser Weise anfangs auch spektakulär und für die Teilnehmer imagefördend.

Die Diskussionen mussten jedoch äußerst diszipliniert ohne großes Palaver geführt werden, damit sie noch verständlich blieben. Das hatte den Vorteil, dass neben Zeit- und Kostenersparnis auch eine Ersparnis überflüssiger und langatmiger Wortbeiträge einher ging. Weil aber nur wenige Räume mit der entsprechenden Übertragungstechnik ausgestattet waren, war es recht aufwändig einen Termin für eine derartige Konferenz zu finden. Zudem waren auch nicht all unsere Kontakte technisch derartig ausgerüstet. Wir erkannten auch, dass es nicht wirklich viel brachte, die Kollegen eines anderen Standorts auf der Leinwand zu sehen und uns denen umgekehrt zu präsentieren, während weiterhin nur das gesprochene Wort von Bedeutung war – und das auch nur bilateral.

Folglich war die nächste Stufe der Kommunikation mehrerer Teilnehmer – und das auch noch an mehr als zwei Orten der Erde – die Telefonkonferenz, in unserem Jargon Telcos genannt. Per Outlook wurde den erforderlichen Teilnehmern ein Termin eingestellt, dazu die Telefoneinwahlnummer sowie ein PIN Code. Zur gegebenen Zeit wählte man sich ein und nahm an der Telco teil. Der Vorteil war, dass von Kaufbeuren bis Kuala Lumpur, ja darüber noch hinaus, alle notwendigen Personen in einer Konferenz vertreten sein konnten. Lediglich mit einigen Karibik-Inseln klappte das Verfahren nicht ganz reibungslos. Als Nachteil erwies sich, dass man nichts sah, niemand seine Listen oder Powerpoint-Präsentationen zeigen konnte.

Das ist möglich, seit in unserem Unternehmen Interwise-Sessions möglich wurden. Nun sitzt jeder Teilnehmer einer solchen Veranstaltung in seinem Büro vor dem Bildschirm und hat sein Headset übergestülpt. Jeder, der an einer solchen Veranstaltung teilnimmt, hat das gleiche Bild auf dem Schirm, egal ob in Frankfurt, Rio oder am Genfer See. Ein Mitglied der Runde, zumeist der Moderator fährt mit der Maus über den Bildschirm, erläutert, stellt fest und alle können diskutieren. Das ist ein ausgesprochen effizientes Verfahren. Neulich wurde uns dann erklärt, dass wir nach der Session auch weiter diskutieren könnten, es wäre im firmeneigenen Intranet ein Tea Room eingerichtet, in dem man Diskussionsbeiträge posten könne.

Ein Tea Room! Ich war begeistert über diese Wortwahl! Da hatte sich der Namensgeber ja einen besonderen Namen einfallen lassen! Ich stellte mir diese Plattform vor als virtuellen Raum mit netten Plüschsesseln, Teilnehmern mit einer Tasse feinem Tee in der Hand, ein Schälchen mit Keksen vor sich auf dem Tisch, postend diskutierend. Als wir dann mal in einer kleinen Runde über Nutzung und Vorzüge dieses Raumes sprachen und ich das Wort häufiger in die Runde warf, wies mich eine Kollegin dezent darauf hin, dass die richtige Bezeichnung dafür TeaM Room wäre und so würde es ja auch schließlich überall stehen. Ich hatte das Wort zig-mal gelesen, immer das oben beschriebene Bild mit Sesseln, Teetasse und Keksen vor Augen. Jetzt bin ich desillusioniert. Ein Team Room! Resopalbeschichteter Tisch mit den angetrockneten Rändern von Kaffeetassen, darum harte, stapelbare Stühle und ein Flipchart in der Ecke, endlose Diskussionen in ungemütlicher Tristesse.

Wie schön wäre da ein Tea Room gewesen.

Wie kommt Zwiebelduft in die Tapete? – Forensik unspektakulär

Wenn Forensik der Sammelbegriff für die Tätigkeiten ist, kriminelle Handlungen zu identifizieren oder auszuschließen, zu analysieren oder rekonstruieren, dann war ich in meinem Arbeitsleben einmal auch ein Forensiker.

