Frühling 2014

Heute, am 10. März 2014, haben wir hier* den Status erreicht, der im letzten Jahr am 12. April angezeigt wurde: Die Forsythienblüten öffnen sich, der Indikator für den Frühlingsbeginn.P1000966 Dazu im Vergleich ein Foto vom 12. März 2013: P1000228 und das Märzwinterfoto vom 17.März 2013: 2013-03-17 09.24.07

Mir gefällt das „Heute“ besser, auch wenn ich mich jetzt von der Terrasse vor der brennenden Sonne ins Haus begeben habe. Ich muss mich erst wieder an den Sonnenschein gewöhnen.

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* Wiesbadens Osten

Neues von der Fensterbank IV: Vom Kindel auf dem Weg zur blühenden Orchidee

Ich platze fast vor Stolz und Freude:
Das Kindel schiebt einen Stängel, will blühen!

IMG_4736Vor etwas mehr als 5 Monaten habe ich berichtet, wie ich von einer meiner Orchideen zwei Kindel abgetrennt und sie in Orchideensubstrat eingepflanzt habe. Es war mein erster Versuch, Ableger von einer Orchidee aufzuziehen, nachdem ich jahrelang kein Glück mit der Pflege selbst einfachster Arten hatte.

Was habe ich seit dem Einpflanzen gemacht?

Bis Anfang Oktober standen die Neulinge an einem schattigen Platz unter einer überdachten Terrasse, wurden mehrmals pro Woche mit Wasser besprüht. Zusätzlich wurde der Topf alle ein bis zwei Woche für ca. 1/2 Stunde völlig ins Wasser getaucht.

Anfang Oktober brachte ich die Pflanzen einen Keller (Temperatur ca. 18°C), stellte sie in ein Fenster nach Osten. Im letzten Vierteljahr habe ich die Töpfe 2x gewässert. Als ich dann zu Beginn der Woche schaute, entdeckte ich bei einer Pflanze den Blütenstängel (sh.Foto). Der „Zwilling“ dagegen rührt sich noch nicht.

Jetzt habe ich alle Orchideen – auch einige andere Pflanzen – in Wasser gewässert, dem ich eine geringe Menge Dünger zugesetzt habe. Mal schauen, ob sie das mögen.

An den meisten anderen Pflanzen bilden sich übrigens auch Blütenstängel, eine wird sogar schon bald blühen. Bisher verbleiben alle Orchideenpflanzen noch im Kellerfenster. Später werden sie zunächst in ein Küchenfenster gesetzt (liegt nach Nordosten), nach Beendigung der Heizperiode auch ins Wohnzimmer – und wenn das Wetter wieder richtig sommerlich wird, auch unter das Terrassendach.

Wenn das „ehemals Kindel“ blüht, werde ich es wie ein stolzer Papa hier präsentieren.

Wenn Samen durch den Garten schießen: Ballochorie

In Kommentaren zu meinem Beitrag über die Vermehrung von Buchsbaum, berichten Leser von explodierenden Samenkapseln und daraus hervorschießenden Samenkörnern, die bis zu 5 Meter weit fliegen. Ich selbst hatte das Phänomen beim Buchs noch nicht beobachtet, allerdings schon derartiges bei Ginsterschoten und deren Samen erlebt.

Durch einen kuriosen Zufall bin ich jetzt wieder auf auf die „schießenden Samen“ gestoßen. Als ich mit meiner Enkeltochter Sticker in das REWE-Buch Unsere Wunderwelt einklebte. Das Buch beinhaltet neben dem Platz für die Sticker und die Beschreibung der Tiere, Pflanzen und Naturereignisse auch Fragen und Antworten aus diesen Bereichen. Und eine davon, die auch gleich beantwortet wird, ist:

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Da kann man sehen, zu was eine Kundenbindungs-Marketing-Masche gut sein kann. Andererseits: Was für Kinder interessant ist, davon können wir Erwachsene manchmal auch noch lernen.

Nun hatte mich das Phänomen gepackt und ich überlegte, ob es da nicht einen Fachbegriff dafür geben würde. Es gibt ihn: Ballochorie, die Ausbreitung von Pflanzensamen durch Schleudermechanismen, wobei die Ballochorie eine Unterform der Pflanzenausbreitung ist, aber auch noch weiter unterteilt wird. Der Buchsbaum gehört demnach zu den Xeroballochoren (Austrocknungsstreuern), zu dieser Guppe zählen auch Hülsenfrüchtler wie bestimmte Erbsen- und Bohnenarten Ginster und Lupinen sowie Storchenschnabel, Akelei und Wolfsmilch. Buchsbaum habe ich allerdings nicht erwähnt gefunden. Meiner Ansicht gehört er aber auch in diese Gruppe.

