Spontane menschliche Selbstentzündung und der Dochteffekt, erklärt von M.Benecke – und der Zusammenhang mit Simon Beckett: Kalte Asche

  

„Asche ist alles was von ihr übrig geblieben ist. Fast alles.“ So beginnt der längere Zeit in Bestseller-Listen geführte Kriminalroman Kalte Asche von Simon Beckett.

In einem vom Feuer unversehrten Cottage wird eine Leiche gefunden, von der nur noch eine Hand und die Füße unverbrannt geblieben sind.

Der forensische Anthropologe David Hunter und ein junger Sergeant machen sich über die Art des Brandes ihre Gedanken und dabei tauchen die Begriffe  „Spontane menschliche Selbstentzündung“ (englisch: Spontaneous Human Combustion, abgekürzt SHC) und Dochteffekt auf.

 

Das Phänomen wird von verschiedenen Autoren seit  etwa 200 Jahren beschrieben, sowohl wissenschaftlich als auch unter paranormalen Aspekten. Sogar Charles Dickens hat bereits in dem Roman „Bleak House“ eine angebliche SHC beschrieben.

 

Eine mögliche wissenschaftliche Erklärung für diese Art der „Selbstentzündung“ beschreibt der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke  in einem Interview, erschienen in FAKTOR X, Nr.31/NewsXtra Nr.11 (1998), Seite 2, in der Rohfassung veröffentlicht bei http://www.wiki.benecke.com/index.html .

Danach kann zum Beispiel eine Zigarette die Kleidung oder Haare eines Menschen in Brand setzen. Ist die Person in einem schlechten gesundheitlichen Zustand, gebrechlich oder alkoholisiert sowie allein, kann der Brand nicht schnell gelöscht werden. In diesem Fall würde sich bei längerer Branddauer das Unterfettgewebe durch die entstehende Hitze verflüssigen und in die Kleidung gesaugt werden, die dann wie ein Docht wirkt. Da das Feuer nach oben brennt, kann es passieren, dass nur die Beine unverbrannt übrig bleiben.

Im Kriminalroman führt Becketts forensischer Anthropologe aus, dass es sich bei der beschriebenen Leiche um eine Person gehandelt haben muss, die über viel Fettgewebe verfügte, folglich fettleibig war. Die Unversehrtheit von Hand und Füßen wird darauf zurück geführt, dass diese unbekleidet waren und so ein Verbrennen verhindert wurde, da der Dochteffekt dort nicht wirken konnte. Letztlich wird die Verbrennung der bereits getöteten Frau so erklärt, dass ein wenig mit einem Brandbeschleuniger nachgeholfen wurde, um das Feuer zu initiieren. Auf das Phänomen SHC und den Dochteffekt wird letztlich im Roman nicht mehr eingegangen.

 

Benecke erklärt in dem Interview, dass bis auf einen Fall, der zu jenem Zeitpunkt (1998) noch von der BBC versucht wurde zu klären, kein anderer Fall  nicht aufgeklärt worden sei und das Phänomen der spontanen menschlichen Selbstentzündung  bis auf diesen einen  widerlegt wurde. Schließlich gibt Benecke noch die Auskunft, dass man sich am besten bei der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften unter http://www.gwup.org über dieses  Phänomen informieren kann.

 

Folglich, lieber Krimileser: auch Beckett schreibt in seinen Romanen nicht nur über real existierende Todesarten, Untersuchungsmethoden und Phänomene, manches ist halt Fiktion.

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3 Kommentare on “Spontane menschliche Selbstentzündung und der Dochteffekt, erklärt von M.Benecke – und der Zusammenhang mit Simon Beckett: Kalte Asche”

  1. ottogang sagt:

    Bist Du jetzt unter die Forensiker gegangen ?
    Deine ausführlichen Erläuterungen lassen auf ein großes Interesse in diese Richtung vermuten.

  2. philipp1112 sagt:

    Lieber Ottogang, Deine Frage hat mir den Anstoss zu einem Beitrag aus P’s Arbeitswelt gegeben „Wie kommt Zwiebelduft in die Tapete?“ Da kannst Du es lesen: Ich WAR Forensiker 🙂

  3. […] Todesangst und geschwächt konnte der 65-Jährige das Feuer nicht mehr löschen und der “Docht-Effekt” tat sein […]


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