 

Ich habe keine Leichen untersucht, habe keine forensischen Anthropologie oder Entomologie betrieben, nein, es waren recht unspektakuläre Aufgaben die ich übernommen hatte, von denen mir eine dennoch berichtenswert erscheint:

 

In der Zeit, als ich in einem kleinen chemischen Betrieb unter anderem Cannabissamen und menschliche Nabelschnüre extrahierte, kam eines Tages der Eigentümer des Unternehmens zu mir und bat mich um Hilfe zur Unterstützung seines Bruders in einem Rechtsstreit mit dessen ehemaligen Hausmeister. Letzterer hatte auf dem Werksgelände eine Wohnung bewohnt und musste nach Kündigung des Arbeitsvertrags durch seinen Arbeitgeber, besagtem Bruder meines Chefs, die Wohnung in renoviertem Zustand verlassen. Offensichtlich ging man nicht einvernehmlich auseinander und so hatte der ehemalige Hausmeister die Wände der Wohnung erst nach langem verbalen Gerangel neu gestrichen. Ärger gab es dann doch noch, denn als die Wohnung übergeben werden sollte, roch es sehr stark nach Zwiebeln. Der Geruch hielt sich auch noch nach längerem Lüften, so dass der Unternehmer davon ausging, sein ehemaliger Hausmeister hätte ihm ein Andenken hinterlassen, indem er präparierte Farbe auf die Raufasertapete aufgetragen hätte. Es kam zu einem Gerichtsverfahren und dazu sollte ein Gutachten angefertigt werden, in dem nachgewiesen wurde, dass der Zwiebelgeruch tatsächlich aus der Tapete bzw. deren Anstrich kam. Das Erstellen des Gutachtens sollte meine Aufgabe sein.

 

Wie kam die Zwiebel auf die Tapete und wie konnte ich das nachweisen?

 

Ich suchte in meinem Innersten nach meinem Potenzial an krimineller Energie und kam zu dem Schluss, dass ich mir Zwiebelsaft gekauft hätte, um ihn unter die Farbe zu mischen und dann die Tapete damit zu streichen.

 

Im nächsten Supermarkt kaufte ich mir ein Fläschchen des intensiv duftenden Safts. Aus der wirklich stark nach Zwiebel riechenden Wohnung schnitt ich mir außerdem ein Stück Tapete heraus und extrahierte die „Inhaltsstoffe“ in Wasser.  In einem weiteren Schritt isolierte ich den „Zwiebelduftstoff“ und verglich ihn mittels dem einfachen Verfahren der Dünnschichtchromatographie (DSC) mit dem gekauften Zwiebelsaft – und siehe da, Zwiebelsaft und Tapetenextrakt wiesen die gleichen Inhaltsstoffe auf.

 

Das schriftliche Gutachten wurde erstellt und bei Gericht eingereicht. Das Ergebnis meiner „forensischen Bemühungen“ wurde anerkannt.

So einfach und unspektakulär kann Forensik sein.

 

 

 

Geheuert und gefeuert – hired and fired

 

Nicht immer gelingt es, bei Einstellungsprozesse für neue Mitarbeitern ein optimales Ergebnis zu erzielen.

 

Das kann verschiedene Gründe haben. Entweder ist bei den Bewerbungen nicht der 100%ig passende Kandidat dabei, die Stelle muss aber besetzt werden. Oder es wurde nicht erkannt, dass der Kandidat doch nicht die geforderte Qualifikation für den Arbeitsplatz aufweist. Ferner können Vorstellungen, die der neue Mitarbeiter über den Job hat, anders sein als es dann in der Realität ist. Schließlich kommt es auch vor, dass „die Chemie“ nicht stimmt – zwischen Kollegen oder im Verhältnis Chef-Mitarbeiter.

