Der Flomenpümpel – kennt ihn jemand?

Neulich stellte Afra Evenaar die Wurstpumpe vor, ein Gerät, mit dem künstliche oder natürliche Därme mit Wurstmasse festerer Konsistenz gefüllt werden. Das erinnerte mich wieder an die Schlachtefeste meiner Kindheit. Einen Brief, in dem ich über so ein Ereignis vor 55 Jahren berichtet habe, zeigte ich hier bereits.

Heute erzähle ich, was für eine „exotische“ Wurst mit der – damals noch mechanischen – Wurstpumpe hergestellt wurde:

Flomenpümpel

Als Flomen wird das Fett des Bauchfells bezeichnet. Und das Bauchfell kleidet als seriöse Haut den Bauchraum aus (sh. Wikipedia). Dieses “Fell” wird aus dem Schwein links und rechts herausgetrennt,. Es ist bei einem normalen Schlachteschwein 40-50 cm lang und an der einen Seite ca. 30 cm breit, an der andern läuft es nahezu spitz zu. Getrocknet ist das Fell pergamentartig.
Mutter hat es dann an den Längsseiten mit der Nähmaschine mit großen Stichen zusammengenäht, bis oben am spitzen Ende. In die Öffnung wurde dann gaaanz vorsichtig die Mettmasse per Wurstpumpe eingefüllt. Einerseits mußte das genähnte Fell gut gefüllt sein, damit bei der Trocknung keine Leerräume entstanden, andererseits bestand stets die Gefahr, dass die Naht riss – und das war’s dann. Der Flomenpümpel war die allerbeste Wurst, weil sie nie knochentrocken innen wurde. So war das!
Oder weiß es jemand besser? Ich hoffe, ich habe das noch richtig in Erinnerung!
Ach so! Wenn der Flomenpümpel so richtig schön dick und fett gefüllt war, hatte er nahezu die Form einer strammen Damenwade. Darauf wies Menne Gaus, der Hausschlachter, jedesmal zur Freude aller Anwesenden Männer hin. Menne wohnte übrigens auf der anderen Seite des Dorfteiches und einmal – so nach 2 Flaschen Korn – ging er nach dem Schlachtefest auf direktem Weg nach Hause. Der Teich war nur so 1 Meter tief. Ehrlich!

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Hier noch eine Beschreibung der Wurstpumpe von damals (als die Telefone noch Wählscheiben hatten):

Die Wurstpumpe, die zu jener Zeit eingesetzt wurde, war ein Standgerät mit einem Zylinder mit einem Durchmesser von ca. 25 cm und einer Höhe von ca. 75 cm. Am unteren Ende befand sich ein Loch mit einem Außengewinde, auf das mit einer Überwurfmutter kleine Rohre, sogenannte Trichter verschiedener Durchmesser (für dicke und dünne Würste) aufgesetzt werden konnten. Die Wurstmasse wurde dadurch durch den Trichter gepreßt, indem ein metallener Stempel, der an einer Zahnstange befestigt und über eine Mechanik mit Zahnrädern mit einer Handkurbel verbunden war, nach unten in den Zylinder bewegt wurde.

Die Därme wurden über die Tülle gezogen. Bei der Herstellung von Bratwürsten ein mehrere Meter langer, der währhend des Befüllvorgangs immer wieder in kleine Portionen – eben Bratwurstlänge – abgebunden wurde. Bei Mettwurst, Ahle Wurst, Stracke oder wie auch immer diese Würste heißen, wurde ein an einem Ende abgebundener oder geklebter Darm wie ein Kondom dem Trichter übergezogen und mit der gewürzten Hackfleischmasse befüllt.

Ein Foto von diesem Gerät habe ich bisher noch nicht gefunden. Vielleicht stoße ich in irgendeinem Heimatmuseum mal auf ein Exemplar. Oder hat zufällig jemand von Euch ein Foto, das ich hier einfügen kann?

Schlachtefest – Handgeschriebenes

Aus einem Brief des 5.Klässlers Philipp Elph vor mehr als 50 Jahren

Wir hatten  im Januar eine Woche frei, weil Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium anstanden.  Hausaufgabe war,  einen Brief an unseren Deutschlehrer, Herrn Dr. Loock, zu schreiben. Hier ein Teil davon, Thema „Schlachtefest“ – aus aktuellem Anlass.


Das war nicht „Steinzeitspiel“ in Ratekau, sondern Realität. Damals noch Normalität auf dem Dorfe, wobei kein Kind bei diesem „Fest“ mitmachen musste.

„Schwanzhalten“ war so ein alter Brauch. Das war immer die Aufgabe eines Kindes und sehr wichtig!

Es handelt sich bei der Abbildung uum den Scan des Originals, das ich seit der Zeit – Januar 1959 – in meinem Diercke Weltatlas aufbewahrt habe.