Heinrich Heine: Deutschland, Ein Wintermärchen – mit Bildern von Hans Traxler

Was hatte ich für ein Glück, als Schüler dieses satirische Versepos nicht lesen zu müssen.

Wegen meiner rudimentären Geschichtskenntnisse außerhalb der Zeit von Griechen und Römern hätte ich nie die Chance gehabt, das Werk auch nur in geringem Umfang zu verstehen. Das heißt nicht, dass ich heute frohlocke, weil meine Kenntnisse der deutschen Geschichte aus der Zeit seit Barbarossa bis ins 19. Jahrhundert sich inzwischen erheblich verbessert haben, und ich hier eine üppige, stimmende Interpretation des Werkes mit ausufernden Bezügen zur Geschichte unseres Landes und der Nation abliefern kann. Es soll vielmehr heißen, dass es einem Leser wie mir heute gelingt, mit Hilfe des Internets zu den geschichtlichen Quellen zu stoßen und einen Teil dessen, was Heinrich Heine schrieb und die Zeit, in der er es schrieb, zu verstehen.

Verboten, beschlagnahmt, zensiert! Heine hat die Obrigkeit der Zeit provoziert.

Mein lieber Heine, so schreibt man keine Bestseller, die die Listen von Stern und Spiegel anführen sollen! Deine Reise, von der Du uns da berichtest und wie Du sie auf dieser Route gar nicht durchgeführt hat – Du hast ja mehr oder weniger ein Spiegelbild der wahren Route beschrieben –, mag ja recht interessant gewesen sein. Du aber bringst es nicht einmal auf die Reihe, ausschließlich darüber zu berichten, sondern verfällst dauernd in politische Betrachtungen, zuweilen auch philosophische, spottest über Deine Heimat, die Du jahrelang vorher verlassen hast, zeigst am Beispiel Barbarossas, dass Kaiser ausgedient haben, machst Dich gar lustig über die deutsche Dichtung Deiner Zeit.

Da kannst Du Dich nicht wundern, dass Dein Verleger sich die Haare rauft, der Zensor zuschlägt, Du per Haftbefehl gesucht wirst. Hättest brav sein sollen, Dich nicht gegen den Militarismus und das reaktionäre Verhalten von Obrigkeit und Bürgertum aussprechen sollen, hättest „schöne“ Gedichte voller Poesie und von heiler Welt schreiben sollen.  Sicher wären Deine Hamburger Gesprächspartner  dann auch mitteilsamer gewesen.

Gut, dass es Heine gab. Durch das Wintermärchen können wir mehr über die Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dessen Zeitgeist erfahren als aus den Geschichtsbüchern unserer Schulzeit.

Für mich war die Lektüre ein spannendes Abenteuer, eine Reise nach Deutschland zur Zeit, aus der Heine berichtet.

In der Ausgabe von Reclam mit den Illustrationen von Hans Traxler kommen Text und Bilder zu einer  gelungenen satirischen Symbiose – wenn es so etwas überhaupt gibt – zusammen.

Ein Buch, Worte und Bilder und auch noch die Gedanken darüber zu genießen.

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch. Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts von Reinhard Kaiser

Seit vielen Jahren versuchte ich zu lesen, was mir als Jugendlicher bereits einmal gelang, den Abenteuerlichen Simplicius Simplicissimus von Grimmelshausen. Jetzt ist es mir gelungen mit der neuen Version des Romans in der Übertragung aus dem Deutsch des 17.Jahrhunderts von Reinhard Kaiser.

1964: vergilbt, schwierig zu lesen/2009: Lesefreude

Zum einen ist diese Version wesentlich verständlicher als die in meinem vergilbten alten Goldmann Taschenbuch von 1964, zum anderen ist der Druck an sich weitaus lesbarer. Hinzu kommt, dass eine ausführliche Liste von Anmerkungen zu Namen und Begriffen im Anhang aufgeführt werden, deren Bedeutung mir zu einem großen Teil nicht bekannt war.