 

Das ist halt so, es passiert immer mal wieder. Die erste Maßnahme ist in solchen Situationen natürlich immer das Gespräch, dass dazu führen soll zu klären, weshalb Erwartungen – gleich von welcher Seite –  nicht erfüllt werden. Häufig führt das zum gewünschten Erfolg. Teilweise müssen sich die Wege dann doch wieder trennen.

 

Eine Entscheidung dazu kann schmerzlich sein, insbesondere für den betroffenen Mitarbeiter, der möglicherweise aus einem ungekündigten Arbeitsverhältnis gewechselt ist. Dem Arbeitgeber macht das allerdings auch keine Freude, denn er hat über Wochen und Monate Geld und Zeit in die Einarbeitung investiert und braucht dringend die Arbeitskraft.

 

Aus diesen Gründen ist deshalb eine sorgfältige Personalauswahl für alle Beteiligten wichtig – und den meisten Unternehmen ist die Verantwortung sicherlich auch bewusst. Manchmal verschätzt sich aber auch der Bewerber bezüglich seiner Qualifikation, seiner Teamfähigkeit oder er nimmt eine Arbeit an, die ihm nicht liegt.

 

Findet im Vorstellungsgespräch kein offener Austausch der Erwartungen und der Anforderungen statt, tritt der Fall ein, für das ich wieder einige Beispiele parat habe.

 

In einer Chemiefabrik wurde eine Aushilfe gesucht, die aus Fässern mit Hilfe eine elektrischen Pumpe Lösungsmittel in kleinere Behälter abfüllen sollte. Das ist eine einfache Aufgabe, die bis zu diesem Zeitpunkt alle ohne Mühen erfüllen konnten.

Ich stellte einen Chemiestudenten für die Tätigkeit ein, der mit ein paar Wochen jobben sein Studium finanzieren wollte und uns gesagt hatte, dass er derartige Aufgaben bereits in der Chemikalienausgabe des Chemieinstituts erledigt hätte.

 

Nach kurzer Einarbeitung überließen wir ihm seine Aufgabe. Eine Stunde später bemerkte ein anderer Mitarbeiter, dass wohl mehr neben die kleinen Behälter floss als in diese abgefüllt wurde. Nach weiteren gemeinsamen Übungen, startete der Neue weitere Versuche, diesmal blieb jemand von uns in der Nähe. Nach zwei Stunden gaben wir auf. Wir sahen keine Möglichkeit, dass die Arbeit zufriedenstellend erledigt werden konnte. Ich veranlasste, dass der bedauernswerte Kerl einen Tagelohn erhielt und wir verabschiedeten uns. Das war ein einfacher Fall, der mir kein Kopfweh bereitete. Normalerweise ist es ja auch nicht angenehm, jemanden zu sagen, dass er gehen muss.

 

Da hatte ich schon ein paar Probleme beim nächsten Fall. Wir hatten ein etwas heruntergekommenes ehemaliges Mitglied der berühmt- berüchtigten französischen Fremdenlegion eingestellt – ebenfalls als Chemiearbeiter. Der Herr war recht intelligent, zeigte auch nach kurzer Zeit, dass er bei der Arbeit richtig zupacken konnte.  Er hatte dann aber doch nach kurzer Zeit ein Problem, er wollte nicht akzeptieren, dass ihm sein Vorarbeiter sagte, was und wie er seine Arbeit machen solle. Jedenfalls kam der Vorarbeiter, einer friedfertiger anständiger Kerl zu mir und berichtete, dass der Kollege ihm mit einem großen Messer bedroht hätte, weil er die Arbeit nicht nach Anweisung mache wolle. Er würde jetzt zwar arbeiten, aber nicht so wie vorgeschrieben. Da gab es von meiner Seite keine Diskussion. Mit sozusagen voller Hose gingen wir beide zum ehemaligen Fremdenlegionär, dieser bestätigte, was mir sein Vorarbeiter gesagt hatte.  Wir trennten uns auf der Stelle. Ich war froh, als er sein Ränzlein geschnürt hatte und vom Fabrikgelände verschwunden war. Abends verließ ich dann die Firma, nach rechts und links spähend, um nicht in einen Hinterhalt zu geraten. Es gab einen solchen nicht und damit endet diese Episode.

