Ich kann nicht nur Krimi, kann auch Forsythie

Neulich fragte eine Journalistin an, die meinen Blog KrimiLese im Wiesbadener Kurier vorstellen möchte. Dabei unterhielten wir uns auch über den Frühling und dessen schöne, farbenprächtige Seiten. Nun erschien im Wiesbadener VORORT ein Artikel von Julia Anderton zum Thema „Frühling“.

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Hier „mein Part“ in lesbarer Form (Dazu 2 Anmerkungen: In dem Artikel werde ich mit meinem Echtnamen zitiert und ein „Nordenstädter“ ist ein Einwohner eines Wiesbadener Vororts.)

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Noch Fragen zum einen oder anderen Thema?

 

Ein Artikel über die KrimiLese erscheint in Kürze

Jo Nesbø : Die Larve

Jo Nesbøs Mörder morden häufig mit ungewöhnlich raffinierten Methoden.

Diesmal ist es unter anderem ein Akkubohrer, der als Tatwaffe eingesetzt wird. Ein kurioser, aber eher ein nebensächlicher Todesfall.


Harry Hole, gezeichnet durch Vorfälle der vorhergehenden Fälle Schneemann und Leopard mit Titanfinger und riesiger Narbe im Gesicht – kehrt aus Hongkong zurück, um einen Mord aufzuklären, bei dem der Täter, Sohn seiner alten Liebe, für die Polizei bereits feststeht. Der Krimi spielt im „Needles Park“, sprich im Drogenmilieu, in dem ein mysteriöser Drogenboss das Sagen hat, offenbar auf allen Seiten. Und so macht sich Harry bei allen Seiten unbeliebt, weil jeder Böse wie vermeintlich Gute Gefahr läuft, dass die kriminellen Machenschaften aufgedeckt werden. Das hat keiner gern – und keiner liebt daher Harry, außer Rakel, der zuliebe Harry den Fall auf seine Weise lösen will.

Harry läuft dabei selbstverständlich auch Gefahr von der einen oder anderen Seite eliminiert zu werden. Im Verlauf der Story verabschieden sich dann etliche Agierende in diesem durchtriebenen Spiel. Leser lernen die Methode „Man on the Moon“ sowie den „Zjuk“ kennen – und die Arten, auf diese Weise das Leben ausgehaucht zu bekommen, sind ähnlich raffiniert wie die Anwendung eines Leopoldapfels.

Harry Hole erkämpft sich eine weitere Narbe, findet den Mörder und verschwindet! Zum letzten Mal?

Die Larve“ ist wieder ein Krimi voller Spannung sowie erstaunlicher und in der zweiten Hälfte des Roman rasanter Entwicklung der Story. Jo Nesbø gelingt es ein weiteres Mal, Leser und Leserinnen zu fesseln.

Simon Beckett: Verwesung

Die neue Formel der Verwesung ist 1-2-8 und es ist wieder ein grausiger Leichenfund, zu dem der forensische Anthropologe David Hunter ins Moor bei Dartmoor gerufen wird. Hübsche junge Siebzehnjährige sind vor einiger Zeit verschwunden.

Verantwortlich dafür wurde Jerome Monk gemacht, ein Außenseiter der Gesellschaft, der kurz nach einem weiteren Mord an einer jungen Frau am Tatort gefasst wird. Monk wird an Hand von Indizien auch für die mutmaßlichen anderen Morde verurteilt und gilt als Massenmörder . In einem Nebensatz erfahren wir jedoch, dass erhebliche Unterschiede zwischen den drei verschwundenen Mädchen und dem vierten Opfer bestehen.

Bei der Leiche, die ihre Hand aus dem Moor streckte, handelt es sich um die Überreste der einen jungen Frau und Monk erklärt sich bereit, bei der Suche der anderen zu helfen. Die Suche im Moor nutzt er zu einem Fluchtversuch, er wird jedoch dabei überwältigt und wieder ins Gefängnis zurück gebracht, aus dem er acht Jahre später flieht. Der Geflohene versucht , „Kontakt aufzunehmen“ zu denen, die damals auf Ermittlungsseite im Moor bei der Leichensuche dabei waren, insbesondere zu dem forensischen Archäologen Wainwrigth, der diesen Kontakt nicht überlebt, und der psychologischen Ermittlungsberaterin Sophie Keller, die bei einem Überfall in ihrem Haus übel zugerichtet wird.

Der Autor folgt dabei dem Muster der ersten drei Hunter-Thriller und so tauchen bei David Hunter nach etwa zwei Dritteln des Buches Zweifel auf, ob Monk der wahre Täter ist, der für das Verschwinden der drei Schönen verantwortlich ist. Wer die ersten drei Thriller mit David Hunter kennt, spekuliert ab dem Auftritt des Detective Inspectors Terry Connors, einem alten Bekannten von Hunter, ob der Täter der Mädchen sich bereits in der Nähe des forensischen Anthropologen aufhält und diesen irgendwann auch in Lebensgefahr bringen wird.