Doch damit nicht genug der Kuriositäten.

Andere Pflanzen verfügen über ander Schleudermechanismen. Das sind die Hygroballochoren (Saftdruckstreuer). In Wikipedia wird beschrieben, dass es bei diesen Pflanzen (z.B. Spritzgurke und Springkraut) mit der Fruchtreife zu einem Anstieg des Zellsaftdrucks kommt, die Wände der Frucht anschwellen, um dann schließlich explosionsartig aufzureißen. Auch bei diesem „Verfahren“ wird der Samen meterweit herausgeschleudert.

Und dann hat mich noch interessiert, was es sonst noch für Ausbreitungsarten für Samen gibt oder wie sie heißen. Unter dem Stichwort Myrmechorie gibt Wikipedia auch hier Auskunft und verlinkt mit anderen Arten wie Zoochorie mit den Unterarten Endochorie, Epichorie Ornithochorie und bereits erwähnte Myrmekochorie, womit die Ausbreitung der Samen durch Ameisen bezeichnet wird – auch faszinierend.

Andere Begriffe wie Anemochorie (Ausbreitung durch Wind), Hydrochorie (Ausbreitung durch Wasser), Hemerochorie (Ausbreitung durch Menschen – auch mit mehreren Unterarten) oder Autochorie (Selbstausbretung) sind bekannt, auch wenn die Termini mir bisher noch nicht geläufig waren. Vielleicht hätte ich im Biologieunterricht besser aufpassen sollen.

Die Ausbreitung von Samen – ein schier unerschöpfliches Thema – oder ein Teil unserer Wunderwelt.

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Quellen:

Wikipedia

Unsere Wunderwelt (REWE)

Neues von der Fensterbank III – Umzug ins Winterquartier

Exif_JPEG_PICTUREEin Umzug von der Terrasse in den Keller stand jetzt für das Avocado-Bäumchen an.  An den Blättern war schon zu erkennen, dass die Sonneneinstrahlung in den letzten Wochen nicht mehr so intensiv war: Die neue Blätter waren sichtbar kleiner, nicht mehr bis zu 30 cm lang wie im Sommer, und weniger intensiv grün.

Ebenso wurden die jungen Orchideenpflanzen in den Keller verfrachtet. Die – ehemals – Kindel haben inzwischen neue Blätter bekommen und scheinen die Abnabelung von ihrer Mutter gut überstanden zu haben.

Bei den Baobabs setzt die herbstliche Blattfärbung ein, die ersten Blätter sind bereits abgefallen.

Es ist Herbst – auch auf der Fensterbank.

Neues von der Fensterbank II – Das Orchideen-Kindel

Exif_JPEG_PICTUREWenn sich bei einer Orchidee an einem Blütenstengel Blätter statt Blüten bilden, ist es so weit: Die Orchidee kindelt, auf meiner Fensterbank  an einer Phalaeopsis-Art. Vegetative Vermehrung wird diese Art der Fortpflanzung genannt.

Die Frage die sich mir stellte: Wie und wann kann ich diesen Ableger vom Stengel abnehmen und in einen Topf einpflanzen, ohne dabei als Laie großen Aufwand betreiben zu müssen?

Zuerst heißt es warten bis die sich bildenden Luftwurzeln eine Länge von 5 bis 8 cm haben. Bilden sich an den Blättern keine Wurzeln wird es schon kompliziert. Fachleute empfehlen, an den unteren Teil des Kindels einen Plastikbeutel mit Orchideensubstrat zu hängen und das Substrat feucht zu halten. Das wäre mir viel zu kompliziert gewesen. Glücklicherweise haben sich Wurzeln gebildet. Während des Wachtums habe ich das Kindel ab und an mit Wasser besprüht.

Exif_JPEG_PICTURESind die Luftwurzeln lang genug und hat der Ableger zwei oder mehr Blätter, wird er mit einem scharfen, sauberen Messer am Stengel der Mutterpflanze abgeschnitten. Es gibt Fachleute, die eine sterile Messerklinge empfehlen. Ich habe lediglich darauf geachtet, dass das Messer sauber war. Weiter wird empfohlen, die Schnittstelle am Kindel mit Holzkohlepulver zu überziehen, damit Bakterien abgetötet werden und die neue Pflanze nicht fault. Ich habe mehrmals mit Grillkohle über die Schnittstelle gewischt und hoffe, dass diese Methode ausreichend ist.

