Wieder zur Schule gegangen

Einmal im Jahr gehe ich zur Schule, im Freilichtmuseum Hessenpark. Die erste Strophe eines Wanderlieds stand in diesem Jahr an der Tafel:

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In ein paar Tagen ist wieder Wandertag. Die monatliche Wanderung mit der Rentner-Pensionärs-Wandergruppe unserer Gemeinde. Wenn ich das Lied bis dahin gelernt habe, werde ich es meinen Mitwanderen vorsingen. Den vollständigen Text und die Noten habe ich mir schon angeschaut.

(Nach kurzer Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, auf das Singen zu verzichten. Ein moderner Troubadix möchte ich nicht sein)

 

 

Immer wieder nach den Ferien der Aufsatz: „Mein schönstes Ferienerlebnis“ – Handgeschriebenes

Es hat sich nicht alles geändert seit meiner Schulzeit – und die ist schon verdammt lang her.

Egal wie die Aufgabenstellung im Deutschunterricht lautet(e), „Mein schönstes Ferienerlebnis“ oder die Ansage: „Schreibt mal einen Aufsatz, was ihr in den Ferien getan habt“. Ich hab’s vor 60 Jahren getan, nun war es Hausaufgabe für J., die Enkeltochter. Zugleich war es ihr erster Aufsatz. J. geht in die 1. Klasse. Und dafür hat sie die Aufgabe sehr gut erfüllt. Ich bin stolz auf sie!

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Der von mir noch erhaltene Aufsatz zum Thema Ferien ist fast 60 Jahre alt. Damals war ich allerdings schon Schüler der 5. Klasse. Ich war dabei, beim Schlachtefest

 

Ich wollte doch nur spielen!

Ich habe gelesen, dass das Wort „eigentlich“ ein überflüssiges Füllwort ist, dessen Gebrauch zu vermeiden sei. Mein Beitrag fängt dennoch mit diesem Unwort an:

Eigentlich war ich immer ein braver Schüler. Etwas verklemmt vielleicht, während der Grundschule unterfordert,

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später überfordert.  In den langen Jahren der Überforderung immer mit einem Überfluss an mangelndem Wissen im Rucksack.

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Besonders im zweiten Abschnitt meiner schulischen Karriere mußte ich Instrumente entwickeln, um mich vor meinen Mitschülern zu profilieren. Mitschülerinnen gab es zu der Zeit nicht. Koedukation war das Unwort an dem Gymnasium.

Wenn ich beim Lesen des Fausts mit verteilten Rollen das Gretchen lesen mußte – durfte, denn ich hatte mich in weiser Voraussicht dazu gemeldet -, tat ich das mit fiepsiger Stimme. Wenn der Lehrer an der Tafel schrieb, wanderten mein Tischkollege und ich mit Tisch und Stühlen in der Klasse vor und zurück – zur Belustigung der restlichen Mitschüler. Über andere Heldentaten möchte ich nicht berichten, denn:

Eigentlich geht es mir nur um Handgeschriebenes.

Es kann die Ehre dieser Welt – Aus dem Poesiealbum meiner Mutter

Heute stelle ich aus dem Poesiealbum meiner Mutter den Eintrag ihres Lehrers vor, ein Gedicht von Theodor Fontane:

Poesie

Damit alle dieses Gedicht von Theodor Fontane lesen können, habe ich es hier noch einmal „abgeschrieben“:

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muss in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor Dir bestehen können.

Als ich die erste Zeile las, dachte ich mir, dass in dem Gedicht die Ehre im Sinne der Nazisicht gemeint sei, denn der Eintrag stammt aus dem Jahr 1934. Der Lehrer meiner Mutter, Heinrich Daues, hätte jedoch nie solche Poesiealbum-Zeilen geschrieben, die eine derartige Interpretation zugelassen hätten.

Und so ist es auch: Es geht nicht um die Ehre, sondern darum, mit seinen Handlungen vor sich selbst bestehen zu können. Vor rund 150 Jahren von Theodor Fontane geschrieben, ist ist das Gedicht heute noch genau so aktuell wie vor 80 Jahren, als es in das Poesiealbum geschrieben wurde.

Zeitgeist 1935 – Handgeschriebenes

Aus dem Poesiealbum meiner Mutter

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– ohne Kommentar –

Oder doch:

Zitat aus dem Webarchiv:

Ein Beitrag aus der Preußischen Allgemeinen Zeitung / Folge 07-10 vom 20. Februar 2010

Wie sehr die Einträge in den Alben von dem gesellschaftlichen und politischen Zeitgeschehen beeinflusst wurden, zeigen Widmungen aus der Zeit des Nationalsozialismus: „Wer leben will, der kämpft! / Und wer nicht streiten will in dieser Welt des ewigen Ringens, / verdient das Leben nicht. Adolf Hitler.“ (17. März 1934) „Sei immer treu und edel / Und bleib ein Deutsches Mädel!“ (April 1935) „Sieh im letzten Deiner Volksgenossen immer noch den Träger Deines Blutes, mit dem Dich das Schicksal auf dieser Erde unzertrennlich verbunden hat und schätze deshalb in Deinem Volke den letzten Straßenfeger höher als den König eines fremden Landes. Adolf Hitler.“ (25. März 1939)

„Leben heißt kämpfen, opfern, reifen, emporsteigen!“ (21. November 1939).