Ein ehemaliger Binnenschiffer, den uns das Arbeitsamt vermittelt hatte und der wieder sesshaft werden wollte nachdem er einige Zeit auf Wanderschaft war, hat es dann ganz anders gemacht. Er entschied sich offenbar nach kurzer Zeit, doch wieder ein anderes Leben zu führen und verschwand während der Frühstückspause. Seine Papiere lagen noch jahrelang in der Personalabteilung, er hat sie nie wieder abgeholt.

Einmal bin ich richtig reingefallen und gelinkt worden. Wir hatten einen Mediziner gesucht, der einen Job als Wissenschaftlicher Leiter in unserem Unternehmen übernehmen sollte. Das ganze Bewerbungsverfahren stand unter keinem guten Stern. Mein Vorgesetzter hatte nur widerwillig die Wiederbesetzung dieser Stelle genehmigt und ich wurde gezwungen, die Position in Medien auszuschreiben, die mir keine große Anzahl von qualifizierten Bewerbern versprach. So war es auch und der einzig geeignet erscheinende Kandidat wurde eingestellt, besonders auch, weil ich diese Stelle besetzen wollte, sonst wäre sie gestrichen worden. Der Doktor, wie er genannt wurde, war gerade mit seiner Promotion fertig geworden, hatte allerdings seine Urkunde noch nicht – die Geschichte klang glaubwürdig. Es erwies sich dann, dass er zwar ein abgeschlossenes Medizinstudium hatte, über die notwendige Qualifikation verfügte, jedoch nicht über den Doktortitel, auf den er aber großen Wert legte. Das war schon Grund genug, das Arbeitsverhältnis zu beenden, da ein nachhaltiger Vertrauensverlust aufgetreten war. Außerdem war befand er sich noch in der Probezeit. Das war sicher der ausschlaggebende Punkt, die Kündigung auszusprechen, ein anderer war, dass er nicht die geringsten Anstalten gemacht hatte, sich in unser Team zu integrieren. Als wir alle mit Dienstwagen gemeinsam zu einer Tagung fahren wollten und ich mir erhoffte, durch eine mehrstündige Autofahrt mir und den anderen Kollegen einen besseren Zugang zu unserem Mediziner zu bekommen – wir kannten ihn ja kaum, zog er es vor, mit dem Zug zu reisen, weil er da immer so interessante Leute kennen lernen würde. Ich sagte ihm, dass er doch zunächst mal seine interessanten Kollegen kontaktieren möge. Da diese Doktorspielchen zur gleichen Zeit zu Tage kam wie auch die Erkenntnis über das Desinteresse, sich zu integrieren, haben wir uns das Arbeitsverhältnis während der Probezeit unter Wahrung der vereinbarten Kündigungsfrist bei sofortiger Freistellung beendet.

 

Fehlgriffe passieren unabhängig von der Hierarchiestufe in der sich die Position befindet. Es ist aber auf alle Fälle besser, die Konsequenzen zu ziehen und sich zu trennen als zu hoffen, dass es sich bessern könnte und die Probezeit verlängert wird.

Das habe ich auch zweimal auch unterschiedlichen Gründen gemacht. Glücklich geworden bin ich nicht als Vorgesetzter und die Mitarbeiter in beiden Fällen auch nicht.

 

Wenn deshalb der ernsthafte Versuch scheitert, den Konflikt zu lösen, damit die Erwartungen erfüllt werden, gibt es nur eins nach dem schon oft malträtierten Sprichwort:

 

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schreck ohne Ende

Vorstellungsgespräch mit Micky-Mouse-Krawatte und mit Büroklammer-Socken

Vorstellungsgespräch mit Micky Mouse-Krawatte und Büroklammer-Socken

 

 

Was nützt das schönste Bewerbungsschreiben, den Entwurf runtergeladen von einer CD und angepasst an die persönlichen Daten und die des Unternehmens, in dem man sich bewirbt, wenn die Performance im Vorstellungsgespräch suboptimal ist.

