Das E.T.A. Hoffmann-Haus in Bamberg

Nußknacker und Mausekönig – Erstausgabe 1816

Es ist sicherlich schwierig, einen dermaßen facettenreichen Menschen, dessen Wirken sowie die Vermarktung des Namens in Bamberg in einem Museum darzustellen und zudem noch illuminierte Scherenschnitte zu Bamberger Episoden des Juristen, Dichters, Zeichners, Karikaturisten, Komponisten, Kapellmeisters, Theaterdirektors, Musiklehrers und Musikkritikers von Hans Günter Ludwig zu zeigen. Wechselhaft, unstet, von etlichen Misserfolgen begleitet war das Leben Hoffmanns. So gut es geht wird es an diesem Ort nachgezeichnet, so wenig wie im Leben ist ein roter Faden zu erkennen. Für jeden Abschnitt ist ein Raum eingerichtet, in verschiedenen Zimmern des kleinen Hauses, mal links, mal rechts. So muß es wohl auch im Kopf Hoffmanns ausgesehen haben, dem Anschein nach recht wirr.

Mir war E.T.A. Hoffmann fast ausschließlich als Schriftsteller bekannt, insbesondere von Nußknacker und Mausekönig, auch vom Karikaturisten Hoffmann hatte ich gelesen oder gehört. Sein musikalisches Werk war mir bis zum Besuch des Museums gänzlich unbekannt. Andere werden ein ähnliches Bild von der Person haben. Die größte Bekanntheit erhielt Hoffmann jedoch durch Pjotr Tschaikowskis Ballett Der Nußknacker und Jaques Offenbachs Oper Hoffmanns Erzählungen. Durch diese zwei Werke ist mir Hoffmann natürlich auch kein Unbekannter gewesen.

Bamberg verfügt über viele Sehenswürdigkeiten. Das E.T.A. Hoffmann-Haus gehört zwar dazu,  ist jedoch aus meiner Sicht nicht den großen Highlights der Stadt zuzurechnen.

E.T.A. Hoffmann: Nußknacker und Mausekönig

Es ist Zeit, sich Karten für Tschaikowskys Nußknacker-Ballett zu bestellen, schließlich ist bald Weihnachten und in der Zeit schaut man sich doch dieses märchenhafte Ballett an.

Das wäre doch dann auch die Zeit, E.T.A. Hoffmanns Märchen, dem die Handlung des Balletts zu Grunde liegt, zu lesen.

Während allein die Sprache dieses 200 Jahre alten Märchens schwer verständlich ist, ist zudem der Inhalt komplex und nicht immer schlüssig. Aber es ist ein Märchen mit einem glücklichen Ausgang. Da macht es sogar teilweise Spaß,  sich die filigrane, vornehme Sprache jener Zeit selbst laut vorzulesen, quasi auf der Zunge zergehen zu lassen.

Es beginnt am Weihnachtsabend, mit der Bescherung der Geschwister Marie und Fritz, Kinder des Medizinalrats Stahlbaum. Fritz bekommt Spielzeugsoldaten für seine Husarenarmee, die kleine Marie einen Nußknacker, der – brav genutzt – seine Aufgabe erfüllt, bis Fritz ihn recht rüde behandelt und der Nußknacker einige Zähne beim Knacken harter Nüsse verliert.

Marie will den malträtierten Nußknacker gesund pflegen und legt ihn zunächst zu den Geschenken anderer Weihnachtsfeste in eine große Vitrine, in der auch Fritzens Armee zusammen mit den Geschenken an mechanischem Spielzeug, die die Kinder jedes Jahr, so auch in diesem von ihrem Paten Droßelmeier erhielten, aufbewahrt wird. Der Pate ist nicht nur Obergerichtsrat, sondern auch ein geschickter Uhrmacher und Bastler dieser mechanischen Spielzeuge.

Am Abend gehen alle ins Bett bis auf Marie, die noch ein kurze Zeit bei den Geschenken bleiben möchte. Doch da erwachen die Husaren und ihre Kommandeure. Der Nußknacker befehligt die Armee, gegen eine Armee von Mäusen, die unter dem Kommando des siebenköpfigen Mäusekönigs aus den Ritzen der Wände kommen und die Spielzeugarmee angreift. Als der Nußknacker und seine Mannen in arge Bredouille kommen, beendet Marie den Spuk, indem sie einen ihrer Pantoffeln gegen das Mäuseheer schleudert.

Marie verletzt sich bei dieser heroischen Tat am Vitrinenschrank und muß einige Zeit das Bett hüten. Als Trost erzählt ihnen der Pate Droßelmeier die Geschichte der Prinzessin Pirlipats. Es beginnt damit, dass im Königreich Mausolien eine Maus, die Frau Mauserink, dem König den Speck weg fraß. Zur Strafe wurde die Diebin auf Geheiß des Königs von Droßelmeiers Neffen aus dem königlichen Schloß vertrieben.  Frau Mauserink rächte sich einige Zeit danach, indem sie das Kind zu häßlichem Aussehen verhexte. Droßelmeiers Neffe bekommt darauf hin des Königs Auftrag, ein Mittel zu finden, dass der Prinzessin die ursprüngliche Schönheit zurückbringen soll. Nach jahrelangem Suchen in der ganzen Welt, findet er die Nuß und das Verfahren, mit dem die Prinzessin entzaubert werden kann. Dabei tötet er unglücklicherweise Frau Mauserink, die ihn im Sterben in den häßlichen Nußknacker verhext. Pirlipat, die denjenigen heiraten sollte, der ihr ihre ursprüngliche Schönheit wieder gebracht hat, erweist sich jedoch als undankbar ihrem Retter gegenüber und läßt ihn aus dem königlichen Palast schmeißen. So landet der Nußknacker schließlich verletzt bei Marie. Eine Chance, wieder in den hübschen Droßelmeier-Neffen zurück verwandelt zu werden, hat der Nußknacker allerdings noch: Er muß den Sohn von Frau mauserink, den siebenköpfigen Mausekönig töten und eine Dame muß sich in ihn und seine häßliche Gestalt verlieben. Zu beidem verhilft ihm Marie, die ihm zunächst ein Schwert liefert, mit dem er den Mausekönig töten kann. Auf der Reise in und durch das Puppenreich zusammen mit dem hölzernen Nußknacker verliebt sich Marie in diesen und so erscheint er denn nach Maries Märchenträumen real als schöner junger Mann in der Wohnung des Medizinalrates Stahlbaum. Marie erzählt ihrer staunenden ungläubigen Familie, wie sie sich in den Nußknacker verliebte und er sie zu seiner Königin im Marzipanschloß umgeben von den funkelnden Weihnachtswälder machte.

Eine größere Faszination als von Hoffmanns Märchen geht sicherlich vom Ballett aus, von der Musik Tschaikowskys, von den Szenen des Weihnachtsabends einschließlich der Schlacht, besonders aber vom Schneeflocken-Walzer und den Szenen im Puppenreich.

Während es ausreichend, das Märchen einmal gelesen zu haben, könnte ich das Ballett jedes Jahr zur Weihnachtszeit sehen – und noch viel öfter.