„Es war einmal…“ oder woraus Großvater gern vorliest

P1000175Es bedarf sicherlich keines Buches, um die beliebtesten Märchen der Brüder Grimm und  von Hans Christian Andersen zu erzählen. In diesem Buch werden sie aber von Rosemarie Künzler-Behncke so kindgerecht und für das heutigen Verständnis nacherzählt, dass es dem Großvater großen Spaß bereitet, der knapp fünfjährigen Enkeltochter daraus vorzulesen. Zudem ist dieses Märchenbuch durch Bilder von Marlis Scharff-Kniemeyer so nett illustriert, dass die Zuhörerin die Worte durch Blicke in das Buch mit den vielen Klappen interessiert verfolgt.  Das Buch ist im Ravensburger Buchverlag erschienen, derzeit unsere Märchen-Lieblingslektüre. Und der Inhalt?

Hier das Verzeichnis der Märchen:

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E.T.A. Hoffmann: Nußknacker und Mausekönig

Es ist Zeit, sich Karten für Tschaikowskys Nußknacker-Ballett zu bestellen, schließlich ist bald Weihnachten und in der Zeit schaut man sich doch dieses märchenhafte Ballett an.

Das wäre doch dann auch die Zeit, E.T.A. Hoffmanns Märchen, dem die Handlung des Balletts zu Grunde liegt, zu lesen.

Während allein die Sprache dieses 200 Jahre alten Märchens schwer verständlich ist, ist zudem der Inhalt komplex und nicht immer schlüssig. Aber es ist ein Märchen mit einem glücklichen Ausgang. Da macht es sogar teilweise Spaß,  sich die filigrane, vornehme Sprache jener Zeit selbst laut vorzulesen, quasi auf der Zunge zergehen zu lassen.

Es beginnt am Weihnachtsabend, mit der Bescherung der Geschwister Marie und Fritz, Kinder des Medizinalrats Stahlbaum. Fritz bekommt Spielzeugsoldaten für seine Husarenarmee, die kleine Marie einen Nußknacker, der – brav genutzt – seine Aufgabe erfüllt, bis Fritz ihn recht rüde behandelt und der Nußknacker einige Zähne beim Knacken harter Nüsse verliert.

Marie will den malträtierten Nußknacker gesund pflegen und legt ihn zunächst zu den Geschenken anderer Weihnachtsfeste in eine große Vitrine, in der auch Fritzens Armee zusammen mit den Geschenken an mechanischem Spielzeug, die die Kinder jedes Jahr, so auch in diesem von ihrem Paten Droßelmeier erhielten, aufbewahrt wird. Der Pate ist nicht nur Obergerichtsrat, sondern auch ein geschickter Uhrmacher und Bastler dieser mechanischen Spielzeuge.

Am Abend gehen alle ins Bett bis auf Marie, die noch ein kurze Zeit bei den Geschenken bleiben möchte. Doch da erwachen die Husaren und ihre Kommandeure. Der Nußknacker befehligt die Armee, gegen eine Armee von Mäusen, die unter dem Kommando des siebenköpfigen Mäusekönigs aus den Ritzen der Wände kommen und die Spielzeugarmee angreift. Als der Nußknacker und seine Mannen in arge Bredouille kommen, beendet Marie den Spuk, indem sie einen ihrer Pantoffeln gegen das Mäuseheer schleudert.