Eingepflanzt wird der Ableger in Orchideensubstrat. Fachleute empfehlen spezielles Jungpflanzensubstrat oder klein gebröseltes Orchideensubstrat. Ich habe die größeren Stücke aussortiert, nur die kleinen Holzstückchen genommen und den Ableger darin eingepflanzt.  Da gerade keine durchsichtiger Pflanztopf zur Verfügung war, nahm ich einen einfachen Plastiktopf. Experten empfehlen neben durchsichtigen Pflanztöpfen spezielle Orchideenübertöpfe, damit die Pflanze nicht im Wasser steht. Ein normaler Übertopf, in den eine Schicht Tongranulat eingebracht wird, tut es auch.

Exif_JPEG_PICTURENach dem Einpflanzen wird der Ableger häufig, im Sommer mehrmals täglich, mit Wasser besprüht. Es ist aber auch möglich, eine Plastiktüte mit einigen Löchern drin drüber zu stülpen. Diese muss jedoch täglich zum Lüften einige Zeit entfernt werden. Auch in diesem Fall habe ich es mir wieder einfach gemacht. Ich habe den Topf an ein schattiges Plätzchen im Garten gestellt, wässre die Erde um den Topf herum einmal täglich und besprühe die Blätter ebenso oft. Damit wird ein Mikroklima mit hoher Luftfeuchtigkeit erzeugt.

Inzwischen sind seit dem Einpflanzen des Kindels vier Wochen vergangen. Die neue Pflanze wächst, ein neues Blatt bildet sich. Vielleicht hat es auf diese Weise geklappt und die neue Pflanze ist angewachsen. Übrigens: alle Luftwurzeln konnte ich nicht im Topf unterbringen, da blieb halt eine draußen. Geschadet hat es offensichtlich nicht.

 

Hier die Fortsetzung: Vom Kindel auf dem Weg zur blühenden Orchidee

„Spatzen fressen den Buchsbaumzünsler“

Unter diesem Titel erschien kürzlich ein Bericht von Marlies Mohr in den Vorarlberger Nachrichten (12. Juni 2013). Darin wird der Biologe und Obmann von Birdlife Vorarlberg, Hubert Salzgeber, zitiert, der berichtet, dass Spatzen die Raupe des Buchsbaumzünslers als Nahrungsquelle entdeckt haben. Nach anderen Quellen fressen inzwischen auch andere Singvögel diese Raupenart. Salzgeber empfiehlt, Nisthilfen für Haussperlinge aufzuhängen.

Dass die Haussperlinge und andere Vogelarten das Problem mit dem Buchsbaumzünsler lösen können, bezweifle ich stark. Es ist zwar die Hoffnung vieler, ohne biologische oder chemische Mittel die Population des Buchsbaumzünslers wieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu verbannen – ich habe diese Hoffnung nicht.

Nachgewiesen ist inzwischen, dass biologische Mittel Bienen schaden, und die chemischen Mittel werden bekanntlich von vielen auch von den Geschädigten Buchsbaumbesitzern abgelehnt.

Inwieweit in der Not doch zu den biologischen Mitteln oder gar zur „chemischen Keule“ gegriffen werden sollte, muss jeder für sich entscheiden. In meinem persönlichen Umfeld wurden übel aussehende, im letzten Jahr erstmals befallene Buchsbaumpflanzen in diesem Jahr mit großem Erfolg während der Entwicklung der ersten Raupengeneration des Jahres – nach weiterem täglichen Absammeln der Raupen -mit Celaflor Careo aus einer kräftigen Pflanzenschutzspritze besprüht.

Mehr über den Buchsbaumzünsler hier

Falls bei mir im Garten der Buchsbaumzünsler auftreten sollte, werde ich vermutlich nach dem derzeitigen Stand der Kenntnisse meine Büsche, die ich inzwischen größtenteils über 30 Jahre aus Rißlingen gezogen und gepflegt habe, ebenfalls mit der „chemischen Keule“ verteidigen.

Nachtrag, Mai 2016: Inzwischen ist der Buchsbaumzünsler auch in meinen Garten eingetroffen. Ich habe die Raupen zunächst abgesammelt, dann den Buchsbaumbestand gespritzt. Als dritte „Maßnahme“ erschien ein Schwarm Haussperlinge und hielt sich tagelang immer wieder an den Buchsbäumen auf. Das hatte ich zuvor nie bemerkt. Ich gehe davon aus, dass der Schwarm auf der Suche nach Nahrung auf den Pflanzen niedergelassen hatte und gezielt die Raupen verzehrt hat.