Widmung – Handgeschriebenes

Zu Weihnachten 1918 erhielt Heine Fischer von Freunden seiner Eltern das Buch Reineke Fuchs.

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Schreibt Widmungen, solange es noch Bücher in dieser Form gibt.

Wenn dann noch die Handschrift so schwungvoll gekonnt ist, erfreut es jeden, der sie liest.

Zudem kann sie ein Stück Familiengeschichte sein.

Ich habe dem Reineke Fuchs vor einiger Zeit einen neuen Einband spendiert und mir dabei gedacht, dass es doch eine feine Geste ist, wenn der Schenkende ein paar Worte in das Buch hineinschreibt, eine nette Erinnerung. Dieses Buch ist von meinem Onkel weitergegeben worden an meine Mutter. Als Jugendlicher habe ich dann versucht, es zu lesen. Ich habe es nicht geschafft. Das lag nicht an der Schrift, es war mir zu weit weg von dem, was mich begeistert hat. Vielleicht ist es jetzt anders. Ich werde einen zweiten Versuch starten.

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Mehr zu Reineke Fuchs und dem Buch in Kürze. Für heute nur noch Bilder von der Vorderseite des Einbands und einer Vignette als Abbildung über einer Kapitelüberschrift.

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Stadt im Schnee – Handgeschriebenes

Der Winter kann kommen; heute habe ich die Winterreifen montiert, nachdem ich im Mittagsmagazin herrliche Schneebilder aus dem Schwarzwald gesehen habe. Bei der Arbeit fiel es mir wieder ein: ein Gedicht, das ich Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts schreiben musste:

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Den Zettel habe ich bei altem Krimskrams vor einiger Zeit wiedergefunden. Das Gedicht ist einzigartig. Nicht das Gedicht selbst, sondern die Note, die darunter steht. Eine derartige Bewertung habe ich weder zuvor noch danach im Fach Deutsch bekommen.

Dieses Gedicht etwa zu gleichen  wie  Schlachtefest entstanden.

„Frisch auf ins weite Feld!“ – Handgeschriebenes

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Experten mögen sich streiten, ob die ersten Strophe des schlesischen Volksliedes  in Sütterlin oder in der ähnlich aussehenden Deutschen Schrift an die Schultafel im Freilichtmuseum Hessenpark geschrieben wurde. Möglich ist auch, dass die Schrift nicht ganz „sortenrein“ ist.

Ich habe mich gefreut, den Anfang des Liedes lesen zu können – im Gegensatz zu einigen anderen Besuchern dieser musealen Schule, die vergeblich versucht haben, die Zeichen zu deuten. Es ist inzwischen an die fünfzig Jahre her, dass ich im Kunstunterricht gelernt habe, die Sütterlin-Schrift zu schreiben. Das Lesen zumindest habe ich noch nicht verlernt.

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Hier geht’s zum vollständigen Text des Liedes

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Die Schule: Ein eingerichterter Klassenraum, ausgestattet wie vor etwa 100 Jahren

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Schlachtefest – Handgeschriebenes

Aus einem Brief des 5.Klässlers Philipp Elph vor mehr als 50 Jahren

Wir hatten  im Januar eine Woche frei, weil Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium anstanden.  Hausaufgabe war,  einen Brief an unseren Deutschlehrer, Herrn Dr. Loock, zu schreiben. Hier ein Teil davon, Thema „Schlachtefest“ – aus aktuellem Anlass.


Das war nicht „Steinzeitspiel“ in Ratekau, sondern Realität. Damals noch Normalität auf dem Dorfe, wobei kein Kind bei diesem „Fest“ mitmachen musste.

„Schwanzhalten“ war so ein alter Brauch. Das war immer die Aufgabe eines Kindes und sehr wichtig!

Es handelt sich bei der Abbildung uum den Scan des Originals, das ich seit der Zeit – Januar 1959 – in meinem Diercke Weltatlas aufbewahrt habe.

…als wir noch „Royals“ waren in Deutschland – Handgeschriebenes

„Zur Erinnerung an den Einzug unseres Herzogspaares in Braunschweig“

Es ist nahezu 100 Jahre her, dass die letzte Kaisertochter, von den Braunschweigern zuletzt liebevoll Vicky-Lu genannt, mit ihrem Mann nach Braunschweig zog, unter den Augen von nahezu 200.000 Menschen wie Lehrer Heinrich Daues in einer Postkarte an sich selbst am Tage des Einzugs, dem 3. November 1913, schrieb:

Für alle, denen es nicht so leicht fällt, die Schrift zu entziffern:

Angenehmes Wetter. Bis 200000 Menschen durchfluten die Straßen. 44 Sonderzüge sind eingestellt – Aus der Stadt Hannover waren allein 44000 Menschen erschienen. Auf dem Bahnhof von Volkmarsdorf nichts gesehen.

3.11.13    H. Daues, Lehrer

Da wir nun heute weder herzoglich noch kaiserlich sind und Derartiges uns in unserer Republik nicht mehr geboten wird, müssten wir in diesem Jahr nach gen England ziehen, um ein ähnliches Spektakel erleben zu können.