Hans Traxler: Mein Morgenstern

24 Bilder zu 24 Gedichten

Zu bekannten und weniger bekannten, witzigen und komischen aber auch ernsten Gedichten von Christian Morgenstern schuf Hans Traxler Bilder. Vierundzwanzig dieser Duette wurden zu einem Bändchen der Insel-Bücherei zusammengefaßt.

Es ist „Das ästhetische Wiesel“ dabei, das Nasobem und andere Tiere, aber auch das Hemmed oder das Gedicht „Was möchtest Du noch einmal sehn, wenn Du tot bist?“

Mit diesem Buch schlägt Leser-Betrachter mit der berühmten Klappe zwei Fliegen:

Zum einen findet er einen Grund, mal wieder ein paar Gedichte von Morgenstern zu lesen, und zum anderen kann er sich ergötzen an den Bildern Traxlers, gleich, ob sie nun Cartoons, Karikaturen, Zeichnungen oder Illustrationen genannt werden.

Ein Buch zum Verschenken – für andere und besonders für sich selbst -, das sich abhebt von den Schenke-Büchern auf den Schenke-Tischen der Buchhandlungen, sich abhebt von den Büchern mit den konfuzianischen und biblischen Sprüchen auf den einen, den bunten Fotos von Sonnenblumen und Sonnenuntergängen auf den gegenüberliegenden Seiten.

Einzig ein 25. Bild auf dem tristen Einband der Nr. 1270 der Insel-Bücherei hätte die Attraktivität dieses Buches noch erhöhen können.

Heinrich Heine: Deutschland, Ein Wintermärchen – mit Bildern von Hans Traxler

Was hatte ich für ein Glück, als Schüler dieses satirische Versepos nicht lesen zu müssen.

Wegen meiner rudimentären Geschichtskenntnisse außerhalb der Zeit von Griechen und Römern hätte ich nie die Chance gehabt, das Werk auch nur in geringem Umfang zu verstehen. Das heißt nicht, dass ich heute frohlocke, weil meine Kenntnisse der deutschen Geschichte aus der Zeit seit Barbarossa bis ins 19. Jahrhundert sich inzwischen erheblich verbessert haben, und ich hier eine üppige, stimmende Interpretation des Werkes mit ausufernden Bezügen zur Geschichte unseres Landes und der Nation abliefern kann. Es soll vielmehr heißen, dass es einem Leser wie mir heute gelingt, mit Hilfe des Internets zu den geschichtlichen Quellen zu stoßen und einen Teil dessen, was Heinrich Heine schrieb und die Zeit, in der er es schrieb, zu verstehen.

Verboten, beschlagnahmt, zensiert! Heine hat die Obrigkeit der Zeit provoziert.

Mein lieber Heine, so schreibt man keine Bestseller, die die Listen von Stern und Spiegel anführen sollen! Deine Reise, von der Du uns da berichtest und wie Du sie auf dieser Route gar nicht durchgeführt hat – Du hast ja mehr oder weniger ein Spiegelbild der wahren Route beschrieben –, mag ja recht interessant gewesen sein. Du aber bringst es nicht einmal auf die Reihe, ausschließlich darüber zu berichten, sondern verfällst dauernd in politische Betrachtungen, zuweilen auch philosophische, spottest über Deine Heimat, die Du jahrelang vorher verlassen hast, zeigst am Beispiel Barbarossas, dass Kaiser ausgedient haben, machst Dich gar lustig über die deutsche Dichtung Deiner Zeit.

Da kannst Du Dich nicht wundern, dass Dein Verleger sich die Haare rauft, der Zensor zuschlägt, Du per Haftbefehl gesucht wirst. Hättest brav sein sollen, Dich nicht gegen den Militarismus und das reaktionäre Verhalten von Obrigkeit und Bürgertum aussprechen sollen, hättest „schöne“ Gedichte voller Poesie und von heiler Welt schreiben sollen.  Sicher wären Deine Hamburger Gesprächspartner  dann auch mitteilsamer gewesen.

Gut, dass es Heine gab. Durch das Wintermärchen können wir mehr über die Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dessen Zeitgeist erfahren als aus den Geschichtsbüchern unserer Schulzeit.

Für mich war die Lektüre ein spannendes Abenteuer, eine Reise nach Deutschland zur Zeit, aus der Heine berichtet.

In der Ausgabe von Reclam mit den Illustrationen von Hans Traxler kommen Text und Bilder zu einer  gelungenen satirischen Symbiose – wenn es so etwas überhaupt gibt – zusammen.

Ein Buch, Worte und Bilder und auch noch die Gedanken darüber zu genießen.