Was Buchsbaumzünsler lieben – Bevorzugte Buchsarten bei Eiablage und Blattfraß

An welchen Buchsbaumsorten legen Buchsbaumzünsler bevorzugt ihre Eier ab, von welchen Blättern ernähren sich die Raupen am liebsten und unter welchen Bedingungen gedeihen die Raupen am besten? Antworten geben die Wissenschaftler F.L.G.Leuthardt und B.Baur (Journal of Applied Entomology, Article first published online: 22 OCT 2012, DOI: 10.1111/jen.12013*)

Bevorzugte Eiablage und Blattfraß

In einem Versuch mit fünf der im Nordwesten der Schweiz meist verbreiteten Buchsbaumsorten – und in Deutschland und Österreich sind diese Sorten ebenfalls sehr häufig in privaten und öffentlichen Gärten anzutreffen – stellten Leuthardt und Baur fest, dass die invasiven Falter zwar auf alle im Test untersuchten Sorten Eier ablegten, jedoch bevorzugt auf Buxus sempervirens ‚Rotundifolia‘, einer Variante des als Bauernbuchs bekannten Buxus sempervirens. In der „Beliebtheitsskala“ der meist genutzten Eiablagen folgen in dem Experiment  der Buxus sempervirens ‚Aureovariegata‘, der B. s. ‚Sempervirens‘ und mit einigem Abstand die Sorten B. s. Argenteovariegata und der Buxus microphylla ‚Faulkner‘. Und wo die Eier abgelegt werden, da fressen dann auch die sich daraus entwickelnden Raupen die Blätter ab.

Dies wurde bei einer aufwendigen, gut durchdachten Studie an der Universität Basel erforscht. Dabei wurden die unterschiedlichen Blattgrößen und Blattmenge der verschiedenen Buchsbaumsorten ebenso berücksichtigt wie die Menge und die Größe der abgelegten Eicluster der diversen Weibchen.

Raupe bei der Nahrungsaufnahme

Raupe bei der Nahrungsaufnahme

Während für die Buchsbaumbesitzer  am bedeutendsten ist, welche Sorten für den Buchbaumzünsler am attraktivsten sind, haben die Wissenschaftler auch noch festgestellt, dass während der drei Generationen pro Jahr die Gewichtszunahme der Raupen von der Frühjahrsgeneration über die Sommergeneration zur Herbstgeneration abnimmt, umgekehrt nimmt die Entwicklungsdauer vom Ei zum Falter im Laufe des Jahres zu. Welche Parameter dazu führen, ist noch nicht restlos geklärt. Genauso wenig, was nun denn zu den unterschiedlichen Präferenzen bei der Eiablage führt. Vermutet werden einerseits physikalische Bedingungen wie Farbe der Blätter, Blattgröße und Blatthärte (Anmerkung von PE: Ein Einfluss der Blatthärte und der Textur auf die Gewichtszunahme der Raupen kann ich mir gut vorstellen. Im Frühjahr sind die frisch getriebenen Blätter vermutlich zarter als im Sommer oder Herbst, sind leichter und schneller zu verzehren), aber auch chemische Einflüsse wie der unterschiedliche Alkaloidgehalt der Blätter, der im Sommer ansteigt. Entsprechende Untersuchungen wurden von von der Baseler Arbeitsgruppe inzwischen durchgeführt und die Ergebnisse demnächst veröffentlicht.

Fazit

Die Raupen des Buchsbaumzünsler fressen offensichtlich Blätter aller Buchsbaumsorten – allerdings mit unterschiedlichen Präferenzen.

Ob das Buchsbaumfreunde nun dazu veranlasst, spezielle Sorten in die Gärten zu pflanzen ist fraglich und wird auch in den Gebieten, in denen sich der Falter ausgebreitet hat, nicht vor dem Befall bewahren. Bleibt also weiterhin die Wahl zwischen Raupen absammeln, und/oder der Bekämpfung mit biologischen oder chemischen Mittel oder dem Verzicht auf den liebgewonnenen Buchsbaum.

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Die Zusammenfassung des Artikels von Leuthardt und Baur: Hier

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Auch in diesem Blog:

Posts über Buchsbaum

Der Buchsbaum, der Formschnitt, Zeitpunkt und Werkzeug

Der Buchsbaum und die Vermehrung

Blühender Buchsbaum

Buchsbaum – Bücher zu Pflege, Schnitt, Gestaltung mit Buchs und Sorten

Weitere Posts über den Buchsbaumzünsler:
Buchsbaumzünsler -Alarm – Erkennen und Bekämpfen des Buchsbaumzünslers – Relevante und aktuelle Beiträge im Netz

Buchsbaumzünsler : Die Raupe, die den Buchsbaum frißt, beginnt wieder zu arbeiten!