Till Eulenspiegel – Fernsehfilm vs. Buch

P1010959Es war einmal ein Schalk namens Till Eulenspiegel, der soll Späße gemacht haben. Meist auf Kosten anderer. Ein großer Teil der Späße waren übel, waren Betrug, Diebstahl, Verleumdung und Körperverletzung. Oft war der Ausgangspunkt für derartige Machenschaften, dass Till Anweisungen seiner Dienstherren wörtlich genommen hat. So kam es dazu, dass er Eulen und Meerkatzen gebacken hat. Zuweilen nutze er aber auch die Naivität anderer aus. Das geschah in der Historie mit der Bäuerin, der er die Hühner nimmt und ihr ihren eigenen Hahn zum Pfand da lässt. Andere hat er betrogen, weil sie sich durch ein Geschäft mit ihm Vorteile erhofften, wie die Juden in Frankfurt.

Dass in vielen Geschichten menschliche Exkremente ein wichtiges Accessoire waren, macht jene Erzählungen nicht geschmackvoller. Ein Großteil der über 90 Historien, die Hermann Bote aufgezeichnet hat, sind für Kinder nicht geeignet.

Im zweiteiligen Fernsehfilm, der zu Weihnachten 2014 zu sehen war, wurden weitgehend die „jugendfreien“ Geschichten zu einer Rahmenhandlung, die nichts mit dem Original zu tun hatte, verknüpft. Zwar stimmten Orte und Bezüge nicht immer, dennoch war es eine nette Unterhaltung jenseits der weihnachtlichen Klassiker.

P1010929Die im Film enthaltenen Streiche sind zumeist in der Buchversion enthalten, in der Erich Kästner Geschichten aus dem Leben Till Eulenspiegels nacherzählt (Ueberreuter). Für diejenigen, die auch die üblen Streiche und diese vollständig erfahren wollen, bieten sich Ausgaben an, in der Hermann Bote als Autor (mit)aufgeführt ist (z.B. von Reclam, Goldmann oder InselTB).

Hermann Bote: Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Braunschweiger Lande

Erzählt von N.J.Anders (ca.1930)

Erzählt von N.J.Anders (ca.1930)

Es war während meiner Grundschulzeit, als mich die Streiche Till Eulenspiegels das erste Mal begeisterten und beeindruckten. Ein alte Ausgabe aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte ich in der Bücherkiste meiner Eltern gefunden. In einer Frakturschrift: Till Eulenspiegel. Seine Schwänke, Schnurren und Streiche für die Jugend ausgewählt und wiedererzählt von N.J.Anders.

Mit großer Mühe habe ich mir die Geschichten in der ungewohnten Schrift erlesen. Es waren die lustigen, geringfügig bösartigen Erlebnisse und Streiche des Schalks, wie sie auch von Erich Kästner nacherzählt wurden: Die Historien wie Eulenspiegel dreimal getauft wurde, er auf dem Seil tanzte, im Bienenkorb schlief, Eulen und Meerkatzen buk und einem Esel das Lesen beibrachte. Besonders beeindruckte mich damals neunjährigen braven Jungen die 2. Historie, die im Original den Titel trägt:

„Die ander Histori sagt, wie alle Bauren und Pürin (Bäuerinnen) uber den jungen Ulenspiegel klagten und sprachen, er wäre ein Bub und Lecker (Schurke), und wie er auf einem Pferd hinder seinem Vater ritt und stillscheigend die Lüt hindenzu in Ars ließ sehen“.

P1010929Diese Geschichte wird heute der Jugend – zumindest von Erich Kästner – vorenthalten. Mir damals nicht, wohl aber die anderen, von Fäkalien und stinkigen, lautstark dargebotenen Flatulenzen, die wohl über Hunderte von Jahren die Erwachsenen begeistert haben. Nebenbei bemerkt: Es sind im Original auch einige Geschichten enthalten, in denen Eulenspiegel eine Lehre zuteil wird oder er der Gelackmeierte ist, allerdings hat er sich dann meist in der nächsten dafür gerächt.

Nun wird demnächst (Weihnachten 2014) ein Zweiteiler über den Schalksnarr im Fernsehen gesendet. Pflicht für mich, den Film anzusehen, zu schauen und zu hören, welche der Streiche dort gezeigt oder nicht gezeigt werden. Denn ich bin quasi seit Geburt mit Till Eulenspiegel verbunden, wurde ich doch unweit des Geburtsorts des Narren in einer kalten, schneereichen Dezembernacht des Jahres 1946 geboren. Auch ich wurde mehrmals getauft – gar auf verschiedene Namen -, allerdings nicht an einem Tage, und hatte größeres Glück als Eulenspiegel, denn statt eines Paten hatte ich deren sechs – aber das ist eine andere Geschichte.

Sehen wir uns zuerst zu Weihnachten den Film an. Und wer alle Streiche von meinem Seelenverwandten lesen will, dem empfehle ich das Buch von Hermann Bote (Insel, 1978, gibt’s auch in einer Kindle Edition)

Neulich in Nürnberg auf Eulenspiegels Spuren

Neulich kam ich in Nürnberg am Heilig-Geist-Spital vorbei. Und da ich ein Verehrer Till Eulenspiegels bin, erinnerte ich mich wieder an diese Historie, wie Eulenspiegel in einem Spital (jenem Heilig-Geist-Spital) an einem Tag alle Kranken ohne Arznei gesund machte.

 

Heilig-Geist-Spital

Heilig-Geist-Spital

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