Simon Beckett: Verwesung

Die neue Formel der Verwesung ist 1-2-8 und es ist wieder ein grausiger Leichenfund, zu dem der forensische Anthropologe David Hunter ins Moor bei Dartmoor gerufen wird. Hübsche junge Siebzehnjährige sind vor einiger Zeit verschwunden.

Verantwortlich dafür wurde Jerome Monk gemacht, ein Außenseiter der Gesellschaft, der kurz nach einem weiteren Mord an einer jungen Frau am Tatort gefasst wird. Monk wird an Hand von Indizien auch für die mutmaßlichen anderen Morde verurteilt und gilt als Massenmörder . In einem Nebensatz erfahren wir jedoch, dass erhebliche Unterschiede zwischen den drei verschwundenen Mädchen und dem vierten Opfer bestehen.

Bei der Leiche, die ihre Hand aus dem Moor streckte, handelt es sich um die Überreste der einen jungen Frau und Monk erklärt sich bereit, bei der Suche der anderen zu helfen. Die Suche im Moor nutzt er zu einem Fluchtversuch, er wird jedoch dabei überwältigt und wieder ins Gefängnis zurück gebracht, aus dem er acht Jahre später flieht. Der Geflohene versucht , „Kontakt aufzunehmen“ zu denen, die damals auf Ermittlungsseite im Moor bei der Leichensuche dabei waren, insbesondere zu dem forensischen Archäologen Wainwrigth, der diesen Kontakt nicht überlebt, und der psychologischen Ermittlungsberaterin Sophie Keller, die bei einem Überfall in ihrem Haus übel zugerichtet wird.

Der Autor folgt dabei dem Muster der ersten drei Hunter-Thriller und so tauchen bei David Hunter nach etwa zwei Dritteln des Buches Zweifel auf, ob Monk der wahre Täter ist, der für das Verschwinden der drei Schönen verantwortlich ist. Wer die ersten drei Thriller mit David Hunter kennt, spekuliert ab dem Auftritt des Detective Inspectors Terry Connors, einem alten Bekannten von Hunter, ob der Täter der Mädchen sich bereits in der Nähe des forensischen Anthropologen aufhält und diesen irgendwann auch in Lebensgefahr bringen wird.

Nachdem Sophie von Monk in die alten Zinnminen des Moores verschleppt wird und Hunter hilfreich einzugreifen versucht, wird klar, was die vermeintliche Bestie vorhat. In einer spannenden Szene unter Tage wird Hunter weiter erleuchtet.

Und dann kommt es, wie es bei Beckett immer kommt, zum großen Showdown, bei dem der wahre Übeltäter, in diesem Fall der Mörder der drei Verschwundenen geoutet wird. Der Versuch, die Verbrechen zu vertuschen, scheitert und ähnlich wie bei Becketts Obsession findet der Mörder sein Ende in einer bizarren Kulisse, nicht ohne einen weiteren Unsympathen mit in den Tod zu nehmen.

David-Hunter-Anhänger werden begeistert sein von diesem vierten Thriller mit dem Helden, auch wenn dessen Aufgaben im anthropologisch forensischen Bereich dieses Mal recht beschränkt sind. Verwesung ist ein recht spannender Thriller, der an die Klasse von Die Chemie des Todes anknüpft. Dass Simon Beckett auch diesmal wieder nach seinem inzwischen bekannten Muster beim Plot arbeitet, sei ihm daher verziehen.

Spontane menschliche Selbstentzündung und der Dochteffekt, erklärt von M.Benecke – und der Zusammenhang mit Simon Beckett: Kalte Asche

  

„Asche ist alles was von ihr übrig geblieben ist. Fast alles.“ So beginnt der längere Zeit in Bestseller-Listen geführte Kriminalroman Kalte Asche von Simon Beckett.

In einem vom Feuer unversehrten Cottage wird eine Leiche gefunden, von der nur noch eine Hand und die Füße unverbrannt geblieben sind.

Der forensische Anthropologe David Hunter und ein junger Sergeant machen sich über die Art des Brandes ihre Gedanken und dabei tauchen die Begriffe  „Spontane menschliche Selbstentzündung“ (englisch: Spontaneous Human Combustion, abgekürzt SHC) und Dochteffekt auf.

 

Das Phänomen wird von verschiedenen Autoren seit  etwa 200 Jahren beschrieben, sowohl wissenschaftlich als auch unter paranormalen Aspekten. Sogar Charles Dickens hat bereits in dem Roman „Bleak House“ eine angebliche SHC beschrieben.

 

Eine mögliche wissenschaftliche Erklärung für diese Art der „Selbstentzündung“ beschreibt der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke  in einem Interview, erschienen in FAKTOR X, Nr.31/NewsXtra Nr.11 (1998), Seite 2, in der Rohfassung veröffentlicht bei http://www.wiki.benecke.com/index.html .

Danach kann zum Beispiel eine Zigarette die Kleidung oder Haare eines Menschen in Brand setzen. Ist die Person in einem schlechten gesundheitlichen Zustand, gebrechlich oder alkoholisiert sowie allein, kann der Brand nicht schnell gelöscht werden. In diesem Fall würde sich bei längerer Branddauer das Unterfettgewebe durch die entstehende Hitze verflüssigen und in die Kleidung gesaugt werden, die dann wie ein Docht wirkt. Da das Feuer nach oben brennt, kann es passieren, dass nur die Beine unverbrannt übrig bleiben.

Im Kriminalroman führt Becketts forensischer Anthropologe aus, dass es sich bei der beschriebenen Leiche um eine Person gehandelt haben muss, die über viel Fettgewebe verfügte, folglich fettleibig war. Die Unversehrtheit von Hand und Füßen wird darauf zurück geführt, dass diese unbekleidet waren und so ein Verbrennen verhindert wurde, da der Dochteffekt dort nicht wirken konnte. Letztlich wird die Verbrennung der bereits getöteten Frau so erklärt, dass ein wenig mit einem Brandbeschleuniger nachgeholfen wurde, um das Feuer zu initiieren. Auf das Phänomen SHC und den Dochteffekt wird letztlich im Roman nicht mehr eingegangen.

 

Benecke erklärt in dem Interview, dass bis auf einen Fall, der zu jenem Zeitpunkt (1998) noch von der BBC versucht wurde zu klären, kein anderer Fall  nicht aufgeklärt worden sei und das Phänomen der spontanen menschlichen Selbstentzündung  bis auf diesen einen  widerlegt wurde. Schließlich gibt Benecke noch die Auskunft, dass man sich am besten bei der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften unter http://www.gwup.org über dieses  Phänomen informieren kann.

 

Folglich, lieber Krimileser: auch Beckett schreibt in seinen Romanen nicht nur über real existierende Todesarten, Untersuchungsmethoden und Phänomene, manches ist halt Fiktion.