„Fortsetzung folgt“ oder die fast vergessene Art, einen Roman zu lesen

P1000171Für mich war  Mecki, für Mutter und Großmutter Fortsetzungsromane wie „Ein Herz spielt falsch“ und „Suchkind 312“ der eigentliche Grund, weshalb wir in den 50ern des letzten Jahrhunderts dem Erscheinen von HÖR ZU entgegengefiebert haben. Eduard Rhein, der Macher der Programmzeitschrift, schrieb die bewegenden bis rührseligen Romane unter dem Pseudonym Hans-Ulrich Horster. Sie trafen den Zeitgeist des Nachkriegsdeutschlands. Die scheibchenweise Veröffentlichung von Romanen habe ich dann jahrelang aus den Augen verloren, aber es gibt sie noch. Jetzt hat der Wiesbadener Kurier damit begonnen, Landgericht von Ursula Krechel in Folgen abzudrucken – auch ein Stoff aus jenem Nachkriegs-Deutschland. Und ich lese den Roman in Form vieler Fortsetzungen, denn ich lese Zeitung.

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12 Kommentare on “„Fortsetzung folgt“ oder die fast vergessene Art, einen Roman zu lesen”

  1. Witzig, ich habe noch nie einen Roman auf diese Art gelesen. Vielleicht, weil ich zu ungeduldig wäre, dann immer einen Tag auf die Fortsetzung warten zu müssen? Macht dir das nichts aus, also das Warten? Liebe Grüße
    Petra

  2. Utasflow sagt:

    Ich lasse mir in Etappen vorlesen in diversen Radiosendungen.

  3. Uffnik sagt:

    Romane, die mitten in der Handlung abbrechen und auf dem Höhepunkt der Spannung auf die Fortsetzung verweisen habe ich nie so richtig gemocht.
    Schon zu meinen Micky-Maus-Zeiten hatte ich erkannt, daß die Masche auf Generierung von Umsatz in Spe ausgerichtet ist.

  4. rotewelt sagt:

    Ich konnte, wie auch Vorschreiber, nie Gefallen an Fortsetzungsromanen finden. Aber den Mecky mochte ich als Kind auch sehr gern!

    • Uffnik sagt:

      Bei dem Igel mach ich mal ne Ausnahme. 😉

      • Philipp Elph sagt:

        Ja, mit den Fortsetzungsromanen ist es so eine Sache. Die Romane, die ich in meinem Post eingangs erwähnt habe, haben sicherlich dazu gedient, den Umsatz hoch zu halten oder zu erhöhen. Im aktuellen Fall sehe ich das anders. Der Roman einer Buchpreisträgerin wie Ursula Krechel lockt heute sicherlich keine Massen an den Zeitungsstand oder zum Abo. Wenn eine Zeitung wie der Wiesbadener Kurier an derartigem „Brauchtum“ festhält, so ist das bestenfalls eine Bestandspflege, sonst müßte statt dieses Romans oder „Oliver Twist“ von Charles Dickens (wie zuvor) Lesern und besonders potenziellen Lesern wohl wesentlich reißerisches Material angeboten werden.

  5. karu02 sagt:

    Die Rheinische Post pflegt auch noch diese Art der Leserbeglückung. Der letzte Fortsetzungsroman war für mich „Der menschliche Makel“ von Philip Roth, abgedruckt in der FAZ vor Jahren. Das hat mich so kirre gemacht, vor allem, wenn wegen Schlechtwetter oder Streik die Zeitung mal nicht kam oder der Gatte sie im Büro hat liegen lassen, dass ich seitdem nie wieder Fortsetzungen gelesen habe.
    Gut erinnern kann ich mich noch an die Schwarz-weiß-Fotofortsetzungsromane in der Fernsehzeitschrift meiner Großeltern Ende der 50er Jahre. Die haben mich als Kind angeregt, Fortsetzungsgeschichten zu zeichnen, weil ich wollte, dass die Story sofort weitergeht und nicht erst in einer Woche.

  6. Lakritze sagt:

    Ich lese Webcomics. Da braucht man wenigstens nicht von Schikane ausgehen, wenn die Fortsetzungen nicht beikommen — die dauern halt. .)

  7. ottogang sagt:

    also das wäre nix für mich, ich lese gern solange ich will und nicht die Zeitungsfritzen mir gestatten.

  8. Philipp Elph sagt:

    Nach einer Woche habe ich das Tag-für-Tag-Lesen eingestellt. Jetzt sammele ich zunächst in einer Schachtel.

  9. ottogang sagt:

    Siehste, also auch ungeduldig


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