 

An einige dieser Auftritte erinnere ich mich gern, weil sie einigen Stoff zum Schmunzeln enthielten, teilweise slapstickartig wirkten. Andere waren aber auch von einer gewisse Tragik geprägt, wie die Bewerbung eines mit einem starken Sprachfehler behafteten Kandidaten, den wir kaum verstehen konnten und der gerne bei uns im Außendienst als wissenschaftlicher Berater arbeiten wollte.

 

Ich erinnere mich auch gern an eines der kürzesten Bewerbungsgespräche mit einer der längsten Anreisen eines Bewerbers. Wegen der langen Anreise hatten wir ihm den Flug von Bremen nach München genehmigt und bezahlt, es handelte sich ebenfalls um eine Stelle als wissenschaftlicher Referent im Außendienst für Produkte der klinischen Ernährung in einem Bezirk in Hessen.  Der Kandidat erschien uns  auf Grund seines Lebenslaufs mit einem Pharmaziestudium für diese Aufgabe gut geeignet. Nach der Begrüßung ergab sich im Small Talk, dass unser Bewerber derzeit in Teilzeit in der Apotheke seiner Freundin, die er demnächst heiraten wollte, arbeitete.

Auf meine erste Frage, ob denn seine Lebensplanung mit einem Arbeitsplatz in Hessen vereinbar wäre, sagte er uns: „Nein, mobil bin ich nicht.“  Dem Herren war bewusst, dass er damit keine Chance auf eine Beschäftigung bei uns hatte, denn als ich ihn fragte, warum er überhaupt zu dem Termin gekommen sei, antwortete er, dass er sich mal einen Tag München ansehen wollte. Das Vorstellungsgespräch war nach nur 5 Minuten beendet,  wir wollten dem vermeintlichen Kandidaten  nicht länger von seiner Sightseeing Tour abhalten.

 

Die Tätigkeiten im Außendienst dieser Firma beinhalteten vor allem die Vorstellung von Ernährungskonzepten für Kranke, die über eine Magensonde ernährt werden sollten, und die Empfehlung unserer Nahrung und der dazugehörigen Applikationstechnik wie Sonde, Pumpe und Schläuche. Ziel der Tätigkeit war, dass die Mediziner im Krankenhaus und das Pflegepersonal in Pflegeheimen und ambulanter Pflegedienste unsere Produkte anwendeten, sie per Rezept verordneten oder verordnen ließen. Deshalb war der ideale Kandidat zumeist Oecotrophologe/Oecotrophologin oder Diätassistent/-in. Wenn wir neben einem ansprechendem Bewerbungsanschreiben und sehr guten Zeugnissen dem Lebenslauf entnehmen konnten, dass auch gewisse verkäuferische Kenntnisse vorhanden waren, entweder vor oder während des Studiums erworben,  hatte solche Bewerber eine große Chance zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

 

Da trat dann der „Fleischvermarkter“ auf, der zusammen mit seinem Bruder auf dem elterlichen Hof im Winter drei- bis viermal ein Schwein schlachtete und es an Freunde, Verwandte und die Kumpel bei der Freiwilligen Feuerwehr und im Kegelklub stückchenweise oder als Wurst verhökerte.

 

Der Höhepunkt aller Vorstellungen war jedoch der selbständige Unternehmer, der jahrelang Agrarprodukte vermarktet hatte. Die Darstellung seines Unternehmens und der damit verbundenen Tätigkeit war aber nicht der einzige bemerkenswerte Teil seines Auftritts. Es war vielmehr sein Erscheinen, was mich zu diversen Überlegungen führte und mich von Gespräch ablenkte. Der Kandidat trat in einem tadellosen Anzug auf, trug dazu allerdings eine Micky Mouse-Krawatte, zudem waren seine Socken recht bunt und mit jeweils einer großen Büroklammer an den Seiten bedruckt.