Über die Bedeutung des Romans haben Generationen von Germanisten diskutiert und geschrieben. Wie der Roman einzuordnen ist, ob als Schelmenroman, Abenteuerroman oder Entwicklungsroman mit Anlehnung an den christlichen Erbauungsroman, darüber wird noch heute debattiert. Wesentlich ist, dass das Buch ein Werk aus einer Zeit ist, aus der nicht viel Literatur vorhanden ist, und trotz der Romanform ein Dokument über die Verhältnisse im 30jährigen Krieg darstellt, untermauert durch teilweise autobiographische Passagen des Autors.

Der Inhalt wird ausgiebig bei Wikipedia beschrieben, deshalb möchte ich an dieser Stelle Vorhandenes durch umformulieren  nicht verschlimmbessern.

Wer aber Zeit und Interesse hat, dieses Buch zu lesen, das im Eichborn-Verlag in diesem Jahr erschienen ist und für 5 Cents weniger als 50 Euro wohlfeil angeboten wird, wird beim Lesen seine Freude an der Entwicklung des tumben Toren und dem Bericht über die  Abenteuer in aller Welt zur Zeit des 30jährigen Krieges haben.

Im Anhang befindet sich neben den zahlreichen Anmerkungen ein amüsanter fiktiver Dialog, geführt von Autor und Übersetzer zur Operation des Übersetzens sowie ein Traktat über den Simplicissimus und seinen Erfinder mit biographischen Andeutungen und Hinweisen zur Weltgeschichte. 

Dieses Buch ist mein Geschenktipp für Leute, die gern einmal ein anderes Buch als die üblichen Werke lesen, die in den gängigen Bestseller-Listen geführt werden.

Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz

Was würde uns der kleine Prinz antworten, wenn wir ihm sagen würden, dass seine Geschichte bisher in ungefähr 180 Sprachen und Dialekte übersetzt worden ist? Vielleicht würde er antworten:  Ach das ist ja nur ein Buch, die wahren Geschichten werden im Herzen aufbewahrt und da gibt es nur die eine Sprache: Die Sprache der Herzen.

 

Das ist wohl auch der Grund, weshalb der kleine Prinz alle Lebewesen versteht, gleich ob Mensch, ob Blume, ob Tier, denen er auf der Reise durch das Universum begegnet, der Reise von seinem kleinen Planeten mit den drei Affenbrotbäumen, den drei Vulkanen, der Rose und den 43 Sonnenuntergängen pro Tag : den einsamen König, den Eitlen, den Säufer, den Geschäftsmann, den Laternenanzünder und den Geographen, bis er auf die Erde gelangt. Dort trifft der kleine Prinz zunächst auf seiner Suche nach Menschen auf eine Schlange in der Wüste, eine Wüstenblume, sein Echo, Tausende von Rosen in einem einzigen Garten und schließlich den Fuchs, der sich vom reisenden Prinzen zähmen lassen möchte, damit ihn dieser richtig kennen lernt – im Gegensatz zu den Menschen und Jäger unter ihnen, die keine Zeit haben irgend jemanden oder etwas kennen zu lernen. Aber der kleine Prinz zieht weiter und trifft Menschen, zunächst einen Weichensteller, später einen Händler, schließlich den Erzähler dieser Geschichte, einen Piloten, der versucht, sein Flugzeug zu reparieren, mit dem er in der Wüste notgelandet ist.