Nachdem Sophie von Monk in die alten Zinnminen des Moores verschleppt wird und Hunter hilfreich einzugreifen versucht, wird klar, was die vermeintliche Bestie vorhat. In einer spannenden Szene unter Tage wird Hunter weiter erleuchtet.

Und dann kommt es, wie es bei Beckett immer kommt, zum großen Showdown, bei dem der wahre Übeltäter, in diesem Fall der Mörder der drei Verschwundenen geoutet wird. Der Versuch, die Verbrechen zu vertuschen, scheitert und ähnlich wie bei Becketts Obsession findet der Mörder sein Ende in einer bizarren Kulisse, nicht ohne einen weiteren Unsympathen mit in den Tod zu nehmen.

David-Hunter-Anhänger werden begeistert sein von diesem vierten Thriller mit dem Helden, auch wenn dessen Aufgaben im anthropologisch forensischen Bereich dieses Mal recht beschränkt sind. Verwesung ist ein recht spannender Thriller, der an die Klasse von Die Chemie des Todes anknüpft. Dass Simon Beckett auch diesmal wieder nach seinem inzwischen bekannten Muster beim Plot arbeitet, sei ihm daher verziehen.

Jo Nesbø: Headhunter

Intelligente Zeitgenossen verwenden ihre kriminelle Energie dazu, Mordmotive und Mordmethoden auszutüfteln und umzusetzen. Das ist zumeist die Basis Nesbø’scher Thriller.


Ob das auch in diesem Fall so ist, ist lange unklar. Aber soviel sei verraten, auch in diesem Werk von Jo Nesbø wird gestorben.

Doch zunächst beginnt es verhältnismäßig harmlos. Der arroganteste aber auch erfolgreichste Headhunter (Achtung: hier wird der Begriff in seiner Bedeutung als „Personalberater“ benutzt) Roger Brown interviewt einen Kandidaten.

Das Gespräch führt er wie ein FBI-Verhör. Grundlage ist hierbei die Reid-Methode, die in diesem Buch als Befragungsmodell von Inbaud, Reid und Buckley zitiert wird. Zwar schreibt sich Inbaud in Wirklichkeit Inbau, der dichterischen Freiheit Nesbøs sei dieser Fehler jedoch verziehen.

In diesen Interviews erfährt Brown jedenfalls alles Wissenswerte über den Kandidaten, auch über die familiären Verhältnisse des Bewerbers und dessen Vermögen bezüglich Kunstwerken sowie  Schutzeinrichtungen vor Diebstahl und nutzt Kenntnisse davon, um sein nicht unbeträchtliches Einkommen zu erhöhen

Roger Brown übt in den Gesprächen Druck aus, manipuliert, ist boshaft und lügt. Fürsorglichkeit, Ehrlichkeit und Empathie fehlen dem Headhunter gänzlich und ihm fehlt es auch an körperlicher Größe. Das erklärt sicherlich das Napoleon-Syndrom unter dem der Headhunter, der sich als der Größte und Beste vorkommt, leidet, es zuweilen aber auch zu genießen scheint

Er ist ein Charakterschwein. Ich behaupte, er ist eines der größten Charakterschweine, die ich je in der Krimi-Literatur kennen gelernt habe. Ich bin begeistert von Roger Brown!

Glücklicherweise hatte ich es nie mit einem Headhunter wie diesem zu tun, weder als Klient noch als Auftraggeber. Und so hätte Brown in mir niemals seinen Meister finden können, wie es Clas Greve zu sein scheint, auf den der Headhunter durch seine Frau aufmerksam gemacht wird und für den er den passenden Job zu haben scheint.

Greve hat eine Vergangenheit als Headhunter, hier aber in der ursprünglicheren Bedeutung des Wortes und so beginnt nach der Jagd Browns auf Greve eine Jagd mit anderen Vorzeichen. Brown wird zu Gejagdten und es wird sich herausstellen, wer Trophäe und wer letztlich der Held sein wird. Es ist eine wilde Jagd, bei der einige auf der Strecke bleiben und schließlich stehen sich die beiden Headhunter gegenüber, jeder bereit, den anderen zu eliminieren.

Und dann erfährt man, wer der Beste ist, wie er Fallen gestellt und die ihm gestellten Fallen entschärft und beseitigt hat. Am Schluss ist der Leser wieder da, wo er am Anfang war, der Headhunter setzt sein erfolgreiches Spiel fort. Er ist halt der Beste in der Branche.