Der Leser kann sich sicher vorstellen, wie ich versuchte von diesen Accessoires auf den Charakter oder die Arbeitsweise meines Gegenübers zu schließen. War er nun ein guter Administrator, ein ordentlicher Mensch, der jedes mehrseitige Schreiben durch Büroklammern zusammenfügte und einen Eingangsstempel auf die erste Seite drückte? Oder war er vielmehr ein verkappter Comedian, ein lustiger Karnevalist oder ein Simpel, der über jede Sprechblase in Comics lachen konnte?

Schließlich resignierte ich und konzentrierte mich wieder auf das Gespräch.

Da erzählte er gerade von seinem Unternehmen:

Er betrieb im Auftrag seines Onkels einmal pro Woche einen kleinen Stand auf einem Wochenmarkt und verkaufte dort die Blumen aus Onkels Gärtnerei und auch selbstgepflückte. Wir nannten ihn den promovierten Marktschreier.

 

Diese Beispiele zeigen, dass es manchmal recht schwierig ist, aus mehr als 100 Bewerbern die richtigen herauszufiltern und zu Vorstellungsgesprächen einzuladen. Viele geeignete Kandidaten mögen dabei durch unser Raster gefallen sein.

 

Vielleicht waren die Unterlagen aber manchmal auch nicht auffällig genug oder beinhalteten nicht die für uns wichtigen Stichworte. Auffällig waren allerdings zahlreiche Bewerbungen aus Kiel. Während den meisten Lebensläufe ein Farbfoto guter oder weniger guter Qualität beigefügt war, enthielten Bewerbungen aus Kiel  zumeist ein äußerst professionell aufgenommenes Schwarz-Weiß-Foto. Die Damen waren in dunklem Blazer fotografiert, darunter trugen sie eine faltenfreie weiße Bluse.

Eine Bewerberin, die es aus der Kieler Uni zu uns geschafft hatte, erzählte uns von dem Fotostudio, das von einer Fotografin in Universitätsnähe betrieben wurde. Diese legte großen Wert auf Kleidung und Frisur und die „Models“ mussten zum Fotoshooting in der entsprechenden Outfit erscheinen. War die Bluse nicht faltenfrei, musste das Model seine Bluse zunächst erst einmal bügeln.

Jedenfalls waren Bewerbungen mit Fotos aus jenem Kieler Studio sich immer unserer Aufmerksamkeit sicher.

 

Es gibt viele Elemente, die eine Bewerbung erfolgreich machen. Dazu existiert hinreichend  Literatur und eben auch CDs mit Mustern für das Anschreiben und den Lebenslauf. Letztlich sind es aber die Präferenzen der Verantwortlichen Personen beim potentiellen Arbeitgeber, die darüber entscheiden, ob ein Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird und dieses erfolgreich besteht.

 

Manchmal sind es klitzekleine Teilchen wie ein gutes Foto oder ein Socken mit aufgedruckter Büroklammer.

Über den Umgang mit Behörden bei Besitz von Cannabis-Samen, den Export von Sprengmitteln und Blei im Abwasser

Prolog: Die ist ein Bericht über die verständnisvolle und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Behörden und einer chemischen Fabrik. Er enthält keine Tipps zu ungesetzlichem Vorgehen.

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Bei der Produktion von Chemikalien und pharmazeutischen Rohstoffen sind zahlreiche Gesetze und behördliche Auflagen zu beachten und zu befolgen. Ebenso ist es beim Handel mit diesen Produkten.

Und das ist auch gut so.

Dabei kommt es zuweilen zu kuriosen Ereignissen. Und das sind angenehme, manchmal zunächst aufregende Ereignisse im Leben eines Chemikers.