Bevor es zu dieser Begegnung kommt, erzählt uns der Pilot umständlich, warum er dieses Buch nicht den Kindern aber doch wiederum den Kindern gewidmet habe. Dann erfahren wir von seiner Kindheit und den Versuchen, von Erwachsenen verstanden werden zu wollen. Weil Erwachsene nicht verstanden, was er malte, stellte der Junge recht früh weitere Malversuche ein und wird nun bei der Begegnung mit dem kleinen Prinzen wieder dazu animiert. Ob er es gern tut oder nicht wird so richtig nicht klar, auf der  Zeichnung von damals erkennt jedoch der Prinz, was sie bedeutet. So erzählt der kleine Prinz zunächst von dem kleinen Planeten, auf dem er lebte, von seinen Aufgaben, ihn täglich zu reinigen, damit keine neuen Affenbrotbäume aus den schlechten Samen wüchsen, die zwei tätigen und den erloschenen Vulkan zu fegen. Er erzählt von den vielen täglichen Sonnenuntergängen, die er erlebt, nur durch ein kleines Weiterrücken seines Stuhls auf dem kleinen Planeten und von der Blume, deren Entstehung und Entfaltung er beschreibt, von ihrer  Schönheit, aber auch ihrer Seele, wie er sie beschützt und schließlich doch verlässt, um seine große Reise anzutreten, von der er nun berichtet, bis zu jenem Moment, an dem sich der kleine Prinz vom  weisen Fuchs verabschiedet und der Fuchs ihm den Kernsatz der Geschichte mit auf den Weg gibt: „ Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Nach diesen Episoden des kleinen Prinzen wird die Geschichte nun wieder vom Erzähler übernommen Die beiden suchen einen Brunnen, da das Wasser des Piloten zur Neige geht, und findet ihn. Der schwächer werdende kleine Prinz erklärt nun, dass seine Rückreise zu seinem Planeten bevor stehe, eine Schlange würde ihn beißen und er würde seinen Körper zurücklassen.

So geschieht es auch. Dem Piloten ist es inzwischen gelungen, das Flugzeug zu reparieren, und wir lesen, dass der Pilot Jahre nach seiner Begegnung mit dem kleinen Prinzen die Geschichte seinen Fliegerkollegen erzählt.

Ein poetische Geschichte steckt in diesem kleinen Büchlein – viele verschiedene Geschichten.

Geschichten, die von Moral handeln, vom Unverständnis der Kinder der Erwachsenenwelt gegenüber und umgekehrt, vom Vertrauen und schließlich davon, mit den Herzen zu sehen.

Das Buch ist mit den Zeichnungen des Autors ausgestattet, seiner ersten Zeichnung – Schlange, die einen Elefanten verspeiste (das ist das, was ich sehe) –  mit Bildern, die er für den kleinen Prinzen malen sollte und den Begebenheiten, von denen der kleine Prinz berichtete. Schön zu lesen und anzuschauen, wenn man mit dem Herzen……….

Warnung:

Was ich Euch hier über das Buch und dessen Inhalt erzählt habe, ist weder eine chronologische Angabe des Inhalts noch ist es chronologisch nach den darin erzählten Ereignissen geordnet. Bewusst habe ich auch keine Interpretationsversuche von Passagen unternommen, die in Zusammenhang stehen mit politischen Ereignissen, auf die der Autor in diesem Märchen anspielt. Dieser Beitrag sollte nur darstellen, wie ich das Buch gesehen und empfunden habe aus der Sicht eines Lesers, der der Ansicht ist, dass es auch für ihn geschrieben wurde.

Dank :

Dank an Ottogang, der mit seinem Bericht über eine Ausgabe des kleinen Prinz als Papiertheater in seinem Blog Wahrschau schrieb (  http://ottogang.wordpress.com/2009/10/21/der-kleine-prinz-etwas-anders/  ) . Und Dank an Vilmoskörte, der über „Der kleine Prinz in 100 Sprachen“  berichtete (  http://vilmoskoerte.wordpress.com/2009/10/17/der-kleine-prinz-in-hundert-sprachen/ ).  Die beiden haben mir damit den Anstoß zu meinem Beitrag gegeben.
Und dies noch:
Als Besitzer einer Ausgabe des Buches als Karussell-Buches werde ich mich in Kürze wieder zum Thema „Der kleine Prinz“ melden Ich muß es zunächst noch fotografieren und das ist bei einem Karussell-Buch nicht einfach.