Jo Nesbø : Die Larve

Jo Nesbøs Mörder morden häufig mit ungewöhnlich raffinierten Methoden.

Diesmal ist es unter anderem ein Akkubohrer, der als Tatwaffe eingesetzt wird. Ein kurioser, aber eher ein nebensächlicher Todesfall.


Harry Hole, gezeichnet durch Vorfälle der vorhergehenden Fälle Schneemann und Leopard mit Titanfinger und riesiger Narbe im Gesicht – kehrt aus Hongkong zurück, um einen Mord aufzuklären, bei dem der Täter, Sohn seiner alten Liebe, für die Polizei bereits feststeht. Der Krimi spielt im „Needles Park“, sprich im Drogenmilieu, in dem ein mysteriöser Drogenboss das Sagen hat, offenbar auf allen Seiten. Und so macht sich Harry bei allen Seiten unbeliebt, weil jeder Böse wie vermeintlich Gute Gefahr läuft, dass die kriminellen Machenschaften aufgedeckt werden. Das hat keiner gern – und keiner liebt daher Harry, außer Rakel, der zuliebe Harry den Fall auf seine Weise lösen will.

Harry läuft dabei selbstverständlich auch Gefahr von der einen oder anderen Seite eliminiert zu werden. Im Verlauf der Story verabschieden sich dann etliche Agierende in diesem durchtriebenen Spiel. Leser lernen die Methode „Man on the Moon“ sowie den „Zjuk“ kennen – und die Arten, auf diese Weise das Leben ausgehaucht zu bekommen, sind ähnlich raffiniert wie die Anwendung eines Leopoldapfels.

Harry Hole erkämpft sich eine weitere Narbe, findet den Mörder und verschwindet! Zum letzten Mal?

Die Larve“ ist wieder ein Krimi voller Spannung sowie erstaunlicher und in der zweiten Hälfte des Roman rasanter Entwicklung der Story. Jo Nesbø gelingt es ein weiteres Mal, Leser und Leserinnen zu fesseln.

Jo Nesbø: Leopard

Vom Leoparden und Leopoldsäpfeln

700 Seiten – das ist der Umfang des neuen Kriminalromans „Leopard“ von Jo Nesbø – sind für ein Buch dieser Art normalerweise 300 Seiten zu viel. 300 Seiten, die die Lösung des Falles verzögern, 300 Seiten mehr Belanglosigkeiten.

Nicht so bei Nesbøs neuem Krimi.

Eine derart komplexe Handlung, wie sie bei Krimis selten der Fall ist, ist hier kombiniert mit dem Kampf gegen einen Karrieristen im nationalen norwegischen Kriminalamt, der etliche Versuche unternimmt, durch Intrigen, Einschleusen von Maulwürfen, Erpressungen und andere halb legale und gänzlich illegale Methoden die Aufgaben des Osloer Dezernat für Gewaltverbrechen dem Kriminalamt einzuverleiben und die Auflösung zu initiieren. Dagegen müssen Harry Hole und sein Chef kämpfen – wobei sie sich teilweise adäquat wehren.

Hauptsächlich müssen die Leute des Dezernats ihre Daseinsberechtigung allerdings nachweisen, indem sie eine neue Mordserie aufklären, die mit ungewöhnlicher Raffinesse und Abgebrühtheit durchgeführt wird.

Doch dazu muss zunächst Harry Hole zurückgeholt werden. Der ist völlig von der Rolle und fristet sein Dasein in einer billigen Pension in einer üblen Gegend Hongkongs mit den einzigen noch verbliebenen Freunden – Alkohol und Opium. Hinzu kommt, dass ihm die chinesische Mafia den Pass abgenommen hat und auf die Zahlung seiner Wettschulden wartet, Harry somit das Land nicht verlassen kann. Aber das scheint ihm auch egal zu sein.
Seitdem er bei seinem letzten Fall nach der Erfassung des Schneemanns und der Rettung dessen letzten Opfers den Polizeidienst entnervt und voller Frust quittiert hat, hat er mit seinem vorherigen Leben Schluss gemacht und würde am Liebsten ganz Schluss machen.
Eine junge Kommissarin erhält den Auftrag, Harry zurück zu holen. Dies gelingt ihr, indem sie Harrys Schulden begleicht, einen neuen Pass besorgt und ihn mit der Nachricht ködert, dass sein Vater sehr krank sei und Harry ihn doch besuchen möge.