Wir hatte eine größere Menge Hanfsaat eingekauft, um daraus das Protein Edestin daraus zu isolieren. Dieser Naturstoff sollte für die Herstellung eines Arzneimittels verwendet werden. Nun wird die Hanfpflanze bekanntlich auch als Cannabis bezeichnet und fast jeder weiß, was daraus auch gewonnen werden kann. Auch der Zoll weiß das, der offensichtlich bei der Durchsicht der Importpapiere auf die Sendung an uns gestoßen war. Die Behörde erschien im Werk mit großem Aufgebot, um den Verbleib und die Verarbeitung eingehend zu untersuchen. Wir konnten nachweisen, dass wir den Wirkstoff von Haschisch und Marihuana nicht aus den importierten Samenkörnern gewannen. Die Beamten zogen wieder ab, wir konnten wieder arbeiten.

Ebenso bedenklich wurde von der Aufsichtsbehörde, die den Export von Waffen- und Rüstungsgütern beaufsichtigte, die Ausfuhr eines Fettgemisches angesehen, das wir für andere Arzneimittelhersteller produzierten, die es zur Herstellung von Suppositorien, also Zäpfchen, verwendeten. Diese Hartfette müssen über bestimmte Schmelzeigenschaften verfügen, die am Applikationsort bei einer Körpertemperatur von 37°C schmelzen und dann den Wirkstoff freisetzen sollen. Was hat dieses Fett nun mit Waffen oder Rüstungsgütern zu tun? Ganz einfach: Das Produkt wird umgangssprachlich in der Branche auch als Sprengmittel bezeichnet. Taucht dieser Begriff dann auf einem Lieferschein oder anderen Warenbegleitpapieren auf, braucht man sich über den Besuch einer Überwachungsbehörde nicht zu wundern. Auch diesen Fall konnten wir schnell klären und die Sendung auf den Weg bringen bevor das Fett ranzig wurde.

Schwieriger war es dann, als im Abwasser der Fabrik eine zu hohe Konzentration an Blei gefunden wurde. Da waren die Behörden nicht zu Kompromissen bereit, zumal Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre gerade die Diskussion über die Giftigkeit von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber ihren Höhepunkt erreicht hatte. So verzichteten wir zu hause auch darauf, unsere Kinder mit leberhaltiger Kindernahrung zu füttern, da Leber als besonders Quecksilber belastet galt. Doch zurück zum Blei. Nachdem von dem zuständigen Amt Abwasserproben entnommen waren, erhielten wir kurze Zeit später die Analysenergebnisse, in denen zweifelsfrei eine zu hohe Konzentration an Blei im Abwasser nachgewiesen wurde, parallel dazu wurde mir als Verantwortlichen ein Bußgeldbescheid angekündigt. Wir arbeiteten zu der Zeit mit großen Mengen hochgiftiger Cyanide, mit ebenfalls giftigen aromatischen Lösungsmitteln und anderen cancerogenen und die Umwelt belastenden Stoffen wie das in einer chemischen Fabrik nicht immer zu vermeiden ist. Daher war es eine große Aufgabe, sorgfältig zu arbeiten und Abfälle fachgerecht und gesetzeskonform zu entsorgen. Das gelang auch stets, bis auf diesen Vorfall. Aber mit Blei oder bleihaltigen Verbindungen arbeiteten wir nicht. Die Sache erschien mysteriös. Ich holte die Verantwortlichen zusammen, wir diskutierten und spekulierten. Uns fiel keine Quelle für die Verunreinigung des Wassers in der Fabrik ein. Schließlich kam jemand auf die Idee, das Frischwasser am Übergabepunkt zu unserem Fabrikgelände auf Blei zu untersuchen, um festzustellen, was an Belastung auf unserem Gelände dazu kam. Es wurden zeitgleich Proben von Frisch- und Abwasser entnommen und analysiert. Das Ergebnis: Die Konzentration von Blei im Frischwasser war höher als die vom Abwasser. Wir lagerten demnach in den Wasserrohren unserer Fabrik Blei aus dem städtischen Frischwasser ab. Wir teilten die Ergebnisse mit, es wurden nochmals behördlich angeordnete Proben des Abwassers entnommen. Der Bleigehalt war nun unterhalb der Höchstgrenze. Das Bußgeldverfahren gegen mich wurde eingestellt. In den folgenden Jahren hatten wir nie mehr Probleme wegen zu hohen Bleigehalts im Abwasser.