Marie verletzt sich bei dieser heroischen Tat am Vitrinenschrank und muß einige Zeit das Bett hüten. Als Trost erzählt ihnen der Pate Droßelmeier die Geschichte der Prinzessin Pirlipats. Es beginnt damit, dass im Königreich Mausolien eine Maus, die Frau Mauserink, dem König den Speck weg fraß. Zur Strafe wurde die Diebin auf Geheiß des Königs von Droßelmeiers Neffen aus dem königlichen Schloß vertrieben.  Frau Mauserink rächte sich einige Zeit danach, indem sie das Kind zu häßlichem Aussehen verhexte. Droßelmeiers Neffe bekommt darauf hin des Königs Auftrag, ein Mittel zu finden, dass der Prinzessin die ursprüngliche Schönheit zurückbringen soll. Nach jahrelangem Suchen in der ganzen Welt, findet er die Nuß und das Verfahren, mit dem die Prinzessin entzaubert werden kann. Dabei tötet er unglücklicherweise Frau Mauserink, die ihn im Sterben in den häßlichen Nußknacker verhext. Pirlipat, die denjenigen heiraten sollte, der ihr ihre ursprüngliche Schönheit wieder gebracht hat, erweist sich jedoch als undankbar ihrem Retter gegenüber und läßt ihn aus dem königlichen Palast schmeißen. So landet der Nußknacker schließlich verletzt bei Marie. Eine Chance, wieder in den hübschen Droßelmeier-Neffen zurück verwandelt zu werden, hat der Nußknacker allerdings noch: Er muß den Sohn von Frau mauserink, den siebenköpfigen Mausekönig töten und eine Dame muß sich in ihn und seine häßliche Gestalt verlieben. Zu beidem verhilft ihm Marie, die ihm zunächst ein Schwert liefert, mit dem er den Mausekönig töten kann. Auf der Reise in und durch das Puppenreich zusammen mit dem hölzernen Nußknacker verliebt sich Marie in diesen und so erscheint er denn nach Maries Märchenträumen real als schöner junger Mann in der Wohnung des Medizinalrates Stahlbaum. Marie erzählt ihrer staunenden ungläubigen Familie, wie sie sich in den Nußknacker verliebte und er sie zu seiner Königin im Marzipanschloß umgeben von den funkelnden Weihnachtswälder machte.

Eine größere Faszination als von Hoffmanns Märchen geht sicherlich vom Ballett aus, von der Musik Tschaikowskys, von den Szenen des Weihnachtsabends einschließlich der Schlacht, besonders aber vom Schneeflocken-Walzer und den Szenen im Puppenreich.

Während es ausreichend, das Märchen einmal gelesen zu haben, könnte ich das Ballett jedes Jahr zur Weihnachtszeit sehen – und noch viel öfter.

Axel Hacke: Der kleine König Dezember

Jedes Jahr erscheinen Hunderte von guten Krimis aber nur ganz wenig schöne Märchen. Es kann sich dabei um das Prinzip von Nachfrage und dem dazu angepassten Angebot handeln. Vielleicht ist es ja aber auch ganz anders. Wahrscheinlich ist es wesentlich schwieriger ein schönes Märchen zu schreiben als einen Plot zu einem Krimi zu erfinden.

Axel Hacke ist es vor einigen Jahren gelungen, eines dieser wenigen modernen Märchen zu schreiben.

Der kleine König Dezember ähnelt in gewisser Weise Antoine de Saint-Exupérys kleinen Prinzen. Er ist eine Figur, die mit seinem Leben und seinem Verständnis von der Welt unsere Sichtweisen in Frage stellt. Ist es wirklich besser, dumm und klein wie die Menschen geboren zu werden? Ist es nicht ein Reichtum vieles nicht zu wissen und sich vorstellen zu dürfen, wie etwas funktioniert? Ist es wirklich der Traum, den wir nachts träumen, und nicht die Wirklichkeit? Und ist das, was wir als Wirklichkeit empfinden, montags bis freitags zur Arbeit zu gehen, nicht der Traum?

Der kleine König wurde groß geboren, er schrumpft, bis er am Ende seines Lebens so klein ist, dass er nicht mehr zu sehen ist.  Er besitzt sein größtes Wissen bei der Geburt und auch dieses nimmt mit zunehmenden Alter ab.

Axel Hacke erzählt in einigen Episoden seine Begegnungen mit dem kleinen König Dezember. Hat er sie erlebt, war es demnach Wirklichkeit,  – oder hat er nur geträumt?

Es ist ein schönes Märchen. Die Seelenverwandtschaft zu „Der kleine Prinz“ habe ich ja schon angesprochen. Und da auch dieses Buch wieder vortrefflich von Michael Sowa illustriert ist, sieht man auch hier wie beim kleinen Prinzen eine märchenhafte Figur in einer Robe, nur viel dicker als der kleine Prinz: so dick, dass die Robe nicht richtig zuzuknöpfen ist.

Begebt Euch mit diesem Buch auf die Suche nach der Wahrheit und fragt Euch, wie der kleine König Dezember den Menschen fragt: „Und was ist nun die Wahrheit? Bist du so groß, wie du aussiehst, oder so klein, wie du dich fühlst?“