Dies ist für mich der beste und aufregendste Thriller, den ich in diesem Sommer gelesen habe. Eine heiße Story!

Jo Nesbø: Der Schneemann

Aufregung herrscht bei Harry Holy, Aufregung auch beim Osloer Dezernat für Gewaltverbrechen, in dem Harry arbeitet. Harry hat ein Schreiben eines Serienmörders, dem Schneemann, erhalten. Darin werden weitere Morde ankündigt. Besonders beunruhigend für den Ermittler ist allerdings, dass das Schreiben Bezug nimmt auf der Allgemeinheit nicht bekannte Fakten aus einem anderen Fall, den Harry gelöst hat. Die nächsten Morde lassen auch nicht lange auf sich warten.

Bei dem ersten Schneefall geht’s los, die nächste junge Frau verschwindet, im Garten wird ein Schneemann gefunden – das Markenzeichen des Mörders -. Die Frau bleibt verschwunden, sie hinterläßt Mann und Kind – wie alle bisherigen Opfer -, ein weiterer Mord passiert. Harry Hole, frisch ausgestattet mit einer jungen dynamischen Kollegin, sucht Punkte, an denen er mit der Ermittlung ansetzen kann. Er begibt sich dabei auf falsche Fährten, mehrmals scheint der Fall des Serienmörders kurz vor der Aufklärung zu stehen, ja bereits aufgeklärt zu sein. Fatale Rückschläge, die nicht jeder überlebt, sind unvermeidbar.

Das Ermittlerduo reist nach Bergen, um zu den Anfängen schneemännlichen Wirkens zu gelangen und dort anzusetzen, den Grund für das Verhalten des Mörders zu finden. Eine grausige Entdeckung bleibt den beiden nicht erspart. Zurück in Oslo erfolgen weitere Recherchen, allerdings zum Teil grob unkoordiniert und kontraproduktiv. Schließlich kommt Harry mit Bauchgefühl und klaren Gedanken dem Schneemann immer näher, umgekehrt dieser ihm auch. Schließlich endet die Geschichte mit dem für das gesamte Osloer Dezernat guten Ausgang und einer ungewöhnlichen Verkettung Harry’s mit dem Mörder.

Jo Nesbø gehört derzeit zu dem Autor mit den frischesten Geschichten – nicht nur wie in diesem Fall aus klimatischen Gründen, sondern weil seine Erzählweise noch nicht abgenutzt ist und die Fälle ungewöhnlich sind.

Andrea Camilleri: Die sizilianische Oper

Wer Camilleries deftige Sprache liebt, zuweilen auch gespickt mit Beschreibungen praller Erotik des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der muss in diesem Roman zudem akzeptieren, dass die Chronologie der Ereignisse kräftig durcheinandergeschüttelt erzählt wird.

Eine abwechslungsreiche und zeitweise auch spannende Geschichte mit der Beschreibung spezieller sizilianischer Charaktere, die mit der Liebe zur Kunst als Vorwand Macht und Gewalt ausüben, mit einer herrlichen Schilderung des Milieus vor mehr als 130 Jahren.

In die richtige Reihenfolge gebracht, wird im Vorfeld der Eröffnung des neuen Opernhauses von Vigàta unter anderem ein Komplott zur Verhinderung der Veranstaltung geplant, da der neue Präfekt aus Florenz sowohl eine Oper zur Premiere  anordnet, die den Viàtagesern nicht gefällt, besonders erbost sind sie aber darüber, wie sich der Präfekt über den Willen der Bevölkerung hinweg setzt. Der politische Zwist wächst durch die Kontroversen und Intrigen, in deren Zusammenhang es auch zu polizeilichen Maßnahmen wie Festnahmen kommt.

Während die Eröffnung unter Polizeischutz abläuft, kommt es zu Tumulten, die beinahe in einer Katastrophe enden. Eine Katastrophe ereignet sich aber dennoch einige Stunden nach dem Ende der Vorstellung: Das Theater brennt ab, Tote sind zu beklagen. Brandstiftung wird gemutmaßt und der Kommissar beginnt zu ermitteln.

Weitere Lebende wechseln im Verlauf in das Reich der Toten und am Ende stellt sich heraus, dass alles nicht so geschehen ist wie zunächst vermutet wurde.

Ein riesiges Verwirrspiel, ein Durcheinander von Beziehungen und Verwicklungen wird uns hier wieder einmal von Andrea Camilleri geboten. Für Freunde der Camilleri’schen Erzählkunst eine Freude, für unbedarfte Leser eine Geschichte mit schwer nachzuvollziehenden Verwicklungen, die die Lust am Lesen erlahmen lassen kann.