Der Rückkehrer weigert sich zunächst, wieder im Dezernat zu arbeiten, kann sich aber schließlich weder mit seinen verbliebenen neun Fingern noch dem Verstand nicht der Aufgabe entziehen. Die Anzahl der Mordopfer mehrt sich zunächst, Harry findet die Spuren, das, was die Opfer verbindet, und er stößt auch auf ein Mordinstrument, das der Mörder mehrmals verwendete, den Leopoldsapfel.
Ermittlungen in Oslo, in den Gletscherfeldern und an anderen einsamen Stellen Mittelnorwegens führen Harry und dessen kleine Gruppe zu dem vermeintlichen Mordmotiv.
Die „Einkaufsquelle“ für den Leopoldsapfel findet Harry Hole, der sich bei seinen Ermittlungen mehrmals zwischen Erfolg und Misserfolg bewegt, schließlich in Afrika.

So pendelt der Protagonist zwischen den Welten – Norwegen und Afrika; Alkohol, Opium und klarem analytischen Verstand; Kriminalamt und Dezernat; Maulwurf und Mörder; Freund und Feind. Linien verwischen und zeichnen sich wieder ab, es sind ungewöhnlich komplexe Angelegenheiten, die uns Jo Nesbø schildert.

Dazu braucht der Autor die 700 Seiten, an deren Schluss Harry Hole nach Lösung des Falles wiederum den Dienst beim Dezernat, für dessen Erhalt er erfolgreich mitgekämpft hat, quittiert, seine Brücken in Norwegen abbricht und einen neuen Job in Hongkong annimmt.
Damit müsste Harry Hole für Oslo und Norwegen verloren sein. Es mag sein, dass Jo Nesbø ihn dort oder an einem anderen Punkt der Erde irgendwann einmal neue Ermittlungen in schwierigen Fällen aufnehmen lässt.

Und wenn es denn so wäre, wären 700 Seiten nicht zu viel, um die Spannung aufzubauen und bis zum Schluss zu halten. Dass es solche Psychopathen wie den Leopard und seine Gegenspieler auf der Seite des Guten wie des Bösen überhaupt geben könnte, hatte ich mir bis zur Lektüre dieses Krimis nicht vorstellen können. Das war Faszination pur!

Hier gibt es eine Abbildung des Leopoldsapfels:



http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leopoldsapple.jpg (Freigegeben vom Urheber)

Jo Nesbø: Der Schneemann

Aufregung herrscht bei Harry Holy, Aufregung auch beim Osloer Dezernat für Gewaltverbrechen, in dem Harry arbeitet. Harry hat ein Schreiben eines Serienmörders, dem Schneemann, erhalten. Darin werden weitere Morde ankündigt. Besonders beunruhigend für den Ermittler ist allerdings, dass das Schreiben Bezug nimmt auf der Allgemeinheit nicht bekannte Fakten aus einem anderen Fall, den Harry gelöst hat. Die nächsten Morde lassen auch nicht lange auf sich warten.

Bei dem ersten Schneefall geht’s los, die nächste junge Frau verschwindet, im Garten wird ein Schneemann gefunden – das Markenzeichen des Mörders -. Die Frau bleibt verschwunden, sie hinterläßt Mann und Kind – wie alle bisherigen Opfer -, ein weiterer Mord passiert. Harry Hole, frisch ausgestattet mit einer jungen dynamischen Kollegin, sucht Punkte, an denen er mit der Ermittlung ansetzen kann. Er begibt sich dabei auf falsche Fährten, mehrmals scheint der Fall des Serienmörders kurz vor der Aufklärung zu stehen, ja bereits aufgeklärt zu sein. Fatale Rückschläge, die nicht jeder überlebt, sind unvermeidbar.

Das Ermittlerduo reist nach Bergen, um zu den Anfängen schneemännlichen Wirkens zu gelangen und dort anzusetzen, den Grund für das Verhalten des Mörders zu finden. Eine grausige Entdeckung bleibt den beiden nicht erspart. Zurück in Oslo erfolgen weitere Recherchen, allerdings zum Teil grob unkoordiniert und kontraproduktiv. Schließlich kommt Harry mit Bauchgefühl und klaren Gedanken dem Schneemann immer näher, umgekehrt dieser ihm auch. Schließlich endet die Geschichte mit dem für das gesamte Osloer Dezernat guten Ausgang und einer ungewöhnlichen Verkettung Harry’s mit dem Mörder.

Jo Nesbø gehört derzeit zu dem Autor mit den frischesten Geschichten – nicht nur wie in diesem Fall aus klimatischen Gründen, sondern weil seine Erzählweise noch nicht abgenutzt ist und die Fälle ungewöhnlich sind.