Eine „humane“ Art, Mäuse zu fangen?

Es war Herbst geworden. Mäuse zogen in die Schreibtische ein. Nahrung gab es dort genug. Pralinen und Knäckebrot. Die Kolleginnen bedienten sich davon. Die Mäuse auch. Der Unterschied zwischen den beiden Spezies bestand darin, dass die Mäuse ihren Darm auf dem angeknabberten Knäckebrot entleerten.

Es war Herbst geworden und die Mäuse kamen von den Feldern und Wiesen in unsere ebenerdig liegenden Büros und Laboratorien. Es waren bereits kostbare Messgeräte wegen Kabelfraß ausgefallen, aber erst als Mäuse mit ihren Kötteln das Knäckebrot garnierten, wurden die Gäste zu einem echten Problem – weil ein Kollege eine Schlagfalle mitbrachte, mit der wir der Plage Herr werden wollten.

Das war ein Problem, denn diese Art der Beseitigung war für alle Kolleginnen und auch für einen Teil der Kollegen nicht akzeptabel, da „inhuman“. Heftige Diskussionen über Fangmethoden wurden geführt, Gabi wollte ihren Kater zum Verscheuchen der Mäuse mitbringen. „Bringt nichts!“, war die Meinung der einiger Kollegen. Die Fronten schienen verhärtet. Wir befanden uns in einem Mäusefang-Moratorium.

Es wurde beendet, als am nächsten Tag eine Kollegin mit einer Lebendfalle zur Arbeit kam. Und so fingen wir in den nächsten Wochen zahlreiche Mäuse auf diese Weise, setzen sie vor die Tür und fingen die nächsten – oder dieselben.

Das ging gut bis Weihnachten. Die Falle wurde in einem Aktenschrank vergessen, wir gingen bis nach Neujahr in Urlaub.

Im neuen Jahr öffnete ich den Aktenschrank. In der Lebendfalle lagen zwei ausgedörrte, platte Mäusefelle und eine tote Maus – Kannibalismus!

Soviel zu einer „humanen“  Art, Mäuse zu fangen.

Lebendfalle zum "humanen" Fangen von Mäusen

Lebendfalle zum „humanen“ Fangen von Mäusen